Von der Bahn aufs Velo umsteigen

«PubliBike», das gemeinsame Angebot von PostAuto, SBB und Rent a Bike, will die Mobilitätskette mit Leihvelos ergänzen. So wie an den Bahnhöfen Mobility-Autos stehen, sollen bald auch mehr «PubliBike»-Velos greifbar sein.

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René Hornung
26.03.2013

Wer mit dem Zug oder dem Postauto ankommt und sich entschliesst, nicht zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr die nächste Wegstrecke zurückzulegen, sondern sich für ein Velo entscheidet, soll bald an mehr Orten Umsteigemöglichkeiten bekommen. In der Deutschschweiz ist «PubliBike» in acht Gemeinden präsent, in der Regel in Bahnhofnähe: in Basel, Bern, Solothurn, Luzern, Winterthur, Frauenfeld, Kreuzlingen und in Brig. Geplant sind Stationen in Rapperswil-Jona und am Beatenplatz in Zürich.
Die bereits letztes Jahr angekündigte Übernahme des Leihsystems von «Velopass» in der Romandie wird nun umgesetzt: Ab April gibt es eine einheitliche Karte, und «Velopass» wird in «PubliBike» umbenannt. Gleichzeitig wird auch das Netz weiter ausgebaut mit zwei neuen Stationen in Villars-sur-Glâne, einer in Renens, und auch im Tessin gibt es bald Leihvelos in Melide und Capriasca.

Vorbild Mobility
«PubliBike» will auch mit Firmen zusammenarbeiten – ein ähnliches Modell, wie es auch der Autoverleiher Mobility anbietet. In Bern werden aktuell bei verschiedenen Bürogebäuden von SBB und Post öffentlich zugängliche Stationen eingerichtet, sodass man innerhalb des Netzes zirkulieren kann: Die Velos können am einen Ort ausgeliehen und an einem andern Ort zurückgegeben werden. Damit unterscheidet sich das System von den Gratis-Velo-Verleihdiensten, wie «Züri rollt» oder «Bern rollt» und «Thun rollt», die es schon lange gibt. Dort muss man entweder Geld oder einen Ausweis hinterlegen und kann sich dann ein Gratis-Velo ausleihen, das man allerdings wieder an den Ausgangsort zurückbringen muss. Zudem sind die Öffnungszeiten dieser Ausleihstationen beschränkt.
«PubliBike» hat ein anderes Konzept: Es will Teil einer Transportkette von einem Ort zum anderen sein. Allerdings sei das System – auch von der Konzeption der Velos her – für kurze Distanzen gedacht, stellt Anita Wenger fest. Sie ist bei PostAuto Schweiz für den Betrieb von «PubliBike» zuständig. Hier will man ein möglichst grosses nationales Netz aufbauen. Dazu setzt man auf Gemeinden und Firmen, die als «Besteller» der Dienstleistung auftreten sollen.
Beim Veloverleih gibt es noch drei verschiedene Systeme: neben dem fusionierten «PubliBike»/«Velopass» den Bieler «Velospot» und «Nextbike» in Luzern. Solche Insellösungen sind für die Benutzer aber unpraktisch – deshalb will sie «PubliBike» vermeiden. Allerdings werden auch diese Velos nicht schweizweit standardisiert sein. Man wolle den «Bestellern» verschiedene Modelle zur Wahl anbieten.
Vorerst gilt es, letzte Kinderkrankheiten des Systems zu beheben: Im Winter haben einzelne Andockstationen geklemmt, und die Batterien der E-Bikes waren nicht immer geladen. Bei den Nutzern zeige sich übrigens ein klarer Trend zu den ­E-Bikes, stellt Anita Wenger fest. In der Romandie verzeichnet das bisherige «Velopass»-System in Spitzenmonaten bis zu 7000 Ausleihungen pro Monat.

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