Biel fühlt sich «eigen» an. Das beginnt am Bahnhof mit der seltsam schönen Skulptur von Schang Hutter. Und hört auf beim rüstigen alten Herr, der den Verkehr reguliert und daneben die Zeit findet, einer Frau mit Rollator über die Strasse zu helfen. Es ist dieser Mangel an Hektik, der aus Biel eine velofreundliche Stadt macht. Pro Velo Biel hat in ihrem 25-jährigen Bestehen dazu beigetragen, dass Schritt für Schritt ein angenehmes Veloklima geschaffen wurde: Hier öffnete man eine Einbahnstrasse für das Velo, dort wurden Autoparkplätze unter den Boden verlegt und neue Veloabstellplätze geschaffen. Daraus entstand ein relativ harmonisches Ganzes, das Biel 2005 den Prix Vélo einbrachte.
Besonders am Bahnhof zeigt sich, dass Biel eine Velostadt ist: Über 1000 Velos sind Tag für Tag hier parkiert – ein wahres Meer von Zweirädern, das den Grossteil des Bahnhofplatzes bedeckt. Hinzu kommen die 400 bezahlten Abstellplätze in der modernen Velostation. Die grossen Pläne der Stadt für die nächsten Jahre werden Biel radikal umkrempeln: Ein Gestaltungsplan sieht für das ehemalige Expo-Gelände am See ein «Klein-Venedig» vor. Eine Tramlinie soll die Stadt durchqueren, der Bahnhofsplatz wird neu gestaltet. Die Velos müssen weg. Zwar ist als Ersatz ein Velo-Kubus geplant, doch Salome Strobel, die 37-jährige Geschäftsführerin von Pro Velo Biel und Stadtparlamentarierin, befürchtet, dass die Zahl der Parkplätze reduziert wird: «Die Zahlen, von denen die Stadt ausgeht, sind alt und viel zu tief.»
Eine Stadtautobahn?
Dass dies so ist, führt Strobel weniger auf mangelnden guten Willen als auf eine gewisse Trägheit zurück. So lasse besonders die Baudirektion zuweilen den Willen zur Kommunikation vermissen. Gerade bei der Umsetzung von neuen Projekten führe das zu Problemen. An der Hauptstrasse, welche die Nordachse Biels bildet, zeigt sich, wie gefährlich Baustellen sein können. Der Transit- und Schwerverkehr ist dicht. Wegen der Erneuerungsarbeiten wurde eine Spur gesperrt – und die Velofahrer zwängen sich irgendwie durch: eine gefährliche Situation. Wenn die Bauarbeiten beendet sind, entsteht immerhin eine Velospur.
Wenig Gutes verheisst aber der geplante Autobahnzubringer für die A5 nach Neuenburg. Eine Allianz von linken Parteien, Umweltorganisationen, Pro Velo und Heimatschutz bekämpft das Projekt. Die Gegner haben inzwischen erreicht, dass es redimensioniert wurde: Statt einer offenen Schneise mitten in der Stadt, einem Vollanschluss im Zentrum und einem Halbanschluss am See, sollen nur noch zwei Halbanschlüsse gebaut werden – je einer für die Fahrtrichtung Bern und Neuenburg. Die Autobahn selbst soll unterirdisch geführt werden. Im Sommer entscheidet eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Stadtpräsidenten über das definitive Projekt.
Ein Prestigeprojekt und ein Fest
Die Gegner der Autobahn befürchten eine Verschlechterung des Bieler Verkehrsklimas und eine massive Zunahme des motorisierten Verkehrs. Der Zubringer könnte auch negative Folgen für das neue, von der Stadt entwickelte und von Partnern wie Rolex unterstützte Velo-Verleihsystem haben. Ab Herbst sollen 400 Velos an 50 Stationen bereitstehen. Laut Jonas Schmid, dem Projektleiter und Leiter der Fachstelle Fuss- und Veloverkehr, sollen Leute, die in Biel und Umgebung arbeiten und wohnen, zum Umsteigen animiert werden. Die Gefahr, dass der Mehrverkehr sie davon abhält, sieht er nicht: Erstens falle durch die neue Autobahn viel Transitverkehr weg, zweitens seien flankierende Massnahmen geplant, die Biel für Autos weniger durchlässig machen sollen.
Bis die Zukunft dann so oder anders kommt, darf Pro Velo das Erreichte aber getrost geniessen. Der Verband feiert sein 25-jähriges Bestehen. Die Bevölkerung und vor allem die 700 Pro-Velo-Mitglieder sind eingeladen, im Filmpodium Velofilme anzuschauen, einen Slam-Poetry-Abend zu besuchen und eine Ausstellung mit Porträts von Bieler Velofahrenden auf dem Zentralplatz zu bewundern. Passend für die Velostadt lautet das Motto: «Das Velo im Zentrum».
www.pro-velo-biel.ch







