Die Idee ist nicht neu, aber einleuchtend: Um wartungsanfällige Komponenten zu umgehen, setzt der koreanische Hersteller Mando Corporation bei seinem Pendler-E-Bike voll auf Elektronik und verzichtet auf Mechanik. Anstelle der vorderen Kettenblätter sitzt ein Generator zwischen den Pedalen. Beim Treten wird damit Strom produziert, im Akku gespeichert und zum Hinterradmotor geleitet. Dieser unterstützt geräuschlos, beschleunigt kraftvoll und schafft auch stramme Steigungen in flotter Fahrt. Anstelle der mechanischen Schaltung regelt eine Software die Unterstützung, sorgt für sanftes Anfahren und genügend Kraft am Berg. Die neuartige Technik wird durch ein entsprechendes Design unterstrichen: Der Alurahmen wird von einer Kunststoffhülle ummantelt, darin sind Akku sowie alle Kabel sauber versorgt. Für wendiges Fahren und leichtes Parkieren wurde die kompakte 20-Zoll-Radgrösse gewählt, gebremst wird mit Scheibenbremsen. Dass das Licht bei so viel Hightech mit ordinären Batterielämpchen gelöst wird, scheint etwas paradox.
Die Fahrt
Um es vorweg zu nehmen: Das Fahren mit dem «Footloose IM» fühlt sich nicht an wie Velo fahren. «Footloose IM» ist nämlich ein elektrisches Stadtmobil, das mehr einem Segway ähnelt als einem E-Bike. Doch während der Fahrer auf einem Segway oder einem Elektro-Trottinett zum Kartoffelsack degradiert wird und sich passiv durch die Strassen chauffieren lässt, nutzt man beim «Footloose IM» die Beine, bewegt sich, verbrennt ein paar Kalorien und erzeugt etwas Strom. Das Risiko, sich dabei zu überanstrengen, besteht nicht: Ein Zwischenspurt vor der Ampel lässt sich ebenso wenig in mehr Tempo umwandeln wie ein Effort in einer Steigung. Bei leichtem Gefälle, wo man mit dem Velo flotte 30 km/h erreichen könnte, fährt man mit dem «Footloose IM» stoisch 25 km/h. Den Velofahrer verwirrt (und frustriert) das. Der Puls geht nie in die Höhe. Das Gefährt könnte sich deshalb auch als Rehabilitationsgerät für Herzkranke bestens eignen.
Am meisten irritiert, dass man nicht zu einem runden Tritt findet: «Fährt» man mit etwas Kraft, fühlt es sich eher wie Stampfen denn wie Pedalieren an. Beim Runtertreten hat man das Gefühl, durchzurutschen. Mässigt man die Kraft, wird der Tritt runder und angenehmer. Kurz nach dem Losfahren oder an leichten Steigungen schafft es die Software, dass man sich kurzzeitig auf einem normalen Velo wähnt. Laut Hersteller funktioniert der Generator bei 50 Pedalumdrehungen pro Minute und um die 100 Watt Fahrerleistung am besten, sportliche Naturen fühlen sich dabei unterfordert. Für die ist das Generatorvelo allerdings nicht gedacht. Sie würden sich auch darüber ärgern, dass nur rund 75 Prozent der Beinkraft beim Hinterrad ankommen. Zum Vergleich: Bei einem normalen Velo sind es über 95 Prozent. Kommt dazu, dass man nur 20 bis 40 Prozent des Stroms, den das «Footloose IM» benötigt, während der Fahrt selber erstrampeln kann. Im Vergleich zu einem E-Bike ist das bescheiden, verglichen mit einem Segway aber allerhand.
Potenter Fabrikant mit Auto-Know-how
Mando Corporation ist mit über 20000 Angestellten und einem jährlichen Ertrag von mehr als 6 Mrd. US-Dollar einer der grössten Automobilteile-Zulieferer der Welt. Die Firma wurde 1962 im Umfeld von Hyundai gegründet und engagiert sich auch im Bereich «Smart Personal Mobility».
Marius Graber
14.07.2015







