Was kommt nach der Vignette?

Die diesjährige Velovignette wird die letzte sein – das ist klar. Was danach kommt, ist jedoch offen. Verschiedene Anbieter stehen in den Starlöchern und werden bald um die Gunst der Velofahrenden buhlen – Versicherungsgesellschaften und Fahndungssysteme.

Pete Mijnssen, Chefredaktor (pete.mijnssen@velojournal.ch)
Schwerpunkt, 20.07.2011

Bis anhin genügte die jährlich zu erneuernde Vignette als Schutz gegen Haftpflichtansprüche bei Unfällen. Als Zusatzschutz gegen Diebstahl diente zum Beispiel der «Bikerefinder». Hier kann die Nummer der Velovignette per Internet oder SMS registriert werden. Diese Regelung gilt noch bis Mitte nächten Jahres. Ab dem 1. Juni 2012 wird dann jeder Velofahrer und jede Velofahrerin eine private Haftpflichtversicherung abschliessen und mit der Hausratsversicherung das Velo gegen Schäden und Diebstahl versichern müssen. Inzwischen weiss man: Ähnlich wie im Gesundheitssystem wird dies eine Grundversicherung sein. Aber viele Details sind noch offen. Verschiedene Versicherungsgesellschaften, aber auch «Fahndungs»-Firmen und Organisationen sind daran, Angebote auszuarbeiten. Man setzt auf einen neuen Markt.

GPS-Chip gegen Velodiebstahl

Auch Donald Wuhrman, Geschäftsführer der Firma miaxcom, setzt auf diesen neuen Markt. Die junge IT-Firma bietet laut eigenen Angaben «die kostengüns­tige Nutzung von neuartigen und zuverlässigen Ortungsdiensten» an. Sie will gestohlene Velos, die einen entsprechenden Chip eingebaut haben, mit GPS orten und so finden. Im Herbst will das Unternehmen sein System vorstellen.

An einer ähnlichen Lösung arbeitet auch die Versicherungsgesellschaft Mobiliar – zusammen mit der ETH, der Universität St. Gallen und dem Velohersteller Thömus. Doch ein GPS-Ortungssystem ist hier nur die «Butter auf dem Brot» und ein Verkaufs­argument für Versicherungsleistungen. Für die Geschädigten wird weit wichtiger sein, wie hoch die Versicherungssumme im Schadensfall ist beziehungsweise wie viel Geld man für ein gestohlenes Velo von der Versicherung bekommt. Hier könnte sich bald eine Kostenschere auftun.
Am besten werden Personen fahren, die bereits eine Privathaftpflichtversicherung haben. Diese übernimmt diskussionslos Ansprüche aus einem Velounfall. Allerdings kann der Selbstbehalt variieren.

Fallen Spezialfälle aus dem System?

Schwieriger wird es für Velofahrende, die mehrere (teure) Velos besitzen und dafür keine Spezialversicherung haben, sich gegen Diebstahl zu versichern. Sicher werden sich Gesellschaften um diese Kunden bemühen, aber sie werden sich auch vorbehalten, bei gehäuften Schadensfällen jemanden ausschliessen zu können.

Schlecht werden sozial Schwache dastehen, die sich aus Unwissen oder wegen fehlender Finanzen gar nicht versichern. Rund zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung haben bis heute keine Haftpflichtversicherung. Sie können sich gegen Ansprüche aus Velounfällen nicht mehr separat und günstig absichern. Für was alles der nationale Garantiefonds aufkommen wird ist noch unklar.

So herrscht gleichzeitig Goldgräberstimmung und Verunsicherung. Einige Gesellschaften – vor allem Branchenführer Generali – müssen sich neu ausrichten. Die Gesellschaft verkaufte bisher jährlich 3,5 Millionen Velovignetten. Pressesprecherin Liliane Scherer bezeichnete dies gegenüber velojournal noch im vergangenen Jahr als «einfache, bewährte und verursachergerechte Lösung».

Einfache Lösung gefragt

Ruedi Ursenbacher, unabhängiger Versicherungsspezialist bei fairsicherung, kann sich gut vorstellen, dass die Versicherungsvertreter schon bald ausschwärmen werden, um Velofahrenden «Packages» zu verkaufen. Damit sind Leistungen gemeint, die man nicht unbedingt braucht. Gefragt wären aber «einfache Pauschallösungen und einfache Produkte». Just dies will die Firma Veloplus ihren Kunden anbieten. «Unser Angebot wird im Herbst spruchreif», erklärt Geschäftsführer Dominique Metz.
Eine weiteres, mögliches Modell könnte so aussehen: Verbände und Organisationen mit mehr als 20?000 Mitgliedern könnten zu Versicherungspartnern werden, und so könnten wiederum kostengünstigere «Gruppenversicherungen» entstehen.

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