Velofahren am Hang

Wird über Lausanne gesprochen, steht das Fahrrad meist nicht im Zentrum. Man denkt ans Bundesgericht, den Sitz des Olympischen Komitees und an eine Stadt mit vielen Steigungen. Dennoch verhilft Pro Velo Lausanne dem Zweirad zu höherem Stellenwert.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
20.07.2011

Der Kontakt zur Bevölkerung und zu den Mitgliedern ist dem 2001 gegründeten Regionalverband von Pro Velo Lau­sanne ein Anliegen. «Wir finden es wichtig zu erfahren, welche Politik unsere Mitglieder von uns wünschen», so Präsident Stéphane Bolognini. Schliesslich vertrete man die Anliegen der Velofahrerinnen und Velofahrer gegenüber den Behörden. Anregungen würden deshalb stets geprüft und an die Stadt weitergeleitet. Die Zusammenarbeit von Pro Velo und der Stadt Lausanne hat in der vergangenen Dekade bereits Früchte getragen. Gab es zu Beginn kaum Radstreifen oder Radwege, hat sich diese Situation inzwischen verbessert. Dem Velo wird nun auch seitens der Stadt mehr Gewicht beigemessen. Das zeigt sich auch anhand der bewährten Stelle des Velobeauftragten.

Mit heute rund 1500 Mitgliedern ist der Einfluss von Pro Velo Lausanne bei den Stadtbehörden, aber auch im Kanton gewachsen. «Die Schaffung von mehr Radstreifen war ein guter Anfang», sagt Bolognini im Gespräch. Nun sei es von Bedeutung, die Gesamtzahl der Radfahrenden zu steigern, was deren Sicherheit im Strassenverkehr insgesamt erhöhe. Dafür brauche es den weiteren Einsatz: Sowohl eine Veloförderung bei der Bevölkerung als auch eine auf Fahrräder ausgerichtete Verkehrsplanung. Rund um den Bahnhof Lausanne existieren heute bloss 200 ungedeckte Veloabstellplätze. Dank dem Engagement von Pro Velo ist nun eine Velostation in Planung. Auch beim Radwegnetz besteht für die Velolobby Handlungsbedarf. Viele Lücken müssten noch geschlossen werden, um sichere und durchgehende Verbindungen zu gewährleisten. Als Novum in der Westschweiz sollen in Lausanne bald Wegweiser für die Radrouten stehen, welche – wie bei Wanderwegen – nicht nur das Ziel nennen, sondern auch eine Zeitangabe geben. «Damit könnten wir einen Aha-Effekt bewirken», ist der Verbandspräsident überzeugt. Wenn die Leute sehen, dass sie für eine Velostrecke nicht einmal die Hälfte der Zeit eines Fusswegs benötigen, fördere das den Prozess des Umdenkens.

Am Puls der Bevölkerung

Heute entscheidet in Lausanne die Wohnlage in hohem Masse über Benutzung oder Nichtbenutzung des Velos. Wo es einigermassen flach ist, rund um den Bahnhof und am See, sieht man Fahrräder. Je ausgeprägter die Hanglage wird, desto tiefer liegt der Anteil Fahrräder am Gesamtverkehr.

«Die Popularität der E-Bikes gibt den Radfahrenden in Lausanne Schub», freut sich Stéphane Bolognini über den neuen Trend. Um den Anteil weiter zu steigern, lobbyiert Pro Velo bei der Bevölkerung. Zum Beispiel mit der Aktion «Café Croissant»: Im Juni wurden eine Woche lang morgens um acht Uhr Kaffee und Croissants an Radfahrende verteilt. Das schafft Aufmerksamkeit für den Verband und Gelegenheit, den Puls der Bevölkerung zu spüren.

Höhepunkt dieses Jahres war der Anlass «Défi Vélo 2011», welcher zum ersten Mal durchgeführt wurde. Mit Unterstützung der Stadt und des Kantons Waadt und weiteren Partnern richtete sich die Aktion gezielt an Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren. Denn für jüngere Kinder sei das Velo aufgrund der kurzen Schulwege, der Topografie, und weil viele das Radfahren für zu gefährlich halten, kaum ein Thema. «Zwischen 15 und 18 entscheiden sich die Jugendlichen gezielt für ein Verkehrsmittel», erklärt Bolognini. Mit der Aktion wolle man das Velo bei den Jugendlichen fördern und verankern. Am «Défi Vélo» absolvierten sie einen Pos­tenlauf, bei dem Aufgaben zu erledigen, aber auch Veloinfos zu finden waren – die spielerische Art, der Spass und das Erlebnis standen im Vordergrund. Insgesamt nahmen 700 Jugendliche an der Aktion teil, worüber sich die Organisatoren freuen. Stéphane Bolognini ist zuversichtlich, dass diese Veranstaltung auch im nächsten Jahr weitergeführt wird.

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