Viel wird derzeit über Velobahnen geredet, nur darauf fahren kann man schweizweit noch nirgends. Was sich in Dänemark und den Niederlanden bewährt und wovon Tausende Velofahrende profitieren, steckt in der Schweiz noch in den Kinderschuhen. Jetzt prescht die Velostadt Winterthur vor und beantragt der Regionalplanung Winterthur und Umgebung, gleich ein ganzes Netz solcher Routen in den regionalen Richtplan aufzunehmen.
Damit ist zwar noch kein Meter Velobahn gebaut, aber immerhin ein erster, wichtiger Schritt gemacht. Bei künftigen Bauprojekten sind die Behörden nämlich verpflichtet, diese Richtplan-Einträge umzusetzen. Etwas weniger erfreulich ist die Tatsache, dass der Stadtrat die Umsetzung eines Pilotprojektes in der Wartstrasse aus finanziellen Gründen streicht. Dieses Pilotprojekt sah eine Velobahn in Form einer Schnellverbindung von Wülflingen im Westen bis zum Bahnhof Winterthur vor, wie Projektleiter Albert Gubler vom Amt für Städtebau an einem Vortrag an der Mitgliederversammlung von Pro Velo ausführte.
Schnelle Verbindungen gefordert
Und wie steht es um Velobahnen in anderen Regionen der Schweiz? Vorbereitet wird ein Projekt des Zürcher Amtes für Verkehr im Limmattal, wobei hier noch Grundsatzfragen diskutiert werden. Einzelne Beteiligte argumentieren, man müsse die Leute «abholen», also die Velobahn vor ihrer Haustüre durchführen. Pro Velo hingegen weist auf die Definition von Velobahnen hin: Damit könnten dicht besiedelte Ortskerne eben nicht verbunden werden, weil dadurch ihr grösster Vorteil, die hohe Reisegeschwindigkeit, verloren ginge. Kommt man auf Velobahnen rasch vorwärts, nehmen Velofahrende auch Umwege in Kauf, um auf sie zu gelangen, meint Pro Velo.
Eine Velobahn könne deshalb auch am Rand des Siedlungsgebiets verlaufen. Mit diesen Planungen in Winterthur und im Limmattal steht der Kanton Zürich in der Poleposition. Die Standards für Velobahnen sind definiert, und auch ein Name wurde schon festgelegt: «Veloschnellrouten» sollen sie dereinst heissen. In Bern hat Pro Velo Bern das Thema ebenfalls aufs Tapet gebracht. Sie erarbeitete eine grobe Netzskizze für Velobahnen. Konkrete Strategien existieren bis heute zwar nicht, aber der Entwurf des Netzplans zeigt potenzielle Velobahn-Korridore im Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept.
Velobahnen für Umsteiger
In Basel sind die «Velopendlerrouten» im Entwurf des Teilrichtplans Velo bereits eingezeichnet. Allerdings versteht man in Basel eine Velobahn nicht als eigentrassierte Route oder als eigentliche Velostrasse, sondern als strassenbegleitende Route, auf der die Lichtsignalanlagen auf die Bedürfnisse und Geschwindigkeiten der Velofahrenden eingestellt sind. Noch unklar ist, ob und in welcher Qualität diese geplanten Routen jenseits der Stadtgrenzen weitergeführt werden.
Im Kanton Thurgau beauftragte der Kantonsrat die Regierung mit der Ausarbeitung eines Konzepts für den Langsamverkehr. Geht es nach dem Willen einzelner Politiker, soll dort dereinst sogar ein «dichtes Innerorts-Wegnetz von Velo-Highways» entstehen, ergänzt durch zügig zu befahrende Überlandrouten mit eigenen Velowegen.
Diese kleine Übersicht zeigt, dass vieles noch in den Anfängen steckt. Es gibt noch nicht einmal eine gemeinsame Terminologie. Ebenso wenig ist klar, was eine Velobahn denn genau ausmacht respektive wie sie ausgestaltet werden soll. Nur über eines herrscht Klarheit: Velobahnen, die diesen Namen tatsächlich verdienen, haben das Potenzial, viele PendlerInnen auf das Velo zu locken. In Kopenhagen, wo der Veloanteil am Gesamtverkehr bereits knapp 40 Prozent beträgt, wuchs die Zahl der Velopendler mit der Schnellroute, der Albertslundruten, um über 10 Prozent. Die meisten stiegen vom Auto aufs Velo um.







