Minus fünf Grad (circa), drei Räder (genau!), zwei Sorten Suppe (mit und ohne Fleisch), eine Fahrerin – kurz: ein (fast) ganz normaler Ferientag Anfang Januar. Eigentlich wollte ich bloss endlich mal ausprobieren, wie sich das Lastenvelo mit stabiler Ladefläche zwischen zwei Vorderrädern fährt, das im Freistaat Christiania in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen hergestellt wird. Ein Wunsch, der sich leicht erfüllen lassen sollte, dachte ich. Denn praktischerweise besitzt eine meiner Schwestern ein solches Gefährt.
Aber natürlich hatte die Sache einen Haken: Das Velo mit selbst gebauter, zum Verkaufsstand aufklappbarer Kiste auf der Ladefläche gehöre nicht ihr privat, sondern zum Inventar ihrer Suppenbar in der Brugger Altstadt, erklärte mir meine Schwester. Es heisse je nach Jahreszeit «Suppe-Velo» oder «Glace-Velo», und einfach nur so damit rumzufahren, liege nicht drin. Und, schwuppdiwupp!, schon war ich als radelnde Suppenhändlerin engagiert.
Aller Anfang ist schwer: Ein beladenes Las-tenvelo hat ein ordentliches Gewicht, und sobald ich in die Pedale trat, bewegte sich erstens der Sattel seitlich unter meinem Füdli weg, statt bloss zu federn, und zweitens zog das ganze Gefährt nach links, statt geradeaus zu fahren. Rasch bremsen – quiieetsch! –, das Teil zurück in die Spur schieben … Nein, so ging das nicht – umso weniger, als das Gefährt mit seiner gelben Kiste samt aufgemaltem Suppenbar-Logo ja nicht gerade inkognito durch die Kleinstadt schlingerte. Also: Ganz schnell fahren lernen! Mit beiden Händen fest an der Lenkstange die Arme so weit nach links herausstrecken wie möglich, und schon ist die enge Rechtskurve geschafft.
Geht doch! Dann noch mit der China-Glocke klingeln und den amüsiert hinguckenden PassantInnen ein «feini heissi Suppe!» entgegenschmettern: Macht Spass! Okay, viel verkauft hab ich nicht – aber immerhin den Ewiggestrigen, die auch im 21. Jahrhundert noch behaupten, ohne Auto könne man jegliches Geschäften gleich vergessen, quasi im Vorbeipedalen ein Schnippchen geschlagen: «Geht doch –und macht erst noch Spass!»







