Stadtverkehr: Mehr Luzern, bitte!

Nicole Soland radelte durch Luzern, sah Rot – und findet, das wäre auch für Zürich eine gute Velostreifen-Farbe.

Nicole Soland, Autorin
Kommentar, 15.07.2010

Die Stadt Zürich will das Velo fördern und im Stadtverkehr sichtbarer machen; das aktuelle Projekt zu diesem Zweck heisst «Velo 12» (vgl. velojournal Zürich 2/10). Doch wie üblich folgt solchen Bekenntnissen das Aber auf dem Fuss: Aber das ist gar nicht so einfach, im Fall! Zum Beispiel das Sichtbarmachen: Zwar schwebt dem «Velo 12»-Projektleiter eine neue Markierung vor, so etwas wie ein durchgehendes Band, das die Velowege sichtbarer machen soll. Doch die Probleme fangen offenbar bereits bei der Wahl der Farbe an: Rot wäre an sich nicht schlecht, meinte er im Interview, aber Rot sei eine Warnfarbe, die ihre Wirkung als solche rasch verliere, wenn sie flächendeckend vorkomme – das lasse sich beispielsweise in Luzern beobachten, wo sehr viele Velostreifen rot ausgemalt seien.

Ja, tatsächlich, diese roten Streifen in Luzern sind mir auch schon aufgefallen. Nur hatte ich nicht den Eindruck, die Farbe verpuffe wirkungslos, im Gegenteil. Oder war es einfach nur Zufall, dass ich kaum an Autos vorbeikam, die auf Velostreifen abgestellt waren, und dass die rechts abbiegenden Autos brav neben den roten Velostreifen warteten, bis die Velofahrenden, die geradeaus fahren wollten, an ihnen vorbei waren?

Gut, Zürich ist natürlich etwas Besonderes. Nirgendwo sonst ist das VelofahrerInnen-Bashing so beliebt. Nirgendwo sonst wird immer und immer wieder behauptet, weder Farbe, spezielle Ampeln noch sonst etwas machten die Sache besser, so lange sich «die Velofahrenden eh an keine Regeln halten». Nur die Frage nach dem Huhn und dem Ei, die stellt niemand. Mehr rote Farbe gleich aufmerksamere AutofahrerInnen gleich anständigere VelofahrerInnen – das wäre doch auch eine Möglichkeit …

Ich weiss zum Beispiel genau, warum ich bei jedem Rotlicht anhalte; es ist pure Macht der Gewohnheit: Während der eineinhalb Jahre, die ich in Kopenhagen verbrachte, bin ich nicht nur täglich auf breiten, mit einem Randstein zur Strasse hin gesicherten Velowegen zur Uni geradelt, sondern ich habe auch täglich erlebt, dass die VelofahrerInnen dort grundsätzlich ernst genommen werden. Und das wiederum führt dazu, dass sie selbstverständlich bei Rot anhalten – und sogar den nachfolgenden VelofahrerInnen ein Handzeichen geben, wenn sie am rechten Velowegrand anhalten wollen, damit diese ohne Verzug zum Überholen ansetzen können.

Ja, Kopenhagener Verhältnisse in Zürich, das wärs! Aber schon mehr Luzern an der Limmat wäre nicht schlecht. Also: Her mit der roten Farbe! Mindestens, bis in Zürich der erste Veloweg gebaut ist, der diesen Namen auch verdient …

Nicole Soland ist Redaktorin bei der Zürcher Wochenzeitung «P.S.». Das Velo ist ihr Hauptverkehrsmittel.

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