Der junge Rennvelofahrer Ghislain Lambert, gespielt von Benoît Poelvoorde, träumt von einer Profikarriere und der Tour de France. Sein Talent reicht aber nicht aus, um ganz vorne mitfahren zu können. Er wird wohl für immer ein Wasserträger bleiben. Lambert kann der Versuchung nicht widerstehen und greift zu unerlaubten Mitteln. Das führt zu einer der vielen lustigen und zugleich tragischen Szenen des Films: Nach der ersten Injektion macht sich der aufgekratzte und überdrehte Lambert auf zum Startgelände eines Radrennens. Der Startschuss ertönt, und er legt solo einen fulminanten Start hin. Er baut seine Führung immer weiter aus, bis die Wirkung der Spitze nachlässt und sich gar ins Gegenteil verkehrt. Er beginnt zu schwächeln, schwankt und fällt schliesslich bewusstlos in den Strassengraben.
Mit der Zeit wird Doping für Lambert zur Routine. Seine Resultate werden besser. Doch ist er immer noch ein Domestike. Die Vorstellung, einzig im Dienste des Teamcaptains buckeln zu müssen, behagt ihm nicht. Auch er möchte – wie sein grosses Vorbild Eddy Merckx, der am gleichen Tag wie er Geburtstag hat – Radsportgeschichte schreiben, die Tour gewinnen, ein Siegfahrer sein. Offen fordert er seinen Captain heraus. Die Folge: Er wird aus dem Team geworfen. Es kommt sogar noch schlimmer: Lambert wird auch noch des Dopings überführt. Seine Karriere scheint am Ende zu sein. Nun tickt er aus. Er schaufelt gar ein Grab für sein Rennvelo. Danach fällt er in eine Depression. Mithilfe seines Bruders Claude (José Garcia) und eines Arztes steigt er wieder aufs Velo. Er ist zurück im Radsport, die Tour de France kann kommen.
Schmerzhafte Erfahrungen
Benoît Poelvoorde war vor dem Dreh zu «Das Rennrad» kein eingefleischter Velofahrer. Doch während der Dreharbeiten lernte er das Rennrad schätzen. Als der Film schliesslich in die Kinosäle kam, war der Hauptakteur voller Bewunderung für das Zweirad. In einem Interview mit der Kino-Site Cinopsis sagte er: «Ich bin ja von Natur aus ein nervöser Typ. Die Dreharbeiten zu diesem Film haben mich ruhiger gemacht. Das Geräusch der surrenden Räder fehlt mir nun. Heute verstehe ich, dass viele Menschen eine Passion für das Velo hegen. Und ich verteidige und unterstütze dies.»
Poelvoorde musste auch erfahren, dass das Sprichwort «Velofahren verlernt man nicht» trügerisch ist.
Es kommt wohl darauf an, auf welchem Niveau man sich dabei bewegen soll. Vor den Dreharbeiten trainierte er fleissig auf dem Rennvelo, um auf der Leinwand einen authentischen Eindruck zu hinterlassen. Das ging nicht ohne Blessuren. Er musste einen spektakulären Sturz einstecken, als er versuchte, sich an einem Auto festzuhalten. Es sah schlimm aus, doch selbst beim Arzt konnte es der belgische Komiker nicht lassen, Scherze zu machen. Diese Szene samt vorangegangenem Sturz und viele weitere Episoden aus der Vorbereitung zum Dreh sind im «Journal intime de Benoît Poelvoorde» unter den Extras auf der DVD zu sehen. 2001 gewann «Das Rennrad» beim Festival Internacional de Cine de San Sebastián den Preis für das beste Drehbuch. Das Script stammte von Regisseur
Philippe Harel, Olivier Dazat (dem Experten in Sachen Radsport-Historie) und Hauptdarsteller Benoît Poelvoorde.
«Le Vélo de Ghislain Lambert» ist vielleicht die beste Radsportkomödie, die bisher auf der Leinwand zu sehen war. Die historische Präzision ist bemerkenswert. Die Rennräder, die Tricots, das ganze Umfeld wurden stilecht in den Siebzigerjahren angelegt. Den Film kann man zurzeit nur als Import-DVD mit französischem Originalton und englischer Synchronfassung erstehen.
Die DVD
Das Rennrad
Originaltitel: Le Vélo de Ghislain Lambert (Import)
Frankreich, Belgien 2001
Regie: Philippe Harel
Drehbuch: Olivier Dazat, Philippe Harel, Benoît Poelvoorde
Darsteller: Benoît Poelvoorde (Ghislain Lambert), José Garcia (Claude Lambert), Daniel Ceccaldi (Maurice Focodel), Sacha Bourdo (Denis), Emmanuel Quatra (Riccardo Fortuna), Jean-Baptiste Iera (Fabrice Bouillon), Christelle Cornil (Babette), Jacqueline Poelvoorde-Pappaert (Mme Lambert) und weitere
Erzählstimme: Antoine de Caunes
Schnitt: Bénédicte Teiger
Kamera: Gilles Henry
Musik: Philippe Eidel







