Veloverkäufe im Aufwind

2014 wurden in der Schweiz mehr Velos als im Vorjahr verkauft. Markant ist der Zuwachs bei den E-Bikes. Hier zeigt sich, dass der Boom noch lange nicht vorbei ist.

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Fabian Baumann
24.03.2015

Allen Unkenrufen zum Trotz war 2014 ein gutes Jahr für die Schweizer Velobranche. Das Wetter präsentierte sich bereits früh von seiner besten Seite. Sonne und angenehme Temperaturen weckten bei vielen Schweizerinnen und Schweizern die Lust am Velofahren. Zusammen mit einer hohen Werkstattaus­las­tung sorgte das dafür, dass viele Fachgeschäfte das Jahr positiv abschlossen. Zur Jahresmitte drückte der wechselhafte Sommer zwar etwas die Stimmung. Der Frühling vermochte aber eine so gute Vorlage zu schaffen, dass der Handel trotz nasser Sommermonate das Jahr erfolgreich abschloss.
Wie gut das Jahr war, zeigt der Blick auf die Importstatistik der eidgenössischen Zollverwaltung. Gemäss Auswertung des Branchenmagazins «Cyclinfo» wurden 2014 insgesamt rund 338 000 Fahrräder – ohne E-Bikes – in die Schweiz geliefert. Nimmt man die 27?000 Stück aus heimischer Produktion plus 65 000 Elektrovelos hinzu, beläuft sich das Total auf knapp 430 000 Zweiräder. «Die Erfahrung zeigt, dass der weitaus grösste Teil der Fahrräder auch verkauft wird», sagt «Cyclinfo»-Chefredaktor Urs Rosenbaum gegenüber Velojournal. Ein Teil des Imports geht vorübergehend an Lager. Mehr als zehn oder fünfzehn Prozent des Imports dürfte dieses aber nicht ausmachen.
Beim Publikum besonders beliebt sind Fahrräder aus dem sportlichen Segment. Mountainbikes führen seit Jahren die Verkaufsstatistiken an. Und auch Rennräder finden zunehmend in die Velokeller und Garagen der Schweizerinnen und Schweizer. Im Alltagsbereich ungeschlagen ist das klassische Citybike. Viele Käuferinnen und Käufer wählen aber zunehmend statt des «normalen» Velos ein solches mit Tretunterstützung.

E-Bikes stark gefragt
Elektrovelos verleihen der Branche nach wie vor Schub. Seit 2005 wurden in der Schweiz bereits mehr als 300 000 E-Bikes verkauft. Wie beliebt die elektrifizierten Zweiräder sind, zeigt die Importstatistik ebenfalls. Importeure und heimische Hersteller lieferten 2014 gegenüber dem Vorjahr satte 16 Prozent mehr Modelle an Schweizer Veloläden. So ist heute bereits jedes sechste bis siebte in der Schweiz verkaufte Fahrrad mit Elektromotor ausgestattet. Für den starken Verkaufszuwachs dürften zwei Faktoren von entscheidender Bedeutung sein, erläutert Urs Rosenbaum. So seien ältere, noch vor dem Boom gekaufte E-Bikes langsam am Ende ihrer Lebensdauer angelangt und müssten ersetzt werden. Andererseits hätten neue Modelle und – für viele Käuferinnen und Käufer wichtig – im Schnitt tiefere Preise neue Zielgruppen erschlossen. Nicht zuletzt dank Elektro-Mountainbikes konnten Jüngere für E-Bikes begeistert werden. «Die Möglichkeit des Ausflugs ins Gelände spielt bei dieser Zielgruppe jedoch weniger eine Rolle als die sportliche Optik und das lebhafte Handling», weiss der «Cyclinfo»-Chefredaktor.
Schnelle E-Bikes mit Tretunterstützung bis 45 km/h erfreuen sich ebenfalls steigender Beliebtheit. Obwohl diese Zweiräder von Gesetzes wegen höhere Anforderungen als Modelle der «langsamen» Kategorie erfüllen müssen und eine amtliche Zulassung samt Nummer erfordern, fehlen genaue Zahlen zur Verbreitung. Die kantonalen Strassenverkehrsämter erfassen eingelöste schnelle E-Bikes nicht durchgängig. Die Velobranche weiss aber, dass 20 bis 25 Prozent aller verkauften E-Bikes der schnellen Kategorie zugeordnet werden können.

Ausblick
Ob auch 2015 ein flottes Velojahr wird, müssen die kommenden Monate zeigen. Die Leute wollen Radfahren. Die Frage ist nur, ob sie ihr Fahrrad in der Schweiz oder im Ausland kaufen. Der tiefe Euro ist jedoch nicht der einzige Faktor, der den Kauf beeinflusst. Neben dem bereits genannten Einflussfaktor Wetter spielt auch die Grundstimmung gegenüber dem Velo und dem Elektrovelo eine Rolle. Urs Rosenbaum glaubt, dass bei den E-Bikes das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. «Hier dürfte noch Luft nach oben sein.» Pro Velo Schweiz teilt diese Einschätzung. Der nationale Dachverband sieht grosses Potenzial bei den elektrifizierten Zweirädern, sowohl im Alltag als auch in der Freizeit. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis ein Fünftel aller Velos auf Schweizer Strassen mit Elektromotor unterwegs ist.

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