Er: weich und in unschuldigem Weiss. Sie: hart und blank. Ja, Gegensätze ziehen sich an, sie sind ein schönes Paar, der Schnee und die Eisglätte. Dennoch kann ich mich nicht für sie erwärmen – aber leider lassen sie mich auch nicht kalt. Zwar fahre ich seit Urzeiten sommers wie winters täglich Velo, an Erfahrung und Routine mangelt es mir also nicht, und wenn ich mich mal so richtig austoben will, jage ich mein Tourenvelo ohne mit der Wimper zu zucken à la Mountainbike über stotzige Waldwege.
Aber sobald Schnee und Eis ins Spiel kommen, hört für mich der Spass auf. Und deshalb ärgere ich mich jedes Jahr aufs Neue, wenn die Dinge ihren winterlichen Lauf nehmen: Sobald Schnee fällt, werden sofort und mit Getöse die Fahrbahnen für die Autos geräumt. Ist das Gröbste geschafft, kommen die Trottoirs dran. Und die Velos? Die sollen schauen, wo sie bleiben. Am rechten Fahrbahnrand liegt der den Autos aus dem Weg geräumte Schnee.
Auf Velowegen auf Trottoirs liegt der den FussgängerInnen aus dem Weg geräumte Schnee. Die Einfahrten zu Velowegen auf dem Trottoir sind offenbar der bevorzugte Ort, um Schneeräumfahrzeuge zu wenden, was schöne grosse Schneehaufen zurücklässt. Die liegen dann noch dort, wenn die Autofahrbahnen schon längst wieder pechschwarz sind. Gut, als umweltbewusster Mensch fände ich es sowieso besser, wenn nicht so viel Salz auf die Strasse gekippt würde; bliebe der Schnee liegen, dann könnte man Velopneus mit Spikes montieren und hätte ausgesorgt.
Doch in Zürich wird schwarzgeräumt – ausser dort, wo die Velos fahren. Und das ärgert mich. Und zwar grundsätzlich: Schöne Worte à la «das Velofahren fördern» gehören in Zeiten des Klimawandels bei den PolitikerInnen offenbar zum guten Ton. Aber zuerst die Velowege zu räumen, ist seltsamerweise noch niemandem in den Sinn gekommen.
Sie meinen, dann wäre es für die Autos viel zu gefährlich? Ja, dann lassen wir die Reihenfolge wohl besser, wie sie ist. Und «fördern» das Velo erst im Sommer wieder. Dann macht Velofahren doch eh mehr Spass …
Nicole Soland ist Redaktorin bei der Zürcher Wochenzeitung «P.S.». Das Velo ist ihr Hauptverkehrsmittel.







