Zwischen Pinsel und Pedalen

Die Künstlerin Janika Fabrikant war bis vor einem Jahr Alltagsvelofahrerin. Jetzt, mit 77 Jahren, hat sie ihr Velo verkauft. Doch mit dem Pinsel hat sie dem geschätzten Fahrzeug auf der Leinwand ein Denkmal gesetzt.

Bruno Angeli, Autor (info@bruno-angeli.ch)
27.05.2011

Bekannt wurde Janika Fabrikant durch ihre grossflächigen Gemälde. Sie zeigt unter anderem Industrielandschaften und Gebäude im ganz eigenen Stil, geprägt von kräftigen und intensiven Farben. In der Galerie Alex Schlesinger in Zürich waren vor kurzem drei Acrylgemälde der Künstlerin ausgestellt. Die Gruppenausstellung stand unter dem Motto «A bicyclette», benannt nach einem Chanson aus dem Jahre 1968 von Yves Montand. Janika Fabrikants ausgestellte Werke heissen «Le vélo rouge», «Le vélo jaune» und «Les Halles». Was fasziniert die Künstlerin am Sujet Velo? Fabrikant: «Mich zieht alles an, was metallisch und funktionell ist, insbesondere Maschinen», erklärt sie. Deshalb gibt es von ihr auch Bilder von Lokomotiven, Trucks und Autos.

«Das Velo bedeutet Freiheit»

Für die in Paris geborene Janika Fabrikant war Velofahren in ihrer Jugend allerdings kein Thema: «In Paris war es damals einfach zu gefährlich», sagt sie. Erst Jahre später, mit ihrem Umzug nach Zürich, 1961, lernte sie das Velo als Verkehrsmittel zu schätzen: «Beim Velofahren ist der Kopf frei, man bekommt mit, wie die Jahreszeiten wechseln; das alles ist bezaubernd.» Das Velo habe für sie immer Freiheit bedeutet, schwärmt sie. Und es ist ihr eine Inspirationsquelle für die Kunst. «Während des Fahrens machte ich automatisch eine Selektion, viele Eindrücke bleiben hängen.»

Wenn Janika Fabrikant sich für ein Sujet entschieden hat, das sie auf die Leinwand bringen möchte, fotografiert sie es. Danach setze sie dieses zunächst zeichnerisch, dann malerisch um, erklärt ihr Galerist Alex Schlesinger. Wie wurde sie Künstlerin? «Ich musste mich nie dazu entschliessen, Künstlerin zu werden – es hat sich so ergeben», schildert Janika Fabrikant ihren Werdegang. Kunst liege wohl in ihren Genen, denn auch heute, mit 77 Jahren, verspüre sie weiterhin den Drang zu malen, Neues zu schaffen. «Ich bin neugierig, suche neue Perspektiven. Mein Kopf ist voller Ideen.»

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