Unterwegs mit viel Spass

Nachlassende Mobilität ist im Alter oft ein Problem. Um seinen Bewohnern und Bewohnerinnen Bewegung und Abwechslung zu verschaffen, hat das Altersheim Kriens ein Tandem angeschafft. Der velojournal-Redaktor war damit auf Testfahrt.

Marius Graber, Redaktor (marius.graber@velojournal.ch)
Test, 17.07.2013

Mit kaum einem Velo kann man jemanden so gut ausfahren wie mit dem «fun2go». Das Spezielle am niederländischen Tandem ist: Man sitzt nebeneinander. Damit ergibt sich eine ideale Plauder- und Panoramaplattform. Dies bewies auch die Testfahrt, welche der Schreibende zusammen mit Marta Koller unternommen hat. Die rüstige 89-jährige Bewohnerin des Altersheims Kriens war eine charmante Begleitung. Sie winkte allen, die uns entgegenkamen. Sei es dem Bauarbeiter auf dem Bagger, dem Pöstler, den Müttern mit den Kinderwagen, den anderen Velofahrenden, und sie hatte viel zu erzählen. Es wurde eine fröhliche, ausserordentlich kurzweilige Probefahrt. Das Velo hatten sich die Heime Kriens diesen Frühling angeschafft. Pilotiert wird das Tandem jeweils von Freiwilligen, oft auch von Angehörigen, die so den Besuch im Heim mit einer Velofahrt verbinden. Für die Finanzierung kam eine Stiftung auf.

Alle Raffinessen

Das Modell ist mit allen Raffinessen ausgestattet, man merkt, dass die niederländische Herstellerfima Van Raam viel Erfahrung mit Spezialvelos hat: Die Sitze lassen sich sehr einfach nach vorne und hinten verschieben. So kann das Velo auf verschiedene Körpergrössen angepasst werden. Aufsteigen fällt leicht, der Beifahrersitz verfügt sogar über Sicherheitsgurten und Armlehnen, die Füsse können auf Spezialpedalen etwas fixiert werden. Hinten gibts einen grossen Gepäckkorb mit einer Vorrichtung zum Mitführen von Gehhilfen – Van Ram hätte sogar einen Rollatorhalter im Angebot. Gesteuert wird das Velo von der links sitzenden Person. Das Velo ist mit einer 8-Gang-Nabenschaltung ausgerüstet.

Elektrische Zusatzpower

In der Ausführung des Krienser Heims kann der Beifahrer auf dem rechten Sitz mittreten, muss aber nicht. Über einen Schalthebel kann auch ein Starrlauf und ein Rückwärtsgang gewählt werden. Gebremst wird mit zwei hydraulischen Scheibenbremsen hinten und einer hydraulischen Felgenbremse vorne. Das Testmodell war zudem mit einem Elektromotor ausgestattet. Das ist äusserst nützlich: Mit einem Leergewicht von 80 Kilo spürt man beim «fun2go» jede kleine Steigung, sodass man gerne den Motor einschaltet. Seine Leistung wird mit 250 Watt angegeben, kurzzeitig ist die Unterstützung aber deutlich höher, wodurch auf der Testfahrt auch steile Abschnitte ganz flott gemeistert wurden. Zwei Akkus mit insgesamt 650 Wattstunden ermöglichen auch längere Ausflüge. Nach einer rund einstündigen Fahrt brennen bei der Akkuanzeige noch 7 von 9 Leuchtdioden. Wäre der Sitz mit der Zeit nicht etwas unbequem geworden, hätte die Ausfahrt also ruhig noch länger werden können.

«fun2go»

Basispreis: Fr. 5540.–, Elektrovariante
Fr. 8700.–. Das Testrad verfügt über zusätzliche Optionen und kostet Fr. 9900.–.
Im Verkehr gilt das «fun2go» als Tandem. Entgegen der üblichen Maximalbreite für Velos von 1 m, ist beim Mitführen einer Person mit Behinderung die Gesamtbreite von 107 cm (Maximum 130 cm) sowie der Elektromotor zulässig. Als Behinderung gelten alle Beeinträchtigungen, die das Fahren eines normalen Velos verunmöglichen. 

Kontakt: Fahriante, 032 682 54 54,
www.fahriante.ch

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