An einem Sommertag fahre ich von Schwarzenburg hinunter nach Bern. Da erblicke ich sechs-, siebenhundert Meter vor mir auf der tiefer gelegenen Strasse eine Unbekannte Radelnde Person, abgekürzt eine URP, die sich durch die Landschaft fortbewegt. Oh, eine URP, die hole ich ein, denke ich und erhöhe den Kurbelrhythmus der Beine. Ein paar Kilometer weiter taucht die URP abermals auf am Horizont, und ich muss feststellen, dass ich den Abstand zu ihr noch kaum habe verringern können.
Diese URP ist also schneller als du, knurrt es in mir, und nun gebe ich so Gutzi, dass ich im Bauch die Magensäure brennen spüre. Nach ein paar sauren Minuten aber habe ich mich der schnellen URP genähert und stelle fest, dass sie nicht etwa ein Rennrad fährt, sondern auf einem schwerfälligen Velo mit Einkaufssacochen und ausladendem Lenker sitzt und, aufrecht im Fahrtwind, einen riesigen Gang würgt. Noch ein Murks, und ich bin in ihrem Windschatten, kann dort verschnaufen, mit einem Schluck Bidonwasser die Magensäure hinunterspülen. Läck, selten habe ich eine so starke URP erlebt.
Der Windschatten ist so schön, dass ich mich in ihm erholen kann. Da erst sehen meine schweissverklebten Augen, dass die URP, eine wie zum Skifahren eingemummte Dame, an ihrem Velo ein Elektromotörli hat. Ist auch gut, denke ich, für die grosszügige Spende eines Windschattens ist mir jedes Moped recht, ob es nun mit Zweitaktmost oder Mühlebergpfuus fährt. Aaah, schon seit ein paar Minuten fliege ich in der Windstille auf Bern zu, leicht links gegen die Strassenmitte hin versetzt hinter der würgenden Skimumie, die mit vierzig Sachen rasender Vorsicht sehr rechts, fast im Strassengraben fährt.
Da merkt URP eins, dass sie eine andere URP, nämlich URP zwo, im Rücken hat. Sie zuckt zusammen, dann schreit sie nach hinten: «Was wollen Sie da?» Ich rufe nach vorn: «Guten Tag Frau URP, den Windschatten, nichts als den Windschatten, denn der bringts!» Sie: «Das will ich aber nicht!» Sie nimmt ein wenig Mühlebergpfuus zurück, ich fahre links nach vorn auf ihre Höhe, neben sie, um die Windschatten-Verhandlungen zu beginnen. Da komme ich aber nicht weit, denn Frau URP ist beleidigt und findet das, was ich mir da erlaubt habe, eine Frechheit.
Ich bitte Frau URP um Entschuldigung. Dann frage ich sie, wie wir diese schwierige Situation zweier URPs elegant entwirren könnten. «Fahren Sie jetzt vor!», befiehlt sie mir. Ich: «Ah, Frau URP, das ist eine gute Idee, so gebe ich Ihnen meinen Windschatten.» Frau URP: «Pfiifetechel Windschatten. Fahren Sie jetzt, ich muss nach Bern!» Ich tue wie geheissen, fahre vor und achte darauf, dass ich mit höchstens 20 km/h rolle. Frau URP hütet sich davor, mich zu überholen, aus Furcht wohl, dass ich mich wieder in ihren Windschatten stehlen würde, was ich natürlich nicht täte. So aber kann sie ihr Elektromotörlein nicht aufdrehen, und wir sparen in einer gemeinsamen Aktion ein wenig Mühlebergpfuus.







