Zurück in die Vergangenheit

Mit einer neuen Rennserie, dem «Tour de Suisse»-Cup, versucht man im Schweizer Radsport an alte erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen. Wichtige Starthilfe leistet der Tour de Suisse-Veranstalter IMG Suisse.

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Pascal Meisser
Sport, 27.05.2011

Arif hiess das Akronym, das während Jahrzehnten als Erfolgsrezept des helvetischen Radsports gelobt wurde. In voller Länge bedeutete es: «Am Radsport interessierte Firmen». Diese unterstützten in der Schweiz eine Rennserie der Elite-Amateure und die wichtigsten nationalen Anlässe. Dies führte unter den Fahrern zu einer deutlichen Selektion. Die Serie entschied darüber, wer Profi wird. Das Rezept war eigentlich ganz einfach: Wer gewann, hatte das Rüstzeug zum Berufsfahrer. So kann es nicht verwundern, dass fast alle Schweizer Radprofis der Achtziger- und Neunzigerjahre sich zuvor in der Arif-Serie klassierten. Diese Selektion blieb über Jahrzehnte praktisch unverändert, mit allen Vor- und Nachteilen: Die Stärke lag darin, dass die Serie ein beständiger Wert war, die Schwäche, dass während Jahren dieselben Protagonisten den Ton angaben – mit der Folge, dass ihnen irgendwann die Zügel entglitten.

Neue Schirmherrschaft

Um das Jahr 2000 kam es zur Krise und zum Bruch. Ursprünglich als Mannschaftswettkampf aufgebaut, standen beim Arif-Cup zum Schluss nur noch Einzelranglisten im Fokus. Die Mannschaftswertung wurde zwar noch geführt, aber kaum beachtet. Nach der anschliessenden Auflösung der Arif-Vereinigung Ende 2000 fand in der Strassendisziplin keine nationale Rennserie mehr statt – ganz im Gegensatz zur Kategorie Mountainbike: Wertungen wie der Swiss Cup oder Racers Cup zeigten auf, dass eine Verknüpfung mehrerer Rennen zu einer Serie für alle Veranstalter gewinnbringend sein kann – sei es wegen der aufgewerteten Teilnehmerfelder oder wegen mehr Zuschauern.

Nach einigen vergeblichen Versuchen der Sportgruppen, in den letzten Jahren wieder einen Sponsor für eine Strassen-Rennserie zu finden, sprang im letzten Winter die Tour-de-Suisse-Organisation auf den Zug auf. Die Dachorganisation IMG Suisse, bei der inzwischen verschiedene Ex-Radprofis in leitenden Positionen tätig sind, erklärte sich bereit, für dieses Jahr die Schirmherrschaft über diesen neuen «Tour de Suisse»-Cup zu übernehmen. «Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst», sagt Rolf Huser, Ex-Profi beim Post Swiss Team. «Wenn wir auch in Zukunft gute Schweizer an der Tour de Suisse präsentieren wollen, müssen wir uns auch vermehrt beim Nachwuchs engagieren.» Deshalb stellte Huser der Association Suisse des Organisateurs Cyclistes (ASOC) vorerst den Namen «Tour de Suisse» sowie das Logo zur Verfügung.

Huser ist allerdings klar, dass dies nur eine Zwischenlösung sein kann: «Wir müssen für diese Serie einen Hauptsponsor finden, der dann den Namen der Serie mitprägen wird.» Wenn es nach dem Berner geht, wird die Tour de Suisse aber stets eine prägende Rolle bei dieser nationalen Rennserie spielen.

Visionen für die Zukunft

«Die Liaison zwischen Tour-de-Suisse-Cup und der Tour de Suisse ergibt viele sehr spannende Verknüpfungsmöglichkeiten», glaubt Huser. So kann ein Sponsorenpaket geschnürt werden, das sowohl die Rundfahrt als auch den Cup umfasst. Gleichzeitig will Huser den Cup in Zukunft auch vermehrt in die Tour de Suisse integrieren. So wäre es seiner Meinung nach wünschenswert, den Cup nicht mehr saisonal, sondern saisonübergreifend – ähnlich wie die Fussballmeis­terschaft – von Spätsommer bis Spätfrühling durchzuführen.

Diese im Radsport wohl einmalige Terminierung würde es erlauben, dass das Finalrennen des Tour-de-Suisse-Cups in die Landesrundfahrt integriert werden könnte. «So wäre es beispielsweise möglich, dass am Schlusstag der Tour de Suis­se die Zielankunft der Elite-Amateure zeitlich kurz vor jener der Profis stattfände», skizziert Huser. Das ergäbe für den natio­nalen Radsport nicht nur einen medialen Boom, sondern auch gewichtige Argumente für mögliche Cup-Sponsoren.
 


Die nächsten Rennen

19.6.2011    GP Mobiliar / GP RSC Aaretal
03.7.2011    Strassenrennen Pfaffnau
04.9.2011    EKZ Züri Metzgete
10.9.2011    TdS-Cup-Mannschaftszeitfahren
25.9.2011    Gäu-Rundfahrt

Zwischenklassement:
1. Pirmin Lang (Atlas Personal)    94
2. Nicolas Baldo (Atlas Personal)    77
3. Laurent Beuret (Atlas Personal)    69
4. Daniel Henggeler (Price your Bike)    60
5. Raymond Künzli (EKZ Racing)    59

Infos zum Tour-de-Suisse-Cup:
http://www.tds.ch/tourdesuisse/generated/basic/cup.htm

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