Twoo fällt bei den Ausstellern durch

Trotz verbessertem Angebot konnte die diesjährige Twoo die Erwartungen der Aussteller nicht erfüllen. Schuld daran ist unter anderem ein massiver Rückgang der Laufkundschaft.

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Urs Rosenbaum
23.05.2012

Das angepasste Messekonzept und der neue Standort innerhalb der Muba verhalfen der Twoo nicht zum erhofften Durchbruch. Im Gegenteil: Weil das Publikum ausblieb, verlief die Basler Velo­messe für die Aussteller so enttäuschend wie nie zuvor. Einen Hinweis darauf, wie gross der Besucherschwund war, nennt velojournal-Herausgeber Pete Mijnssen: «Im letzten Jahr nahmen wir bei unserem Messe-Wettbewerb 1400 Teilnahmekarten entgegen, dieses Jahr waren es gerade mal 330.»

Abseits der Besucherströme

Weil der Erfolg einer Ausstellung mit dem Publikum steht und fällt, vermochte aus der Perspektive der Aussteller auch die hohe Qualität der einzelnen Kundenkontakte die ausbleibenden Interessenten nicht wettzumachen. Und auch Verbesserungen in der Infrastruktur, etwa die freundlicher gestaltete Ausstellungsfläche, die längere Testrunde mit Beratungsmöglichkeiten am Streckenrand sowie die spektakulären Radball-Wettkämpfe im Rahmenprogramm, konnten die Schlussbilanz der Händler, Hersteller und Importeure nicht mehr retten.

Der Grund für den Misserfolg war für die Aussteller augenfällig: «Die Twoo lag im hintersten Winkel der Muba und war damit für die meisten Besucher unauffindbar», fasst Jvan Aeberli vom Dahon-Importeur Xtramobil zusammen. Die prominente Lage, wie sie im Vorfeld von den Veranstaltern in Aussicht gestellt worden war, erwies sich als leeres Versprechen. Die Halle 1.0 befindet sich zwar direkt am Messeplatz, doch der vordere Teil war wegen Umbauarbeiten gesperrt. «Besucher und sogar Standmitarbeiter mussten sich durchfragen, um die Twoo zu finden», ärgert sich Aeberli.

René Westermann, Geschäftsführer des Twoo-Veranstalters Fairmeetings AG, zeigt Verständnis für den Frust. Im Gegenzug betont er aber, welche Verbesserungen angestrengt wurden: «Als wir am ersten Messetag bemerkten, dass die Publikumsströme an der Twoo vorbeifliessen, haben wir keinen Aufwand gescheut, um mit zusätzlichen Wegweisern in den Hallen und mit Flyern an den Kassen auf die Angebote in der Halle 1.0 aufmerksam zu machen.»

Zusätzliche Wegweiser in den Muba-Hallen verfehlten aber die gewünschte Wirkung. Das Hauptproblem sieht Wes­termann rückblickend darin, dass man den Ausstellerwünschen entgegengekommen ist: «Durch die vergrösserte Teststrecke und die Ausstellungspause unter der Woche konnte die Twoo nicht mehr wie im letzten Jahr vollständig in die Muba integriert werden.» Schützenhilfe erhält er bei seiner Einschätzung von Chris Eichenberger, dem Messeleiter der Muba. In einer Stellungnahme zur Kritik der Aussteller stützt dieser die Argumente von Fairmeetings. Zusätzlich gibt er die Kritik zurück an die Aussteller: «Nur knapp zwei Prozent der Muba-Besucher geben als Grund die Twoo an. Das könnte heissen, dass die Velobranche und die Fachmedien die Community noch zu wenig erreichen.»

Entgegenkommen erwartet

Für Dominik Heiber von EFS Elektro-Fahrzeug-Service GmbH ziehen diese Begründungen nicht: «Die Twoo wurde uns nicht zuletzt mit der grossen Laufkundschaft der Muba schmackhaft gemacht. Wenn es die Veranstalter nicht schaffen, dieses Versprechen einzuhalten, ist die Messe die hohen Standgebühren nicht wert.» Unter diesen Umständen sei er in der Folge auch nicht bereit, den vollen Preis für den Messeauftritt zu bezahlen. Inoffiziell ist bekannt, dass die Hälfte der Aussteller von Fairmeetings ebenfalls ein Entgegenkommen erwarten.

René Westermann will die Auswertung abwarten. Er kann sich vorstellen, dass die Twoo künftig einen festen Beirat aus der Branche erhält. An der Verbindung mit der Muba will er aber auf jeden Fall festhalten: «Mit der heutigen Grösse kann die Twoo nicht kostendeckend als eigenständiger Anlass bestehen.»

Abgesehen vom Streit mit den Ausstellern könnte diese enge Bindung aber für die Twoo noch zu einer zusätzlichen Belastung werden: Im nächsten Jahr wird die Muba nämlich wieder im Februar stattfinden, bevor sie ab 2014 längerfris­tig im Mai durchgeführt wird. Dann verliert die Twoo endgültig die Bedeutung als Messe zum Saisonauftakt.

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