In der Schweiz stammt Salz aus inländischer Produktion. Die Schweizer Rheinsalinen produzieren es in Schweizerhalle und im aargauischen Riburg. Daneben versorgt die im Rhonetal gelegene Saline de Bex den Kanton Waadt bereits seit 600 Jahren mit dem «weissen Gold». Abbau, Handel und Besteuerung von Salz liegen in der Hand der Kantone, die über das sogenannte Salzregal verfügen, das Salzmonopol. Dieses haben die Kantone allerdings 1973 an die Schweizer Rheinsalinen abgetreten. Mit einer Ausnahme: In der Waadt darf nur Salz aus dem eigenen Werk verkauft werden.
Strenge Winter freuen die Produzenten
Das Schweizer Strassennetz umfasst mehr als 70'000 Kilometer Autobahnen, Kantons- und Gemeindestrassen. Seit den 60er-Jahren wird bei drohender Eisglätte «gesalzen». Laut den Schweizer Rheinsalinen werden für einen landesweiten und flächendeckenden Streueinsatz rund 20'000 Tonnen Auftausalz benötigt. Bei der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) rechnet man vor, dass in einem strengen Winter mehr als 300'000 Tonnen Salz auf die Strassen gekippt werden. Der Gesamtverbrauch steige ständig an. Das weise darauf hin, dass immer häufiger und auf grösseren Flächen gesalzen werde, so die Eawag.
Duri Deflorin, Leiter Winterdienst beim Tiefbauamt der Stadt Zürich, teilt diese Einschätzung nicht. Zumindest gelte sie nicht für die Stadt Zürich: «Wir salzen heute weniger als noch vor zwei oder drei Jahren.» Vom Dogma der «Schwarzräumung» vergangener Jahrzehnte habe man sich in Zürich verabschiedet, sagt Deflorin. Auch bei den Schweizer Rheinsalinen will man nicht von einer Zunahme der Strassensalzung sprechen. Wie viel Salz pro Winter eingesetzt werde, hänge einzig von der Witterung ab, so Geschäftsführer Urs Hofmeier. In der Tendenz hätten die Verkäufe von Auftausalz zwar zugenommen, das sei aber auf das erweiterte Strassennetz zurückzuführen. Für mehr Strassenkilometer braucht es auch mehr Auftausalz.
Das Salz auf der Strasse ...
Wurde früher trockenes Salz gestreut, kommt heute vermehrt Feuchtsalz zum Einsatz. Dabei handelt es sich um normales Kochsalz, das mit einer Sole – einem Salz-Wasser-Gemisch – befeuchtet wird. Es haftet so besser auf der Strasse und wird von Fahrzeugen und Wind weniger schnell vom Asphalt weggefegt. Zudem lasse es sich mit den modernen Maschinen des Winterdiensts auch genauer dosieren. «Stellen Sie sich vor, Sie müssten von Hand zehn Gramm Salz auf einem Quadratmeter Strasse verteilen. Da bräuchten Sie einen Salzstreuer», sagt Duri Deflorin. Moderne Maschinen bewältigen dies aber. Die Sole zum Befeuchten des Salzes besteht aus Kochsalz oder Kalziumchlorid. Entscheidend für die Wahl sei die gewünschte Wirkung. Bei tiefen Temperaturen eigne sich Kalziumchlorid-Sole etwas besser, denn sie senkt den Gefrierpunkt des Wassers, und Schmelzwasser gefriert nicht so rasch wieder ein.
... wird zu Rost am Velo
Das Salz des Winterdienstes bekommt den Fahrrädern allerdings nicht gut. Das salzhaltige Schmelzwasser gelangt als Spritzwasser auf die Velos – Rost ist die Folge. Nicht nur Ketten sind von der Korrosion betroffen, sondern auch Speichen, Ritzel, Tretlager, Schrauben und teilweise sogar Brems- und Schaltkabel. Jvan Delvais, stellvertretender Geschäftsführer von Velo Elsener im Zürcher Seefeld, berichtet von Kunden, die mit argen Rostschäden am Fahrrad den Laden betreten. Wer auf salzbedeckter Strasse Velo fahre, müsste eigentlich danach sofort das komplette Velo waschen und den Antrieb neu ölen, sagt Delvais. Denn steht das Rad nach einer Fahrt durch den Schneematsch unbenutzt im Keller, kann sich die Rostbildung voll entfalten.
Delvais stellt fest, dass immer mehr Kundinnen und Kunden mit Rostschäden zu ihm in die Werkstatt kommen. Ob das daran liegt, dass mehr Salz gestreut wird, oder dass mehr Leute auch im Winter per Velo unterwegs sind, ist nicht klar. Olivier Busato, Inhaber von City Cycles an der Zürcher Militärstrasse, stellt fest, dass im Winter heute mehr Velos unterwegs sind. Das wirke sich auf den Verschleiss aus.
Während im Sommer eine Kette alle drei Monate geölt werden sollte, sei das im Winter alle zwei Wochen nötig, sagt Busato. Zudem sei es ein Irrtum zu glauben, dass Alu-Rahmen vom Salz verschont blieben. Aluminium rostet zwar nicht, dafür oxidiert es. Im Endeffekt führe auch das zu Schäden, sagt Busato. In der kalten Jahreszeit ist deshalb eine intensive Pflege des Fahrrads angesagt.
Anti-Salzwasser-Tipps von Marius Graber:
Um Schäden am Velo zu verhindern oder zu vermindern, gibt es einige Möglichkeiten:
- Nach Fahrten auf gesalzenen Strassen lohnt es sich, die Rückstände mit klarem Wasser wegzuspülen.
- Am meisten leidet das Velo unter dem von den Rädern hochgespritzten Wasser. Daher schützen breite, tiefgezogene Schutzbleche nicht nur Fahrer, sondern auch das Velo. Ein grosser Spritzschutzlappen am Ende des vorderen Schutzbleches schützt Tretlager, Kette und Schuhe vor Spritzwasser des Vorderrades.
- Während der Winterzeit muss die Kette besonders gut im Auge behalten werden, allenfalls kann es schon nach vier bis fünf Fahrten nötig sein, die Kette nachzuölen.
- Hochwertige (vernickelte, rostfreie) Ketten und Zahnräder sind besser gegen Rost geschützt und können mit wenig Aufwand vom Winterdreck befreit werden. Die einfache, brünierte Qualität setzt schnell Rost an, und diese Ketten bekommt man kaum mehr sauber.
- Die meisten Schrauben lassen sich durch solche in rostfreier Qualität ersetzen. Wichtig: Bei der Montage das Schraubengewinde mit einem guten Montagefett bestreichen, sonst setzen sich die Schrauben im Rahmen fest und lassen sich kaum mehr lösen.
- Rahmen und Bauteile können zusätzlich geschützt werden, wenn sie nach dem Putzen mit einem Hartwachs oder einem Korrosionsschutz überzogen werden. Entsprechende Produkte gibt es von den meisten Velopflege-Linien oder auch im Autozubehörhandel.
- Eine Fahrt durch Salzwasser setzt dem Velo mehr zu als hundert Fahrten bei schönem Wetter. Daher lohnt es sich allenfalls, für die Salztage einen «alten Göppel» wintertauglich zu machen und das Lieblingsvelo zu schonen.







