Claire und Leo lieben sich. Sie sind ein Paar. Allerdings scheinen sie ganz und gar nicht zueinander zu passen. Leo ist ein rationaler, ruhiger und geerdeter Typ, der lieber wandern geht, als mit Claire tiefgründige Gespräche zu führen. Sie schreibt gerne überlange romantische SMS, Leo hingegen hasst diese Nachrichtenform. Was ihn aber besonders stresst, ist Claires übertriebene Angst vor Bakterien und Umweltgefahren. Leo ist dafür für Claire emotional zu weit weg. Auch ist er als Handwerker nicht zu gebrauchen und er ist auf dem Ökotrip. Trotz vielen Widrigkeiten kämpfen die beiden um ihre Liebe.
Filme, die Beziehungen thematisieren, sind natürlich keine Seltenheit. Es ist ein schwieriges Unterfangen, diesen zigmal bearbeiteten Stoff einem gesättigten Publikum neu darzureichen. Ralf Westhoff, der das Drehbuch, die Regie und Produktion zu verantworten hat, ist dies aber mit dem Streifen «Der letzte schöne Herbsttag» gelungen. Westhoff, dem mit seinem Erstling «Shoppen» im Jahr 2007 ein Hit gelang, fiel damals vor allem durch gelungene Dialoge auf. Dies ist in seinem aktuellen Film nicht anders. Die Hauptdarsteller Julia Koschitz als Claire und Felix Hellmann als Leo – beide waren bereits in «Shoppen» dabei – geben den schwierigen Dialogen eine natürliche Leichtigkeit, über die man staunt.
Gefühltes und Erlebtes ausgebreitet
Für das aktuelle Kino sehr ungewöhnlich sind die chronologische Drehfolge und die Möglichkeit, viel zu proben. Julia Koschitz dazu: «Die Arbeit an diesem Film hat mich eher ans Theater erinnert als an übliche Filmdrehs.» Koschitz und Hellmann kennen sich bereits seit 2004, als sie zusammen Theater spielten. Hellmann findet es von Vorteil, wenn man für die Filmarbeit eine gemeinsame Ebene hat und gegenseitige Sympathie empfindet: «Wir haben viel über die Figuren geredet und dabei schnell gemerkt, dass wir auf der gleichen Wellenlänge sind. Sie ist sehr genau in ihrem Spiel. Mit ihr kann man sich gegenseitig toll anspornen, das Feinstmögliche rausholen.» Die Texte waren trotzdem keine einfache Sache für die Darsteller, wie der Regisseur zugeben muss: «Die Dialoge sind ja nicht so geschrieben, wie man normalerweise spricht. Sie sind teilweise sehr artifiziell – worauf ich auch Wert lege. Es liegt vor allem am Können der beiden Hauptdarsteller, dass der Text nicht zu abgehoben rüberkommt.»
Schön ist der Einfall des Regisseurs, die gespielte Handlung immer wieder durch Monologe der zwei Hauptakteure abzulösen. Claire und Leo sprechen dabei unabhängig voneinander direkt in die Kamera. Es gibt keinen Fragesteller. Sie erzählen jeweils subjektiv über die Beziehung. Gefühltes und Erlebtes wird ausgebreitet. Der Zuschauer erfährt dabei unter anderem auch, wie sich die zwei in einem Veloladen kennengelernt haben. Leo wollte sich hier vom Fachmann den platten Reifen reparieren lassen. Claire enerviert sich. Sie kann nicht verstehen, dass der Mann das Rad nicht selbst repariert. Sie schlägt Leo einen Deal vor: Sie bringt das Rad in Ordnung, dafür muss Leo sie bekochen.
Übrigens: Die Hauptdarsteller wie auch der Regisseur leben in München. Sie bevorzugen auch privat das Velo als Verkehrsmittel. Anders als ihre Filmfigur Claire überlässt Julia Koschitz das Plattenflicken aber gerne dem Fachmann.
«Der letzte schöne Herbsttag», D 2010
Drehbuch und Regie: Ralf Westhoff
Kamera: Helmfried Kober
Aufnahmeleitung: Christian Ullbrich
Szenenbild: Bettina Zirngibl
Ausstattung: Michaela Weniger
Schnitt: Uli Schön
Musik: Michael Heilrath
Kostüme: Ina Irena Will
Maske: Angela Kutter
Produzent: Ralf Westhoff
Schauspieler: Julia Koschitz (Claire), Felix Hellmann (Leo), Kathrin Marie Schubert (Ivonne), Leopold Hornung (Tobias)







