Pedalen bei 40 Grad

Bei Radsportanhängern ist die Tour du Faso legendär. Hier gehen nicht die allerbesten Athleten der Welt an den Start, wohl aber Sportler mit Abenteuerlust, wie der Dokumentarfilm von Wilm Huygen zeigt.

Bruno Angeli, Autor (info@bruno-angeli.ch)
Film, 13.09.2016

Vor über hundert Jahren wurde in Burkina Faso das Pferd als Fortbewegungs- und Transportmittel vom Velo abgelöst. Zu Beginn nannten es die Einheimischen «Eisenpferd». Und obwohl die Stahl­rösser von den ehemaligen Kolonialherren eingeführt wurden, schmälerte dies den Stellenwert der Fahrzeuge nicht. Im Gegenteil. Im Verlauf der Zeit stieg er sogar. So wird das Velo heute liebevoll auch «die kleine Königin» genannt.

Seit 1955 werden in Burkina Faso professionelle Velorennen ausgetragen. Das Radsport-Highlight ist die Tour du Faso, die 1987 vom damaligen Staatspräsidenten Thomas Sankara gegründet wurde. Malte Wulfinghoff schreibt dazu im Begleitbüchlein zur DVD, dass das Staatsoberhaupt mit dem zehntägigen Etappenrennen quer durch Burkina Faso die Kultur seines Land der Weltöffentlichkeit präsentieren und die nationale Identität der multiethnischen Bevölkerung stärken wollte. Wulfinghoff ist Ethnologe und war gleichzeitig Teamchef der deutschen Mannschaft, die 2011 an der 1280 Kilometer langen Rundfahrt teilnahm. Aus jenem Jahr stammen auch die Impressionen, die der Filmemacher Wilm Huygen in seiner Dokumentation eingefangen hat. «Bei der Tour du Faso habe ich unzählige positiv-verrückte Träumer gefunden», sagt der Filmemacher.

Die Unterschiede im Feld der Teilnehmer sind gross. Vier Kilo schwerere Rennvelos sind nicht die einzigen Nachteile, welche die Athleten vom Schwarzen Kontinent gegenüber den Europäern haben. Auch die Trainingsmethoden und die Ernährung spielen eine grosse Rolle. Dafür haben die Europäer grosse Mühe mit der Hitze, wie ein afrikanischer Teilnehmer im Film zu Protokoll gibt. Er ist überzeugt, dass kein Europäer den Gesamtsieg heimfahren wird. Etappe für Etappe kommen wir in «Tour du Faso» diesem Event und dem Land näher und sehen faszinierende Bilder. Eine nicht nur für Radsportfans empfehlenswerte Dokumentation.

«Ich habe das Land in bester Erinnerung!»
2015 nahm auch ein Schweizer Rennfahrer an der Tour du Faso teil: Manuel Stocker. Er gewann eine Etappe. Er hat die Dokumentation Tour du Faso gesehen.


Velojournal: Wie war Ihr Eindruck des Films?
Manuel Stocker: Den Film sah ich im Kino. Die Zuschauer haben geschmunzelt und die Fahrer nicht wirklich ernst genommen. Das Rennen kommt ja auch sehr amateurhaft daher. Der Film gibt sehr gute Einblicke in das Renngeschehen der deutschen und der afrikanischen Teilnehmer. Vor meiner Abreise nach Burkina Faso habe ich mir nochmals ein paar Ausschnitte angeschaut, um daraus zu lernen und Fehler zu vermeiden.

Was hat Sie am Rennen besonders beeindruckt?
Die Menschenmassen, der Enthusiasmus der Leute und der Wille der Fahrer, vor allem der Einheimischen. Obwohl es zehn Tage lang nur flache Strecken zu absolvieren gab, war es nie langweilig.
 
Welches sind die grössten Unterschiede zu den Rennen in Europa?
Das Material und die Trainingsmethoden der Fahrer und das damit verbundene taktische Verständnis der Afrikaner. Angriff ist deren beste Verteidigung, und diesen Stil ziehen sie auch im Rennen durch. Wir Europäer mussten uns diesem «afrikanischen» Rennstil anpassen. Kontrollierte Situationen, wie man sie bei den Profis kennt, konnte man da vergessen.

Sie haben eine Etappe der Tour du Faso gewonnen. Wie haben Sie dies erlebt?
Der Sieg war natürlich eine enorme Freude, da ich bisher selten Rennen gewonnen habe. Auf allen TV-Stationen liefen Zusammenfassungen der Etappe und meines Siegs. Es war einer meiner schönsten Tage als Radsportler.


Die DVD

Tour du Faso
Deutschland/Frankreich 2013
Drehbuch und Regie: Wilm Huygen

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