«Ich musste den Nachweis erbringen, dass Simpel nicht nur ein exakt den armasuisse-Vorgaben entsprechendes Fahrrad auf die Räder stellen kann, sondern auch in der Lage ist, die dezentrale Wartung für die kommenden zehn Jahre sicherzustellen», erklärt Philip Douglas die Vorgaben der Ausschreibung. Seine Bewerbung hatte Erfolg. Geholfen habe ihm die Erfahrung, die er in den letzten Jahren bei der Beratung und Belieferung der Städte und Gemeinden mit Verleihfahrrädern und Verkehrskonzepten sammeln konnte. «Publibike» ist in der Schweiz sein prominentester Kunde.
Für die Schweizer Armee musste Douglas ein robustes Bike entwerfen. Das bekannte schwarze Ordonnanzrad 05, das seit über hundert Jahren genutzt wird, entspricht schon lange nicht mehr den Sicherheitsstandards und war auch aufgrund seiner Technik mit Stempelbremse am Vorderrad und Wulstbereifung im Unterhalt nicht mehr tragbar. Das Velomodell 93 war dann eine Spezialkonstruktion für die inzwischen aufgelöste Radfahrertruppe.
Jetzt will die Armee, dass das «Fahrrad12» mit handelsüblichen Komponenten ausgestattet wird und technisch auf dem aktuellen Stand ist. Erstmals in der Schweizer Militärgeschichte darf der Rahmen und das Gepäckträgersystem, die früher stets von der Westschweizer Firma Condor stammten, im Ausland eingekauft werden. Condor hat 1995 die Produktion eingestellt. Das neue Militärvelo soll vor allem ein «Lastesel» sein: Es muss insgesamt 120 Kilo tragen, der Frontgepäckträger muss zehn, der Heckgepäckträger zwanzig Kilo aushalten. Das «Fahrrad12» soll mindestens zehn Jahren mit durchschnittlichen 500 km pro Jahr überleben.
Heute ist das Gros der noch im Einsatz stehenden alten Velos in den Rekruten- und Offiziersschulen eingesetzt. Dort werden sie als Transportmittel zwischen Kaserne und Ausbildungs- bzw. Schiessplätzen gefahren. Velos hätten nach wie vor einen hohen Stellenwert, heisst es dazu im Armeestab.
Das neue Militärvelo dürfte mit 15 Kilo rund zehn Kilo leichter werden wie die gut hundert Jahre alten Modelle. Ausgerüstet wird es mit einer Shimano-Achtgang-Nabenschaltung, Scheibenbremsen und einer Beleuchtung, die von einem Nabendynamo gespiesen wird. Sollte sich die Zusammenarbeit mit der Armee bewähren, winkt Simpel im kommenden Jahr eine weitere Lieferung von 1300 Ordonnanzfahrrädern.







