Die legendäre Route 66 von Chicago nach Los Angeles ist ein Monument der automobilen Zivilisation. velojournal eroberte diese Strasse mit dem Fahrrad. Der Reisejournalist und velojournal-Autor Dres Balmer fuhr die ganze 3943 Kilometer lange Strecke durch acht Bundesstaaten mit dem Fahrrad. 41 Tage war er unterwegs, 34 im Sattel und 7 auf der faulen Haut. Auf dem letzten Drittel begleitete ihn Velojournal-Herausgeber Pete Mijnssen.
Bei der Lektüre entsteht das Bild eines Amerikas jenseits der Klischees, überraschend und liebenswürdig. Die USA von der Route 66 aus gesehen, sind anders, als man sie zu kennen glaubt. Balmer interessieren die Begegnungen auf der Strasse, in den Motels, Diners und an den Tankstellen.
Auf seiner Reise durch den amerikanischen Kontinent durchquert Dres Balmer die Kornkammer von Illinois und die gigantischen Wälder der Ozark Mountains. Ab Oklahoma führt die Strasse durch die Steppe, danach durch die Mojave-Wüste und erreicht schliesslich den Moloch Los Angeles; ein harter Kontrast zu den menschenleeren Landschaften in Missouri, Texas, Oklahoma und Arizona.
Auf der Flucht vor dem Killer
Dres Balmer beschreibt in seinem Tagebuch die Leute vor Ort, bringt seine Bewunderung für die Menschen zum Ausdruck, die an unwirtlichen Orten unbeirrt an «ihrem» Way of Life festhalten. Und er durchlebt auf vielen Strecken auch die Einsamkeit des Radfahrers. Auf seinem roten Schwinn-Sattel fühlt er sich mal als Lucky Luke, als Don Quijote oder als tapferes Schneiderlein. Daneben plagen ihn immer wieder Albträume, dass er wie im Film «No Country for Old Men» von einem Killer abgeknallt werden könnte.
Den Spuren der Route 66 zu folgen, heisst auch, dem Zerfall zu folgen. Als durchgehende Verbindung existiert die Route 66 heute nicht mehr, sie wurde abgelöst durch die schnelleren, direkteren Interstate-Autobahnen. Über weite Strecken treffen wir nur noch auf Geisterstädte, viel des früheren Glanzes ist verloren gegangen. Motels sind verschwunden oder mussten Neubauten weichen. Einigen aber wurde mit viel Geschick neues Leben eingehaucht. Der Niedergang der Route 66 war unaufhaltsam, und gleichzeitig entstand die Legende, die sich bis heute gehalten hat. So finden sich entlang der Route 66 neben viel Nostalgiekitsch auch neues Leben und zeitgenössische Kultur.
Route 66 neu entdecken
Die Route 66 ist – das zeigt dieses Buch – auf dem Fahrrad neu zu entdecken. Dres Balmer schildert, wie das geht. Die Lektüre macht den breiten nordamerikanischen Kontinent dank schmaler Reifen zu einem intensiven Erlebnis. Das schweizerisch-amerikanische Paar Ivo und Jessica Mijnssen hat den Bericht mit einer Fülle von Hintergrundinformationen angereichert. Diese zeigen historische und gesellschaftliche Zusammenhänge auf. Ausführliche Serviceteile mit Informationen über den öffentlichen Verkehr, Unterkünfte und Sehenswürdigkeiten sorgen dafür, dass sich auch weniger tollkühne Velofahrende auf das Abenteuer Route 66 einlassen können.
«Warum tut man sich so etwas an?», fragt sich Dres Balmer im Verlauf seiner Reise Richtung Westküste mehr als einmal. «Weil es so wunderbar ist», gibt er zur Antwort.







