Kürzlich auf der offiziellen Veloroute, die quer über Zürichs schönsten Parkplatz führt, den Münsterhof: Zwei Frauen treten so unvermittelt zwischen parkierten Autos hervor, direkt vor mein Velo, dass ich tüchtig bremsen, ja sogar abspringen muss – aber halb so schlimm, gestürzt ist niemand. «Nichts passiert», denke ich. Doch während die eine der beiden Frauen stehen bleibt, offensichtlich um mich wieder anfahren zu lassen, hat es die andere eilig. «So fahr äntli!», herrscht sie mich an.
FussgängerInnen sind in der öffentlichen Wahrnehmung normalerweise die Guten, VelofahrerInnen die Bösen. Logisch, denn die Bremsmanöver, die ich täglich mache, um zu verhindern, dass mir FussgängerInnen mit geschlossenen Augen und Stöpseln in den Ohren ins Velo laufen, kriegen diese ja nicht mit – und falls doch einmal: siehe oben …
Trotzdem: Dass die Menschen, die sich mit dem absolut billigsten, leisesten und umweltfreundlichsten Fahrzeug fortbewegen, schief angeschaut werden, während gleichzeitig «Geiz ist geil»-Werbung boomt, Präventionskampagnen gegen Übergewicht laufen und uns energiesparendes Verhalten im Hinblick auf die 2000-Watt-Gesellschaft schmackhaft gemacht werden soll – das ist einfach unlogisch. Das Velo braucht dringend eine Imagekampagne!
Der Zeitpunkt ist günstig: Jeden Frühling steigen viele Menschen, die es nicht regelmässig nutzen, wieder einmal aufs Velo; nur steigen leider die meisten schon nach kurzer Zeit wieder ab. Dem müssen wir etwas entgegensetzen. Weil sich im Moment alle Parteien mit Blick auf die Nationalratswahlen positionieren und eine schweizerischer sein will als die andere, müsste unsere Velo-Imagekampagne natürlich die «schweizerischen Werte» des Velos hervorheben. Und siehe da, die gibt es tatsächlich: Autos brauchen Benzin, und auch für in der Schweiz raffiniertes Benzin braucht es Rohöl aus dem Ausland. Wie unschweizerisch, igitt!
Die Velotanks hingegen, die sind viel flexibler: Der eine braucht Wienerschnitzel, die andere Biogemüse aus der Region, aber mit ausschliesslich einheimischem «Sprit» auszukommen, ist problemlos möglich. Wenn das kein Argument ist!
Nicole Soland ist Redaktorin bei der Zürcher Wochenzeitung «P.S.».







