Die Vorstellung, mit dem Rennvelo durch sumpfige Wiesen und matschige Feldwege zu pflügen, mag anfänglich etwas unappetitlich erscheinen, und man denkt schnell einmal: «Nichts für mich!» Doch nach einer Fahrt mit einem Querfeldeinvelo muss man nicht zwingend wie ein Dreckspatz aussehen.
Mit den voluminösen Reifen und dem starken Rahmen ist das Querfeldeinvelo ein Rennrad, mit dem sich neben der Strasse auch noch Wege befahren lassen, welche die Gümmeler mit ihren «Wienerli»-dicken Pneus meiden wie der Teufel das Weihwasser: Schottersträsschen und Waldwege – und wenn es sein muss, kann damit auch mal ein guter Wanderweg befahren werden. Wenn es nötig wird, trägt man das Crossrad dann einfach ein Stück weit auf der Schulter.
Die Möglichkeiten der Routenwahl für die Rennvelo-Runde nehmen damit sprunghaft zu, insbesondere durch Wege abseits des Verkehrs. Natürlich schüttelts dabei auch mal tüchtig. Verglichen mit einem Mountainbike bleibt das Cyclocross-Rad aber leichtfüssiger, und es fühlt sich auch auf der Strasse wohl. Dort fährt es sich mit den voluminösen Pneus sogar etwas komfortabler als mit einem normalen Rennvelo, ohne dass der Rollwiderstand spürbar zunimmt. Voraussetzung dafür ist allerdings ein korrekter Luftdruck. Einzig der Luftwiderstand und das Gewicht sind etwas höher als beim normalen Rennvelo.
Cyclocross-Velos werden unterdessen von den meisten Rennveloherstellern angeboten. Neben den dickeren Reifen lassen diese Modelle meist auch die Montage von Schutzblechen zu. So eignen sie sich bestens als Schlechtwetter- oder Winterrenner. Oft kann auch ohne Probleme ein Gepäckträger angebracht werden, wodurch das Cyclocross-Rad als leichtes Alltags- oder Reisevelöli benutzt werden kann und somit noch mehr Einsatzmöglichkeiten bietet.
Scheibenbremsen im Matsch
Für unseren Cyclocross-Versuch wählten wir ein Rad von Stevens. Der Hamburger Hersteller baut seit Langem Querfeldeinvelos und bietet insgesamt sieben verschiedene Modelle an. Unser Testvelo, das Modell «Vapor», hat Scheibenbremsen. Diese werden bei Cyclocross-Velos erst langsam en vogue. Sie haben jedoch den Vorteil, dass sie auch bei Nässe und Matsch eine gute Bremsleistung liefern. Die Übersetzung nimmt Rücksicht auf die im Gelände eher geringen Geschwindigkeiten: Der Zahnkranz vorne ist etwas kleiner gewählt. Für längere, steile Aufstiege vermissten wir aber auf der Testfahrt die ganz kleinen Gänge. Wer mit dem Crossrad auch Passfahrten unternehmen will, sollte sich die Übersetzung noch entsprechend anpassen lassen. Damit sich das Velo gut tragen lässt, wurden beim «Vapor» das Oberrohr auf der Unterseite abgeflacht und das Kabel ins Rohr verlegt. Dies erleichtet nach der Fahrt auch die Reinigung.
Denn: Einmal auf den Geschmack gekommen, lässt man sich die Möglichkeit all der schönen Weglein, die sich mit dem Querfeldein-Renner auch noch befahren lassen, nicht mehr entgehen. Auch wenn Rad und Fahrer danach oftmals tüchtig eingesuhlt sind.







