Suhlen mit Aussicht

Martin Born kennt (fast) jedes schöne Veloplätzchen entlang und südlich der Alpen, wo es sich fahren und schlemmen lässt. Diesmal gehts in die Toscana.

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Martin Born
19.11.2014

Was gibt es nach einer Ausfahrt Schöneres, als sich ins Thermalwasser zu legen, im grossen Becken zu schwimmen und die Muskeln zu entspannen? Wenn dieses Suhlen wie in Bagno Vignoni mit einem Blick über die sanften Hügel der Toscana verbunden werden kann, wird das Ganze noch schöner. Und wenn dann am Abend noch drei Beizen locken, die sich gegenseitig zu übertreffen versuchen, rückt die Perfektion nahe. Den letzten Schritt in diese Richtung macht der Wein, der auf dem Tisch steht. Montalcino mit dem famosen Brunello oder auch Montepulciano liegen gleich um die Ecke und damit auf einer der vielen wunderbaren Routen, die sich im Liegestuhl am Bassinrand des ehrwürdigen, im 19. Jahrhundert gebauten Hotel Posta Marcucci aushecken lassen und Genussradeln garantieren. Es sind schöne, schon fast kitschige Städtchen. Die Peinlichkeit, auf der Piazza eine Coca-Cola zu bestellen, wird mit fünf Euro bestraft.

Auf zur Königsetappe
Die von den Etruskern entdeckte Therme gehört zum Städtchen San Quirico d’Orcia (2500 Einwohner) und liegt rund 50 Kilometer südlich von Siena an der Via Cassia, mit der die Römer vor über 2000 Jahren die Hauptstadt mit Florenz verbanden. Heute nennt sich die Strasse SS2 und wird von all jenen Velofahrern gemieden, die sich nicht auf eine direkte Konfrontation mit Lastwagen einlassen wollen. Das Meiden ist einfach; verkehrsarme, nur selten flache Strassen und Strässchen gibt es zwischen Siena im Norden (erreichbar auch über die berühmten Strade Bianche, wie die Naturstrassen im Rennen heissen, das auch Fabian Cancellara schon gewonnen hat) und dem Monte Amiata im Süden zur Genüge.
Die Skistation liegt auf 1689 m ü. M. und bildet damit die «Cima Coppi» der Velowoche. Um die 1400 Höhenmeter zu überwinden, stehen 40 Kilometer zur Verfügung. Bis auf die letzten paar Kilometer ist die Steigung sanft. Gerade ­richtig, um so zu fahren, dass der zauberhafte Ausblick genossen werden kann. Es ist eine Königsetappe, die ­diesen Namen verdient.
 

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