Zuweilen spüre Pro Velo einen Abwehrmechanismus bei Teilen der Bevölkerung, sagt Thomas Beck im Gespräch mit velojournal. Beck ist amtierender Präsident der regionalen Velolobby Unterwalden. Manchmal hört er: «Sie sind also so ein Grüner.» Pro Velo werde gelegentlich mit Birkenstocksandalen tragenden Fundamentalisten assoziiert. Das wecke Widerstand. Doch nur weil er das gesunde Radfahren dem Autofahren vorziehe und dabei oft erst noch schneller sei, müsse er noch lange kein Fundamentalist sein. Zumal der motorisierte Individualverkehr in den zwei Halbkantonen ein «Riesenthema ist.»
Leider werde die Verkehrspolitik aber einseitig an den Bedürfnissen des Autoverkehrs ausgerichtet. Generell geniesse das Auto einen hohen Stellenwert bei der Bevölkerung, weiss Beck. Dies, obwohl Mountainbiken Volkssport ist. Die Leute setzen sich am Morgen in ihr Auto, um zur Arbeit zu fahren. «Nach Feierabend wollen sie dann möglichst schnell nach Hause, um sich auf ihr Bike zu setzen», bringt Thomas Beck das Verhältnis vieler Nid- und Obwaldner zum Velo auf den Punkt.
Bauernlobby und Radwege
So gestalte sich die Umsetzung von neuen Velowegen nicht immer leicht. Hier kommt der Einfluss der Landwirtschaft zum Tragen. Beck berichtet von einer neu geplanten Verbindung zwischen Dallenwil und Stans. Gegen die projektierte Radwegbreite von zweieinhalb Meter gingen Einsprachen ein, weil Landwirtschaftsfläche tangiert worden wäre. «Immer wenn Kulturland oder Parzellen zerschnitten werden, stösst das auf Opposition», sagt Beck. Schliesslich wurde der Veloweg zulasten von Sicherheit und Komfort auf zwei Meter begrenzt.
Dennoch ist Pro Velo überzeugt, dass das Radwegkonzept im Kanton vorankommt. Als Projekt- und Gesprächspartner sei man in die Erarbeitung miteinbezogen. Es brauche aber seine Zeit. Das zeigt sich auch anhand der Situation am Bahnhof Dallenwil. Die stets überfüllten Veloabstellplätze seien das Eine. Schlimmer sei deren Platzierung, rund hundert Meter weg von Perron und Billettautomat. Wer zeitlich knapp dran ist und sich nicht sputet, läuft Gefahr, den Zug zu verpassen, weil noch nach einem freien Abstellplatz gesucht werden muss.
Und wer vor heruntergelassener Schranke am Bahnübergang steht – dem einzigen Übergang zu den Veloabstellplätzen ennet den Gleisen – der verpasst sowieso den Zug. Dabei habe es direkt bei den Gleisen genug Platz für einen Velounterstand. Heute gebe es dort kaum benutzte Autoparkplätze – was sich beim Besuch von velojournal bestätigt. «Wir sind mehrfach bei der Gemeinde sowie der Zentralbahn vorstellig geworden», sagt Thomas Beck. «Bisher erfolglos, doch steter Tropfen höhlt den Stein.» Er ist zuversichtlich, dass man mit Gemeinde und Bahn eine Lösung finden wird.
Fahrkurse wichtiger als Politik
Politik ist für die Velolobby Unterwalden nur ein Teil der Arbeit. «Wir geben Anregungen und skizzieren Lösungsansätze», umschreibt Thomas Beck eine der Kernkompetenzen. Als kleiner Regionalverband mit einer Handvoll aktiver Mitglieder wolle man sich auf wenige Aktivitäten fokussieren.
Das Hauptaugenmerk gilt den Velofahrkursen für Kinder, die auf breites Interesse stossen. Für einen Eltern-Kind-Fahrkurs, den Pro Velo im Auftrag der Schule Hergiswil in diesem Frühjahr durchgeführt hat, gab es beinahe doppelt so viele interessierte Familien wie freie Plätze.
Die Schule will denn auch die Durchführung im kommenden Jahr wiederholen. In Hergiswil habe sich gezeigt, dass viele Kinder unsicher auf dem Sattel sind. Beck führt das auf die Taxi-Dienste zurück, mit denen Eltern ihre Sprössling zu Schule und Freizeitaktivitäten chauffieren.Der Pro-Velo-Präsident sieht in den Fahrkursen eine Chance, mit der Veloförderung bei den Kleinsten zu beginnen. So sähen die Kinder dereinst im Fahrrad nicht nur ein Sportgerät, sondern nähmen es als normalen Teil der Mobilitätskette wahr.
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