Geglückter Start für Défi Vélo

Jugendliche treten immer seltener in die Pedale. Défi Vélo will das ändern. Der Wettbewerb ist in der Romandie ein Erfolg. Nun fasst er in der Deutschschweiz Fuss. Und dies gleich in mehreren Städten.

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Fabian Baumann
19.07.2016

«Jugendliche finden Velofahren uncool.» «Das Smartphone läuft dem Velo den Rang ab.» Solche Schlagzeilen liest man immer wieder. Tatsächlich treten heute nur noch halb so viele Junge regelmässig in die Pedale wie noch vor zwanzig Jahren. Höchste Zeit, dem Trend etwas entgegenzusetzen. Eine Möglichkeit ist Défi Vélo.
Der Wettbewerb will Jugendliche in Gymnasien und Berufsschulen zum Radfahren animieren. Dabei geht es nicht um klassische Verkehrserziehung. Vielmehr soll den 15- bis 20-Jährigen Selbstsicherheit und Spass auf dem Sattel vermittelt werden. Défi Vélo ist ein Postenlauf per Zweirad. «Alleycats», also Rennen, wie sie Velokuriere abhalten, standen dabei Pate. Teilnehmende Klassen fahren, aufgeteilt in Gruppen, einen Parcours mit fünf Stopps ab. Überall gibt es Aufgaben zu lösen. So lernen die SchülerInnen, wie ein Fahrrad in Schuss gehalten wird, und können ihre Geschicklichkeit auf zwei Rädern bei einem Bikepolo-Match oder auf dem Hindernisparcours unter Beweis stellen. Und sie treffen Veloprofis, die von ihrer Faszination und ihren Abenteuern erzählen.
Die Velokurierin erklärt, dass sie auch schon Blutproben oder rohe Eier transportiert hat. Der Radreisende schildert seine Erlebnisse in der Wüste Kirgistans, wo manche Leute noch nie ein Velo ge­sehen haben. Die Verkehrssicherheit kommt auch nicht zu kurz. Die Jugendlichen üben unter Anleitung, wie man mit dem Fahrrad am sichersten durch den Kreisel fährt oder links abbiegt.
2011 fand die erste Austragung in der Agglomeration Lausanne statt, ins Leben gerufen und auf die Beine gestellt von Pro Velo und Label Vert, einer auf nachhaltige Umweltprojekte spezialisierten Firma. Innerhalb weniger Jahre weitete sich das Projekt auf die ganze französischsprachige Schweiz aus. Heute nehmen jährlich mehr als 5000 Jugendliche an Défi Vélo teil. Im vergangenen Jahr folgte der Sprung über die Sprachgrenze.
In Basel-Stadt waren zehn Klassen dabei. «Ein guter Start», sagt Laura Mosimann gegenüber Velojournal.

Von Lausanne nach Basel
Die Label-Vert-Mitarbeiterin koordinierte die deutschsprachige Ausgabe zusammen mit Matthias Schlatter von Pro Velo beider Basel. Der Kanton und das Basler Amt für Mobilität unterstützten sie dabei. Mosimann und Schlatter betonen, dass der erste Défi-Vélo-Anlass in der Deutschschweiz ein Erfolg war. Die Resonanz war positiv, weiss der Pro-Velo-Mann zu berichten. «Der spielerische Aspekt kommt besonders gut an.» Und die Begegnungen mit Fahrradkurieren oder Veloglobetrottern würden von den Jugendlichen geschätzt.
Nicht zuletzt motiviere der Wettbewerb, das Velo auch mal wieder in der Freizeit oder für den Schulweg zu benützen. Umfragen bei Défi-Vélo-TeilnehmerInnen bestätigen diese Einschätzung. So gibt mehr als die Hälfte der Jugendlichen an, das Velo nun häufiger nutzen zu wollen. Und 6 von 10 Schülerinnen und Schülern sagen, sie fühlten sich im Verkehr danach sicherer und hätten mehr Selbstvertrauen. «Jetzt weiss ich endlich, wie man einen Schlauch flickt. Das nächste Mal muss ich nicht mehr meinen Vater fragen», sagte eine Teilnehmerin etwa nach dem Mechanikposten.

Weiter bis nach St. Gallen
Die Expansion geht in der Deutschschweiz weiter. In Rapperswil machten bis zum Sommer erstmals drei Klassen an der Aktion mit. In Bern, St.?Gallen und Zürich laufen die Vorbereitungen, um Défi Vélo auch dort an die Schulen zu bringen. In allen drei Regionen können interessierte Lehrpersonen ihre Klassen für das kommende Schuljahr anmelden. In Basel ging Défi Vélo dieses Jahr derweil in die zweite Runde. Drei Schulen nahmen mit insgesamt acht Klassen teil. Es laufe etwas harzig, sagt Matthias Schlatter, er ist aber zuversichtlich: «2017 werden wir sicher wieder mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben.» Der Start in der Deutschschweiz ist jedenfalls geglückt. Das Erfolgsprogramm wird künftig auch hier dafür sorgen, dass Jugendliche Velofahren wieder cool finden.


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