In den vergangenen Jahrzehnten ist Pro Velo beider Basel zu einem der grössten Schweizer Regionalverbände angewachsen. Das stolze Alter von fast vierzig Jahren birgt aber auch Probleme. Die Mitgliederzahlen sinken seit Längerem. Waren die Basler Veloförderer einst mit über 5000 Mitgliedern als Verein ein Schwergewicht in den zwei Halbkantonen, ist die Basis heute um 1000 Mitglieder geschrumpft. «Das hat mit der demografischen Entwicklung zu tun», sagt Geschäftsführer Roland Chrétien im Gespräch mit velojournal. Das Gros der Mitglieder stiess in den Siebziger- und Achtzigerjahrenahren zum Verein.
Nun treten zahlreiche Personen altershalber aus, Junge rücken zu wenige nach. Diese Entwicklung beschäftigt Chrétien: «Wir wollen keinesfalls noch kleiner werden.» Eine konkrete Strategie, den Mitgliederschwund aufzuhalten, habe man aber noch nicht gefunden. Jüngst wurde eine «Mitglieder werben Mitglieder»-Kampagne gestartet. Das Ergebnis bleibt vorerst abzuwarten.
Die Innenstadt wird autofrei
Doch nicht nur die Mitgliederzahlen geben zu reden. Der Beschluss der Behörden, die Basler Innenstadt vom motorisierten Verkehr zu befreien, beschäftigt auch Pro Velo. Mehr als nur Stirnrunzeln hatte im August das Vorhaben ausgelöst, die Kategorie der schnellen E-Bikes aus der Innenstadt zu verbannen.
Wer mit gelber Nummer am Elektrovelo unterwegs ist, sollte ab 2014 zwei von drei Achsen durch die Innenstadt nicht mehr benützen dürfen. Obwohl laut Bundesamt für Strassen E-Bikes mit ausgeschaltetem Motor auch da fahren dürfen, wo für Mofas ein Fahrverbot gilt, stellte die Basler Polizei auf stur. «Die Verkehrspolizei braucht eine klare Handhabung, um das Verbot zu überprüfen und die Verordnung durchzusetzen. Daher ziehen wir bei Motorfahrrädern mit einer gelben Nummer den Strich», wird Bernhard Frey Jäggi, Leiter der Abteilung Verkehr bei der Kantonspolizei Basel-Stadt, in der «Basler Zeitung» zitiert.
Doch die Kehrtwende kam prompt, und die Polizei krebste zurück. Pro Velo begrüsse diesen Entscheid, betrachte aber die Pflicht zum Motorabstellen als nicht zielführend und nicht durchsetzbar. Schliesslich gebe es auch für Autos zahlreiche Ausnahmen vom Fahrverbot, merkt Chrétien an. Die Einrichtung neuer Begegnungszonen sei aber grundsätzlich begrüssenswert. Pro Velo fordert weiter, dass eine für Radfahrende zentrale Verbindung – jene von der Mittleren Brücke in Richtung Barfüsserplatz – künftig für Velos passierbar wird. Die Entwicklung hin zu weniger motorisiertem Verkehr in Basel soll noch weitergehen, denn Basel hat sich im Gegenvorschlag zur Städte-Initiative dazu verpflichtet, den Autoverkehr bis zum Jahr 2020 um zehn Prozent zu reduzieren. Pro Velo ist in die Planungen miteinbezogen und setzt sich dort für die Priorisierung des Veloverkehrs ein.
In den Planungen ist der seit Anfang Jahr aktualisierte Teilrichtplan von Bedeutung. Ähnlich wie in Zürich werden die Veloverbindungen in schnelle Pendler- und sichere Basis-Routen unterteilt. «Leider wurde nicht genügend klar definiert, wie diese Routen ausgestaltet sein sollen», kritisiert der Pro-Velo-Geschäftsführer. Beim Stichwort Pendler-Route von «Velo-Highways» im Stil Kopenhagens zu träumen, sei verfrüht. Hier ist mehr Lobbyarbeit nötig. Solche brauche es auch in Zusammenhang mit dem Basler Langsamverkehrskredit. «Für grosse Projekte reicht das Budget aber bei Weitem nicht», so Chrétien. Er erwähnt das am Badischen Bahnhof geplante Veloparking. Eine gute Abstellmöglichkeit für Fahrräder sei dringend nötig, denn die Bedeutung des Bahnhofs wachse. Auch deshalb, weil er von PendlerInnen aus Deutschland stark genutzt werde. Pro Velo überlege sich, einen separaten Kredit für Velomassnahmen zu fordern.
Im Kanton Basel-Land ist das Budget knapp. Bis 2020 sollen alle basellandschaftlichen Velorouten ausgebaut werden, so das ehrgeizige Ziel des Kantons. Roland Chrétien bezweifelt, dass die Zeit dafür reichen wird. Pro Velo stellt einen deutlichen Unterschied zwischen Stadt und Land fest. Das ländliche Basel ist politisch auf die motorisierte Mobilität fokussiert. Anders die Stadt, wo Verwaltung und Parlament dem Fuss- und Veloverkehr wohlgesonnen seien.
Behinderte gegen Velofahrer
Im Zug des Behindertengleichstellungsgesetzes werden viele Haltestellen umgebaut, und dabei werden die Randsteine erhöht. Für Velofahrende seien diese Umbauten problematisch, weil für die Durchfahrt nur noch wenig Platz zwischen Schienen und Haltestellenkante bleibt. Das sei in Basel-Stadt heute an knapp einem Fünftel aller Tramstationen der Fall, in Zukunft werden es noch mehr, erläutert Roland Chrétien. Velopedale können die hohen Randsteinkanten berühren, Stürze sind die Folge. Gerade für ungeübte Velofahrerinnen und -fahrer sei das heikel. Die Velolobby fordert deshalb, beim Tramausbau auch die Situation für Velos zu beachten. Sonst werde die Umsetzung des Behindertengesetzes zum «Bumerang für den umweltfreundlichen Verkehr».
www.provelo-beiderbasel.ch







