Gerade hat man mit dem Velo so richtig Fahrt aufgenommen. Zügig geht es voran, der Wind pfeift einem um die Ohren. Doch dann, nach ein paar Hundert Metern, kommt sie: die nächste rote Ampel. Das kräfteraubende Stop-and-go von Ampel zu Ampel ist schon ärgerlich, doch erst recht, wenn weit und breit kein anderes Fahrzeug in Sicht ist. Die Kreuzung ist frei. Nach rechts abzubiegen, wäre gefahrlos möglich. Doch das Lichtsignal sagt «Stopp»! Eine Situation, wie sie Velofahrende in der ganzen Schweiz gut kennen. In der ganzen Schweiz? Nein, in Basel-Stadt sieht es seit einiger Zeit etwas anders aus.
Pilotprojekt am Rheinknie
Während zweieinhalb Jahren hat der Stadtkanton mit einem Pilotversuch «velofreundliche Lichtsignalanlagen» getestet. Angefangen mit vier Ampeln, wurde die Testphase auf insgesamt zwölf Standorte ausgeweitet. Ein Schild mit einem gelben Velo und einem nach rechts weisenden Pfeil erlaubte es Radfahrerinnen und -fahrern, trotz Rotlicht nach rechts abzubiegen. Fussgängerinnen und Fussgänger sowie der von links kommende Verkehr hatten Vortritt. Der Versuch endete im Dezember 2016. Entgegen allen Unkenrufen gab es während der Pilotphase keine Unfälle. Radfahrende in Basel dürfen sich darum freuen. Die neue Signalisation wird an zehn von zwölf Teststandorten vorerst weitergeführt. Das Bundesamt für Strassen (Astra) gab dafür grünes Licht.
Der Basler Versuch diente aber keinem Selbstzweck. Ziel war es, das Rechtsabbiegen bei Rot für Velos im Strassenverkehrsrecht zu verankern. Dafür braucht es eine Gesetzesrevision. Erkenntnisse aus Basel sollen helfen, die dafür notwenige Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Das Amt für Mobilität des Kantons Basel-Stadt hat darum in den vergangenen zwei Jahren alle Ampelstandorte beobachtet. Nach der Auswertung wurden die Resultate Anfang April dem Astra zur Prüfung vorgelegt.
Viele Daten, keine Unfälle
Das Rechtsabbiegen bei Rot sowie die Fussgänger- und Velophase seien rege genutzt worden, heisst es aus Basel. Nur vereinzelt hätten Radfahrende den Fussgängern den Vortritt nicht gewährt. «Der Anteil bewegte sich im Promillebereich», schreibt das Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt in einer Medienmitteilung. In Zahlen heisst das: Während mehr als 550 Stunden erfasste man an den Testampeln knapp 40?000 Velofahrende. Etwas mehr als 17?000 davon bogen an den Kreuzungen nach rechts ab. Von ihnen nutzten wiederum 6000 Velofahrende das freie Rechtsabbiegen bei Rot.
An einer Kreuzung testete das Amt für Mobilität zudem die sogenannte Fussgänger- und Velophase. Hier durften Fahrräder die Kreuzung gleichzeitig mit den Fussgängern überqueren. Personen zu Fuss hatten Vortritt. Während 96 Stunden wurden an dieser Kreuzung mehr als 8500 Velofahrende gezählt. 2000 kamen dank der neuen Signalisation «zügiger voran».
«Wir hoffen, dass es nun schnell vorwärtsgeht und die gesetzliche Grundlage geschaffen wird, dass Kantone das Rechtsabbiegen an geeigneten Stellen zulassen dürfen», sagt Roland Chrétien zu Velojournal. Umso mehr, als Pro Velo beider Basel keine negativen Reaktionen zum Pilotprojekt zu Ohren gekommen seien, wie der Geschäftsführer ergänzt. Man sei auch schon dabei, weitere mögliche Standorte für die velofreundlichen Ampeln zu sammeln. «In Basel gibt es noch einige.» Bis Radfahrende aber auch andernorts bei Rot rechts abbiegen dürfen, dauert es noch.
Mit der Detailauswertung des Pilotprojekts hat Basel-Stadt auch beantragt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das «vortrittsbelastete Fahren für Velos» zu schaffen, wie Markus Störr, Projektleiter beim Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt, erläutert. Fernziel ist eine Anpassung des Strassenverkehrsrechts. Der Bericht soll auch Empfehlungen beinhalten, an welchen Standorten sich das freie Rechtsabbiegen bei Rot für Velos anbiete. Nun liegt der Ball beim Astra. Laut «NZZ am Sonntag» plant das Bundesamt, die Änderungen im Herbst in die Vernehmlassung zu geben.
www.provelo-beiderbasel.ch
Update: 04.04.2017
Fabian Baumann
22.03.2017







