Veloförderung auf breiter Basis

Der Kanton Thurgau ist für Velofahrende attraktiv. Besonders während der warmen Monate und an Wochenenden zieht es Rennradfahrer, aber auch Familien hinaus ins Grüne. Dafür, dass der Kanton auch im Alltag attraktiv wird, sorgt Pro Velo.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
Szene, 27.05.2011

Der Thurgauer Regionalverband ist eines der jüngsten Kinder der Pro-Velo-Familie, aber mit vollem Engagement dabei, das Fahrrad im Kanton noch stärker zu verankern. Dass Interesse daran besteht, zeigen die Mitgliederzahlen: Seit der Gründung im Februar 2010 sind dem Verein bereits 200 Mitglieder beigetreten. Zwei der drei Gründungsmitglieder, Vera Zahner und Eddie Kessler, waren lange in Zürich wohnhaft, wo sie als Leiter für die Radfahrkurse von Pro Velo aktiv waren. «2009 zogen wir in den Thurgau, wo wir uns auch weiterhin für die Kurse engagieren wollten», schildert Zahner. In der Folge erkundigten sie sich, ob es im Kanton eine Pro Velo gebe – was nicht der Fall war.

Dieser «weisse Fleck» auf der Karte ist inzwischen verschwunden. Die beiden gründeten die Pro Velo Thurgau und bauten gleich auch Fahrkurse auf. «Für uns war von Anfang an klar, dass wir kein statischer Verein sein wollen, sondern uns aktiv engagieren», sagt Eddie Kessler. Also haben sich die Aktiven als Erstes umgehört und Velo-Knackpunkte aufgespürt. Am Anfang haben Vera Zahner und Eddie Kessler per Velo den Kanton erkundet. Dabei ergaben sich immer wieder Gespräche mit anderen Velofahrenden, und so trugen sie mehr und mehr Informationen zusammen.

Zentrales Anliegen ist vorerst, Pro Velo Thurgau bekannt zu machen. Eine selbst durchgeführte Umfrage habe gezeigt, dass der Name Pro Velo nur gerade einem Zehntel der Befragten geläufig ist. Das soll sich nun auch im Thurgau rasch ändern. «Velofahren ist hier kein politisches Statement», so Eddie Kessler. Das erlaube es dem Verband auch, sich unbelastet für die Veloförderung einzusetzen. Die Thurgauer wollen «Brücken bauen» und so verschiedenste Personen und Interessen mit in ihre Arbeit einbeziehen. Langfristig soll so eine breite Basis geschaffen werden.

Ausgezeichnete Restaurants

Aber es gibt neben der Propaganda für den Verband auch ein Engagement für konkrete Projekte. Das jüngste: In Zusammenarbeit mit Thurgau Tourismus werden velofreundliche Restaurants ausgezeichnet und mit einem eigens kreierten Label gekennzeichnet. Ein interessantes Projekt für alle Beteiligten. Für die Touristiker positioniert sich «Veloland Thurgau» schon seit Längerem als Destination für Fahrradtouren und -ferien. Die ausgezeichneten Lokale hoffen auf Kundschaft, und Pro Velo holt sich mit Tourismus und Gastronomie zwei starke Partner ins Boot.

Ein ganz konkretes Projekt zur aktiven Veloförderung sind die Radfahrkurse. Dieses Jahr führt die Thurgauer Pro Velo an insgesamt 22 Orten Kurse durch. Eine beachtliche Anzahl für den noch jungen Verein. «Wenn wir Ende Jahr alle Kurse durchgeführt haben, ist das eine Topleis­tung», so Vera Zahner. Angefangen habe man letztes Jahr mit nur drei Kursen.

Es gilt aber auch politische Arbeit zu erledigen. Dabei stehen drei Bereiche im Zentrum: Mit Verbesserungen im Kanton soll nicht nur für die Touristen, sondern auch für die Alltagsfahrer mehr getan werden. Als Zweites soll das Radwegnetz verbessert werden, auch wenn es verglichen mit anderen Kantonen relativ gut ist. Das wichtigste Anliegen sind die Velostationen – denn noch gibt es im Thurgau keine solchen Anlagen an den Bahnhöfen. Auch grössere Bahnhöfe verfügen nur über rudimentäre Abstellflächen. Der Regionalverband gab dies nach der letzten Generalversammlung auch bereits öffentlich bekannt. Die «Thurgauer Zeitung» habe als Reaktion darauf einen ganzseitigen Artikel zum Thema veröffentlicht. Das beweist Eddie Kessler, «dass wir an Dynamik gewinnen und noch viel Potenzial haben». Sollten die Thurgauer Veloförderer bis Ende Jahr ihren Bekanntheitsgrad verdoppelt haben, wären sie «mehr als glücklich».

Empfohlene Artikel