Mundesti pedalt für seine «Bibi»

Ausgediente Velos aus der Schweiz kommen in Afrika frisch in Fahrt. Zum Beispiel bei Mundesti Nestory (23) aus Tansania. Der Jungbauer macht damit Transporte für seine Grossmutter.

no-image

Karl Johannes Rechsteiner
17.11.2011

Nach sieben Jahren Grundschule wurde Mundesti Nestory von seinen Eltern zu seiner Grossmutter Katarena Tirusigwa geschickt, nach Kanywangoge, einem Dorf eineinhalb Stunden von der Stadt Nshamba entfernt. Hier unterstützt der junge Mann seine «Bibi», wie er die 72-jährige Grossmutter liebevoll nennt. Als gebrechliche Frau ist sie dankbar, dass ihr der Enkel Wasser und Feuerholz bringt und ab und zu sogar für sie kocht. Sie hat ihm ein Stück ihres Landes zur Verfügung gestellt, wo der Jungbauer vor allem Tomaten anbaut und seine drei Kühe hält, zwei davon Milchkühe, die es regelmässig zu melken gilt. Daneben arbeitet er auf den Feldern der Gruppe Tweyambe, zu der seine Grossmutter gehört – sie ist Teil des Netzwerkes von Kwa Wazee, einer Selbsthilfeorganisation von Grossmüttern, die Aids-Waisen aufgenommen haben. Die Gruppe besitzt 13 Ziegen, pflanzt Kohl, Mais, Bohnen Spinat an. Mundesti hilft auch beim Vorbereiten der Felder für Erdnüsse, die neu angepflanzt werden.

Seit Kurzem fällt dem Velofan die Unterstützung seiner Grossmutter viel leichter, denn sie hat ihm Geld gegeben, damit er endlich ein Velo kaufen konnte. In Nshamba wählt er mit Beratung eines Freundes sorgfältig ein Mountainbike aus. Seine Grossmuter hat ihm 50?000 Shilling dran bezahlt – den Rest von 85?000 Shilling hat er selber erarbeitet. Das stabile Bike gehört zur obersten Preisklasse und kostet umgerechnet etwa 110 Franken. Günstige Velos sind schon ab umgerechnet 70 Franken zu haben. Stabil, langlebig und gut in Fahrt – importiert aus der Schweiz von «Velos für Afrika» und in den Werkstätten vor Ort frisch gewartet.

Das Fahrrad macht Mundesti nicht nur Spass, sondern bringt ihm wirtschaftliche Vorteile: Jetzt fährt er regelmässig nach Nshamba, um Seife, Kerosen oder Medizin einzukaufen – dort ist alles viel billiger als im Dorf. Und er kann seine Tomaten und den Kohl viel einfacher auf den Markt nach Muleba transportieren, wo Kundschaft auf ihn wartet. «Ni Bomba», sagt Mundesti Nestory: «Cool!»

www.velosfuerafrika.ch


Velos für Afrika – konkret und fair

«Anstatt nur zu lamentieren machen wir Nägel mit Köpfen», sagt Dave Durner von Pro Velo Zürich. Am Samstag, 19. November 2011, wird fair gehandelt, und es werden alte Velos gegen faire Bio-Mangos von Bauern aus Burkina Faso getauscht. Die Velos gehen dann an ebendiese Bauern. Bringen auch Sie Ihr altes oder defektes Velo!

Datum: 19.11.2011
Zeit: 11 bis 16 Uhr
Ort: Zürich, Limmatquai beim Café Rathaus

Empfohlene Artikel