Die regionale Veloroute 45 von Zürich nach Winterthur kenne ich auswendig. Deshalb wollte ich letzthin mal erfahren, wie die Fortsetzung an den Rhein so ist, und fand rasch heraus: Schön wäre die Strecke – hätten dort bloss nicht überall Plakate jener Partei die Landschaft verschandelt, die alle als Nicht-SchweizerInnen bezeichnet, die sie nicht wählen wollen.
Unterdessen sind die Würfel gefallen; neu fahren weniger «richtige SchweizerInnen» nach Bern, dafür mehr «anständige» Rechte – und Liberale mit grünem Mäntelchen. Was sich für uns VelofahrerInnen dadurch ändert? Wohl nicht viel, befürchte ich. Denn nirgends wird mit derart unterschiedlichen Ellen gemessen wie in der Verkehrspolitik: Will die Stadt Zürich nur schon ein paar Parkplätze versetzen – von Abbau kann ja keine Rede sein –, dann laufen die Bürgerlichen Sturm.
«Autofahren gilt hierzulande als Menschenrecht, und wer im Auto drin sitzt, der hat seine Ruhe und seinen Frieden und will gefälligst weder durch Staus geärgert noch zum Parkplatzsuchen verknurrt werden.»
Fahren aber im Kanton Graubünden Tausende Autos durch das kleine Dorf Saas – notabene Autos, in denen sich hauptsächlich hochwillkommene, da Geld bringende TouristInnen befinden –, dann muss eine Umfahrung her, und zu deren Eröffnung titelt die NZZ vom 22. Oktober voller Dankbarkeit: «Tag der Erlösung am Saaser Nadelöhr».
Autofahren gilt hierzulande als Menschenrecht, und wer im Auto drin sitzt, der hat seine Ruhe und seinen Frieden und will gefälligst weder durch Staus geärgert noch zum Parkplatzsuchen verknurrt werden. Wer draussen steht, geht oder Velo fährt, hätte auch gern seine Ruhe und ihren Frieden – doch wer
sich nicht in sein Auto-«Häuschen» flüchten und es sich dort bequem machen kann, für den oder die sind Ruhe und Frieden mit diesen Wahlen angesichts der bestätigten bürgerlichen Mehrheit nicht unbedingt näher gerückt. Bleibt zu hoffen, dass es die ParlamentarierInnen in den kommenden vier Jahren – zu Fuss oder mit dem Velo, logischerweise! – immer mal wieder an Orte verschlägt, wo die millionenteure «Erlösung» noch nicht gebaut ist. Beim Zuhalten von Ohren und Nase ins Grübeln zu geraten, ist schliesslich auch ParlamentarierInnen erlaubt …
Nicole Soland ist Redaktorin bei der Zürcher Wochenzeitung «P.S.».







