Veloförderung im «Chabisland»

Das Gürbetal liegt zwischen Bern und Thun. Eine Gegend, in derauf dem fruchtbaren Boden seit je Weisskohl angebaut wurde, was der Region den Spitznamen «Chabisland» einbrachte. Hier ist Pro Velo fest verankert.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
23.03.2011

Der Pro-Velo-Regionalverband Gürbetal feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Aus Anlass des Jubiläums werden deshalb an der alljährlich stattfindenden Velobörse Lebkuchen an die Besucher verteilt. Zudem werden allen Orts- und Schulbibliotheken zwischen Wattenwil und Belp Velolandführer zum Ausleihen zur Verfügung gestellt.

Aber auch hinter den Kulissen wird aktive Fahrradförderung im Tal betrieben, auch wenn es im Vergleich zu den ersten Jahren etwas ruhiger zu- und hergeht. «Pro Velo hat in der Vergangenheit ihre grossen Hausaufgaben gemacht», zieht Regionalpräsident Tom Mayer rückblickend Bilanz. An der Veloland-Route 74 und am kantonalen Velorichtplan hatte man aktiv mitgearbeitet. Auf Strassenbauprojekte in Belp hat Mayer persönlich ein Auge, da er im Ort wohnt. His­torisch gewachsen ist Pro Velo aber bis anhin im oberen Gürbetal. In Belp ist man weniger aktiv. Ein Grund dafür ist die Nähe zur Stadt Bern: Belp orientiert sich mehr in Richtung Hauptstadt.

Jahreshöhepunkt Velobörse

Die jeweils Ende März stattfindende Zweiradbörse in Wattenwil ist Hauptaktivität und Jahreshöhepunkt der Gürbetaler Pro Velo – und überdies jedes Jahr sehr erfolgreich. «Sie wird von der Bevölkerung geschätzt und würde vermisst werden, gäbe es sie nicht», weiss Mayer. Zu weiteren und grösseren Aktivitäten fehlen dem Verband aber die Ressourcen. Damit meint der Präsident nicht die Finanzen, sondern die aktiv Mitarbeitenden. Leider gehe auch die Mitgliederzahl leicht zurück. Von den 80 Mitgliedern engagieren sich rund 10 aktiv.

Von der grossen Mehrheit ist wenig zu spüren. Als Mitglieder des Regionalverbandes bekommen sie aber alle das velojournal. Das mache die Mitgliedschaft attraktiv, so Mayer. «velojournal war auch mein Einstieg», blickt er zurück. «Dadurch bin ich überhaupt erst zu Pro Velo gekommen.»

Fehlt es dem Gürbetaler Verein an Biss, um seine Basis zu mobilisieren und mehr Mitglieder zu gewinnen? Oder sind die Mitglieder einfach zufrieden mit der Velosituation im Chabisland? Die spärlich besuchten Jahresversammlungen lassen eher auf Letzteres schliessen. Auch die Vereins-Webseite kommt wenig hektisch daher, die letzten Einträge stammen aus dem Jahr 2009.

Das grosse Ziel

Ein grosses Ziel gibt es aber dennoch. Die Veloland-Route 74 ist nicht durchgängig. Zwischen Lohnstorf und Burgi­stein fehlt ein Radweg auf etwas mehr als einem Kilometer. Dort muss auf die Hauptstrasse ausgewichen werden, auf der die Autos mit 80 km/h an den Velos vorbeirauschen. Für Familien mit Kindern ist diese Situation unbefriedigend und zudem gefährlich «Die Schliessung der Lücke ist unser Traum», so Mayer, doch das Ziel sei hoch gesteckt. Bis heute gibt es auf der Basis des Verkehrsrichtplans Ideen und Vorschläge, wie diese Lücke geschlossen werden könnte. Der Vorstand will nun ein konkretes Projekt anreissen und an der Basis aktive Mitarbeiter dafür gewinnen. Diese seien nötig, um Informationsveranstaltungen zu organisieren und Lobbying bei Landwirten und Behörden zu übernehmen. Gelingt dies, könnte die Lücke schon bald geschlossen werden.

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