In einer Velo-Zeitschrift lese ich den Hinweis auf ein Rucksäcklein mit fünf Litern Inhalt. Ich rase gleich in den Veloladen, frage nach diesem Objekt minimalistischer Begierde. Nur: Dieses Fünfliterli führt das Fachgeschäft Nummer eins nicht, und auch die Geschäfte Nummer zwei und Nummer drei führen es nicht. Die Händler sagen, niemand würde einen so kleinen Rucksack kaufen, schon die Zehnliterlis da drüben im Gestell liefen schlecht. Ich beschaffe das Ding übers Internet, brauche es dann leichtfreudig auf mehrtägigen Touren und habe Zeit, darüber nachzudenken, wie das ist mit der Leichtigkeit und mit der Schwerenot.
Die Leichten, das wären die Gümmeler mit ihren Sieben-Kilo-Carbonvelos. Was aber tun die Herren? Sie bestücken ihre Libellen mit zwei 7,5-Deziliter-Bidons, macht drei Pfund, und heben so den Carbon-Effekt auf. Hierzulande aber genügt ein Halbliterbidon vollauf, macht ein Pfund. Da aber dräut mehr Ungemach am Horizont: Auch die Halbliterbidons sind im Handel kaum mehr zu finden. Und dann würgen wackere Sportler an den Pässen auf ihrem erschwerten Carbon neben ihrer Leibesfülle auch noch Rucksäcke von fünfzehn oder zwanzig Litern Inhalt auf dem Velo himmelwärts. Velofahren will eigentlich Leichtigkeit, die moderne Lebensart aber schleppt gern Material herum, und da haben wir ihn, den Teufelskreis, den zyklistischen.
Eindeutig ist zum Glück die Entwicklung bei den Reisevelos: Die rumpeln geradewegs in das Verderben der Schwere. Ich schaue mir die Zeitschrift «Radtouren» Ausgabe 1/2015 an. Da werden seitenweise Reiseräder von 12 bis 24 Kilo pro Exemplar vorgestellt, mit Gesamtgewichten, also Mensch samt Gepäck, die zwischen 120 und 180 Kilo erreichen. 180 Kilo! Da bekomme ich beim blossen Lesen Atemnot. Diese Reise-Ungetüme gleichen hässlichen Panzern, sie sind behangen mit viel überflüssigem Material, mit Rückspiegeln, Lichtanlagen, Schutzblechen, schiefen Lowridern, Ständern hinten und vorn, Tresor-Schlössern, so hohen Lenkern, dass der Fahrer mit senkrechtem Stolz im Gegenwind steht. Schwappen da Ableger einer Offroader-Mentalität in die Reise-Veloszene hinein? Auf den Bildern zu den Reiseberichten sieht man nette, aber oft nicht sehr sportliche Menschen, und ausgerechnet sie quälen sich mit viel Material in grossen Sacochen um den Erdball, die Schwächsten bewältigen also die strengste Transportarbeit.
Hier schliesst sich der Kreis über der Kluft zwischen leicht und schwer. So, wie es wenige kleine Rucksäcke für Gümmeler unterwegs gibt, findet man kaum kleine, zugängliche Sacochen, welche ergonomisch und ästhetisch die elegante Lösung wären. Die Toureros kaufen grosse Sacochen und dazu auch noch Lenkertaschen. Mit allen kommen sie auf fünfzig oder siebzig Liter Stauraum, und bekanntlich füllt man den Stauraum bis auf den letzten Liter. Die Offroader-Bonzen machen es doch auch so.
Dres Balmer
02.02.2015







