Musik und Herzensangelegenheiten

In «Wie im Himmel» erleidet ein weltberühmter Dirigent einen Herzinfarkt. Er lässt seine Karriere sausen und wird in einer kleinen Gemeinde Kantor eines Chors. Hier begegnet er Lena, die ihm das Velofahren beibringt.

Bruno Angeli, Autor (info@bruno-angeli.ch)
Film, 14.09.2011

Dem schwedischen Filmemacher Kay Pollack gelang 2004 mit seinem dritten Spielfilm «Wie im Himmel» ein Kassenschlager. Über zwei Millionen Kinoeintritte wurden allein in Schweden verzeichnet. Internationale Anerkennung erfuhr der Film unter anderem durch die Oscar-Nominierung in der Kategorie «Bester ausländischer Film».

Inspiriert wurde der Regisseur durch seine Frau. Er holte sie jeweils von den Chorproben ab. Dabei lauschte er dem Gesang und beobachtete die Sängerinnen und Sänger. «Es wurde mir bewusst, dass so ein Chor eigentlich als Metapher für Menschlichkeit stehen kann», so der Filmemacher. Er begann zu recherchieren, führte Gespräche mit Chorleitern und Mitgliedern. Nach und nach entstand so ein Drehbuch. Die angefragten Produzenten waren vom Stoff begeistert, und die Dreharbeiten fanden 2003 in Norrbotten (Nordschweden), Stockholm und Innsbruck statt.

Die Story

Schon als kleiner Junge wollte Daniel Musik machen, «die die Herzen der Menschen öffnet». Jetzt, mit etwas über vierzig Jahren, lässt ihn sein Herz im Stich. Während eines Konzerts erleidet der Stardirigent einen Herzinfarkt. Er überlebt, weiss aber, dass es so nicht weitergehen kann. Er fährt in ein kleines Dorf in Nordschweden. Hier verbrachte er einige Jahre seiner Kindheit. Niemand wird ihn hier erkennen, denn mit vierzehn Jahren nahm er den Künstlernamen Daniel Daréus an. Es ist Winter, und Daniel (als Erwachsener von Michael Nyqvist dargestellt) will sich hier einfach nur ausruhen. Im ehemaligen Schulhaus, das er erstanden hat, richtet er sich ein.

Die Ankunft des berühmten Dirigenten spricht sich im Dorf schnell herum. Auch die Menschen in den Geschäften sind informiert. Arne (Lennart Jähkel), der Besitzer des örtlichen Sportgeschäfts, ist erstaunt, dass Daniel ein Velo kaufen möchte. Wer kauft schon mitten im Winter ein Velo? Egal. Der Geschäftsmann ist auch ein ambitionierter Sänger im örtlichen Kirchenchor. Er sieht die einmalige Gelegenheit, mittels seines neuen Kunden den Chor auf ein höheres Niveau zu bringen. Er bietet dem Dirigenten einen Deal an: Sollte sich der Profidirigent die Sängertruppe «ansehen», wird er auf das Velo einen Preisnachlass gewähren. Ohne grosse Begeisterung nimmt Daniel das Angebot an.

Wider Erwarten kehrt bei Daniel durch den Chor die Liebe zur Musik zurück. Er übernimmt das Amt des Kantors und widmet sich mit Leidenschaft der neuen Aufgabe. Mit ungewöhnlichen Methoden bringt er die Sänger dazu, ihren eigenen, individuellen Ton zu finden. Daniel wird bei den Chormitgliedern immer beliebter und hat mit seinem Chor bald Erfolg, was nicht bei allen Einwohnern des beschaulichen Dorfes gut ankommt. Eifersuchtsdramen sind die Folge. Dazu verliebt sich der überqualifizierte Kantor in die Dorfschönheit Lena (Frida Hallgren). Daniels Anwesenheit bringt das ganze Dorfgefüge durcheinander. Trotz aller Widrigkeiten gelingt es dem Chor zusammenzubleiben. Das grosse Finale findet in Österreich bei einem Gesangs­wettbewerb statt.

Die Veloszenen

Was Arne, der umtriebige Sportgeschäftinhaber, nicht wissen konnte: Daniel hat sich zwar gleich nach der Ankunft in seinem Geschäft ein Velo gekauft, konnte aber gar nicht fahren. Es ist Lena, die ebenfalls im Chor singt und im Dorfladen als Verkäuferin arbeitet, die ihm das  Velofahren beibringt. «Man kann nicht alleine Radfahren lernen», sagt sie dazu. Später verbringen die beiden oft Zeit miteinander. Sie fahren gemeinsam an den See. Hier vertraut sie Daniel ihr grösstes Geheimnis an.

Die letzte Veloszene spielt sich in Österreich ab. Der Chor wartet während des Wettbewerbs vergebens auf den Leiter. Denn der glücklich in Lena verliebte Daniel kurvt gedankenverloren in der Stadt herum und vergisst seinen Auftritt. Spät erinnert er sich daran und hetzt zum Austragungsort. Dabei erleidet er einen weiteren Herzinfarkt. Er schleppt sich zu einer Toilette. Von hier aus hört er seinen Chor ein letztes Mal. Er nimmt noch wahr, wie der ganze Saal in den Gesang seiner Schützlinge einsteigt und mitsingt.

DVD: «Wie im Himmel», Schweden 2004

Regie und Drehbuch: Kay Pollak
Schauspieler: Michael Nyqvist (Daniel Daréus), Frida Hallgren (Lena), Lennart Jähkel (Arne)

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