Das Essen will verdient sein. Bier und Wein sowieso. Auf den letzten paar Hundert Metern wird es bis zu 17 Prozent steil, und das kann nach einem der wunderbaren Klassiker im Valsugana viel sein. Aber es lohnt sich, auf die Zähne zu beissen und auch die beiden letzten Kurven, die zum Castello Pergine führen, hinter sich zu bringen. Am Ziel wartet ein Paradies: Eine Burg aus dem Mittelalter, im Jahr 1177 erstmals erwähnt, die 200 Meter über dem Tal thront und vor über hundert Jahren zum Hotel umgebaut wurde. Ein Hotel, das von Schweizern geführt wird, die Wert darauf legen, dass es nur einen Stern (dafür 1000 Monde) hat, aber eine Küche, die den Vergleich mit einer Vielstern-Hotelküche nicht scheuen muss. Allein die Primi des Viergängers – garantiert etwas, das Sie in dieser Komposition noch nie assen – sind die Reise (und den Preis von 83 bis 89 Euro für die Halbpension) wert.
Dafür, dass man nicht mit einem oder zwei Kilo Übergewicht nach Hause zurückkehrt, sorgt das Velogebiet des Trentino (Pergine liegt 10 km von Trento entfernt). Flach ist es nur auf dem gut gepflegten Veloweg des Valsugana, der bis nach Bassano del Grappa und weiter bis nach Venedig führt. Der Rest ist Klettern und Abfahren. Auf zauberhaften Strässchen fast ohne Verkehr. Es gibt Strassen, die in beeindruckende Felswände geschnitzt wurden (Kaiserjägerweg, Rifugio Barricata) und die eine entsprechende Aussicht bieten. Es gibt den waldigen Passo Manghen, der auf über 2000 m ü. M. hinaufführt und bei dessen Bezwingung sich die Autos an einer Hand abzählen lassen. Es gibt die Hochebenen von Lavaredo, Folgaria und Asiago, die an den Jura erinnern und mit wunderbaren Bikerouten erschlossen sind.
Und: Im Trentino liegen 297 Seen. Zwei der grössten eignen sich auch zum Schwimmen. Der Lago di Caldonazzo ist etwas grösser, der Lago di Levico von Wald umgeben und meistens so flach, dass jeder Schwimmer eine sichtbare Spur hinterlässt. Er ist auch im späteren Herbst noch angenehm warm.
Martin Born
14.07.2014







