Ran an die Unterschriftenbögen!

Am 5. März fiel in Bern der Startschuss zur nationalen Veloinitiative. Innerhalb von 18 Monaten müssen 100 000 gültige Unterschriften zusammenkommen. Die Pro-Velo-Regionalverbände sind gefordert.

no-image

Fabian Baumann
24.03.2015

Die Initiative ist ein doppeltes Novum für Pro Velo Schweiz. Noch nie hat die Velolobby ein nationales Volksbegehren lanciert. Und noch nie hat der Vorstand von Pro Velo den Regionalverbänden verbindliche Vorgaben erteilt. Bis jetzt: Denn seit dem 5. März ist das anders. Alle Regionalverbände haben verbindliche Sammelquoten erhalten. Diese richten sich nach Grösse und Anzahl der Städte im regionalen Einzugsgebiet. Während ein kleiner Verband wie Sursee mit 172 gesammelten Unterschriften sein Soll bereits erfüllt haben wird, liegt die Hürde für Zürich mit mehr als 20 000 Unterschriften markant höher.

Gefülltes Sparschwein
«Wir müssen uns mächtig ins Zeug legen», sagt Pro-Velo-Zürich-Geschäftsführer Dave Durner. Die kantonale Velolobby hat Rückstellungen für die Initiative gebildet. Ein Budget von 25 000 Franken fliesst in die Unterschriftensammlung. Doch Pro Velo sei keine Sammelorganisation. Im Unterschied zu politischen Parteien betrete man mit der nationalen Initiative Neuland, so Durner. Mit Matthias Probst haben die Zürcher Veloförderer deshalb eine erfahrene Person aus ihren Reihen mit der Unterschriftensammlung beauftragt. Probst zeichnete bei den Jungen Grünen für die erfolgreich lancierte Offroader- sowie die städtische Veloinitiative mitverantwortlich. Er weiss also, was es heisst, auf der Strasse für ein politisches Anliegen zu werben.
Pro Velo Zürich wolle sich aber nicht zurücklehnen und die Arbeit Matthias Probst alleine überlassen. Die Vereinsbasis sei ebenso gefragt. «Wir haben einen Wettbewerb gestartet. Wer am meisten Unterschriften sammelt, gewinnt ein Fahrrad», sagt Durner. Obwohl er im Gespräch mit Velojournal betont, dass es nicht leicht werde, das Sammelziel zu erfüllen, gibt sich der Zürcher Geschäftsführer zuversichtlich. Bis im November wolle man die nötigen Unterschriften beisammenhaben. «Und wenn das nicht reicht, dann spätestens bis nächstes Jahr.»
Weniger konkrete Pläne, aber dennoch zuversichtliche Töne sind aus Basel zu vernehmen. «Wir brauchen nur zwei Unterschriften pro Mitglied, und die Sammelquote ist erfüllt», sagt Geschäftsführer Roland Chrétien scherzhaft. Um gleich anzufügen, dass es wohl nicht so einfach werde. Chrétien bezweifelt, dass jedes Mitglied seinen Namen auf einen Unterschriftenbogen setzt. Im Gespräch verweist er auf die Strasseninitiativen der Basler VCS-Sektionen. Obwohl diese ungleich grösser seien als die lokale Pro Velo, kamen die nötigen 1500 Unterschriften in Baselland respektive die 3000 in der Stadt nicht so ohne Weiteres zusammen, weiss Roland Chrétien. «Aber ich bin optimistisch, dass wir 8000 Unterschriften sammeln.» Man habe noch ein Ass im Ärmel: Die Basler Velolobby steht vor der Lancierung eigener kantonaler Initiativen, welche die Schaffung von Velo(schnell)routen in den zwei Halbkantonen fordern. Der Regionalverband hofft, damit auch der nationalen Initiative Aufwind zu verleihen.

Mund-zu-Mund-Propaganda
Die Thurgauer Pro Velo backt im Vergleich zu Basel kleinere Brötchen. Zumindest, was die Vereinsgrösse betrifft. «Wir haben nur wenige aktive Personen», sagt Vorstandsmitglied Vera Zahner. «Zu zweit 2000 Unterschriften sammeln, das geht nicht.» Man sei darauf angewiesen, dass möglichst viele Leute im persönlichen Umfeld aktiv
werden. Mund-zu-Mund-Propaganda sei effizienter als jeder Infostand. Die Velolobby lud deshalb Mitte März zu einer Kick-off-Veranstaltung. Ziel war es, Lust am Velofahren zu vermitteln und die lokale Bevölkerung auf das Unterschriftensammeln einzustimmen. Die Thurgauer greifen auch auf klassische Kampagnenarbeit zurück. Veranstaltungen, die viele Velofahrerinnen und -fahrer anziehen, stehen im Kalender. So etwa der slowUp Bodensee Ende August. Das passende Gefährt ist bereits vorhanden: ein zum fahrenden Eventmobil umgebautes Bakfiets-Transportvelo.
Rebecca Müller, Geschäftsführerin der Pro Velo Stadt und Region Bern, sagt: «Wir haben uns für die Veloinitiative entschieden und ziehen sie durch.»
Sie setzt auf die städtischen Velobörsen, um die Käufer, aber auch die Anbieterinnen von der Wichtigkeit der Initiative zu überzeugen. Neben ihrer Funktion
als Geschäftsführerin der städtischen
Velolobby ist Müller als Koordinatorin bestrebt, auch alle anderen Regional­verbände des Kantons bei der Unterschriftensammlung zu unterstützen. Den Auftakt machte ein Workshop im Anschluss an die kantonale Delegierten­versammlung. Auf Basis der ersten Erfahrungen erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Tipps, Tricks und ein Argumentarium zum erfolgreichen Unterschriftensammeln.

Empfohlene Artikel