Velotransport? Ein Kinderspiel!

Einen Ausgangspunkt für die Veloferien zu finden, ist mittlerweile eine Kunst. Zumindest dann, wenn man keine Lust hat, während der Anreise per Zug dauernd umzusteigen. Doch es gibt einen Trick.

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Nicole Soland
16.11.2015

Wir starteten und beendeten die Tour in Hamburg, wohin nach wie vor ein Nachtzug ab Zürich fährt: Null Mal umsteigen. Perfekt! Bleibt nur zu hoffen, dass SBB, DB etc. das grassierende Nachtzug-Sterben doch noch stoppen, bevor es zu spät ist … Von Hamburg aus pedalten wir erst dem Ochsenweg entlang bis Flensburg, um sodann dem Inselhüpfen per Velo und Fähre zu frönen – über Als und Æro nach Fyn und weiter über Tåsinge, Langeland, Lolland und Falster nach Sjælland, genauer nach Kopenhagen. Und hätten wir es nicht bereits früher erlebt, wir hätten Bauklötze gestaunt: VelofahrerInnen gelten auf den Fähren als ganz normale KundInnen. Niemandem käme es in den Sinn, auf gewissen Fähren keine Velos mitzunehmen.
Wer von Kopenhagen mit dem Zug nach Zürich fahren und das Velo mitnehmen will, muss hingegen vier- oder gar fünfmal umsteigen, da in den ICE-Zügen keine Velos transportiert werden. Der ultimative Trick mit der Fähre folgte deshalb, wie das sprichwörtliche Sahnehäubchen, zum Schluss: Wir fuhren erst mit dem Zug in einer guten halben Stunde von Kopenhagen über den Öresund nach Schweden, genauer nach Malmö. Dort nahmen wir die Fähre nach Travemünde; die Velomitnahme ist im Fahrpreis inbegriffen – man muss lediglich beim Ticketkauf angeben, wie viele Velos man dabei hat. Nun ultimativ auf den Geschmack gekommen, wählten wir in Travemünde für den ersten Teil der Rückfahrt nach Hamburg spontan das Ausflugsschiff, das auf bunten Tafeln mit «Fahrradmitnahme möglich!» warb, und los gings, die Trave hoch nach Lübeck. Warum kann das VelofahrerInnenleben nicht immer so einfach sein?!
Gut, auf den ersten Blick leuchtet die unterschiedliche Behandlung ein: Die Fähren sind auf den Transport von Fahrzeugen ausgerichtet, während man bei der Bahn davon ausgeht, dass die Fahrgäste zu Fuss ankommen. Nichtsdestotrotz haben wir in Dänemark erlebt, dass es auch anders geht: Wer sein Velo im Grossraum Kopenhagen in die S-Bahn nehmen will, fährt in geräumigen Liften zum Perron und geht zu jener Stelle, wo am Boden ein Velosymbol aufgemalt ist. Die einfahrende S-Bahn kommt so zum Stehen, dass sich genau dort der ebenerdige hintere Eingang zum Velowagen befindet. Im Wagen ist zur Linken auf der ganzen Länge ein Veloständer montiert: Vorderrad einschieben, fertig. Ist man am Ziel angekommen, zieht man das Velo raus und schiebt es zum vorderen Ausgang. Dauer: Sekunden. Ärgerpotenzial: Null.
Womit wir wieder bei euch wären, liebe Schweizerische Bundesbahnen: Den Wunsch nach Wiederbelebung der Nachtzüge hatten wir schon, hier nun noch der nach Velowagen, die diesen Namen verdienen. Was die Dänen können, könnt ihr doch auch. Wetten?

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