«Also mein Velo hat die beste Nabenschaltung der Welt, da können Sie mir mit ihren 27 Chratzi-Chroosi-Chette-dusse-Gängen gleich abfahren.» – «Bitte, solange Sie das Teil allein die Treppe hochschleppen, kein Problem – ich häng mir meinen 27-Gänger schon mal über den kleinen Finger und mach mich auf den Weg …». So eine Unterhaltung haben Sie noch nie geführt? Keine Sorge, die ist auch erfunden. Das heisst: umgeschrieben. Velos sind schliesslich kein Thema – bei uns wird über Autos gefachsimpelt. Das ist ganz normal. Wie das samstägliche Autowaschen. Wie das Auto selbst. Deshalb gilt auch: Willst du jemanden so richtig fertigmachen, dann nimm ihm das Auto weg.
Nein, natürlich sehe ich das persönlich nicht so. Aber die bürgerliche Mehrheit im Zürcher Kantonsrat sieht es sehr wohl so: Sie hat entschieden, dass SozialhilfeempfängerInnen kein Auto haben dürfen. Zwar haben sie das normalerweise eh nicht, aber wer sich bis anhin den Unterhalt seiner alten Karre vom Mund absparen wollte – bitte sehr. Nun aber ist Schluss mit lustig.
Warum mich das ärgert, wo ich doch autolos glücklich bin? Weil die heilige Kuh Auto offenbar einfach nicht zu schlachten ist. Weil auch im 21. Jahrhundert noch viele Menschen glauben, Velofahren sei nur etwas für die «Armen», die sich kein Auto leisten können – und natürlich für «linke und grüne Spinner». Weil «Auto-Entzug» als Strafe gehandelt wird. Weil man sich rechtfertigen muss, wenn man lieber nicht Auto fährt – und nicht umgekehrt.
Vielleicht müssten wir VelofahrerInnen mehr fachsimpeln. Oder immer samstags unsere Velos putzen – an belebten Orten, versteht sich. Oder eine Velo-Tuning-Plattform gründen. Oder KundInnen, die mit dem Velo anreisen, fünf Prozent Rabatt geben. Oder den SozialhilfebezügerInnen das Velo fahren verbieten … Nein – so gehts natürlich nicht. Mich zwingt auch niemand dazu, Auto zu fahren. Nur dazu, Tag und Nacht Autolärm zu hören und Autogestank einzuatmen. Und das ist natürlich … etwas ganz anderes.
Nicole Soland ist Redaktorin bei der Zürcher Wochenzeitung «P.S.».







