«Hier blicken wir auf einen der neuralgischen Punkte in Lenzburg», sagt Werner Christen, Präsident der regionalen Pro Velo. Er zeigt in Richtung der Bushaltestelle am Bahnhof, wo abgestellte Fahrräder ein dichtes Knäuel bilden. Die Abstellplätze auf der gegenüberliegenden Seite, nahe am Gleis, sind ebenfalls dicht zugestellt. Dabei gibt es am Bahnhof auch noch gedeckte Abstellplätze. Weil diese aber nur über eine wendeltreppenartige Rampe erreicht werden können, werden sie wenig genutzt. «Dort findet sich immer Platz», sagt der Regionalpräsident.
So wie sie wild herumstehen, seien die Fahrräder nicht vor Vandalismus geschützt. Eine Velostation würde Abhilfe schaffen. Die Lenzburger führen deshalb eine Bedürfnisabklärung durch. Sie soll zeigen, ob das lokale Gewerbe bereit wäre, das Anliegen zu unterstützen und in einer Trägerschaft mitzuwirken, denn die Finanzierung sei noch nicht gelöst. Bis sich das Velochaos rund um den Bahnhof auflöst, wird noch einige Zeit vergehen.
Schulwegsicherung und Abstellplätze
Deshalb dreht sich die Arbeit in Lenzburg auch um alltäglichere Belange des Radfahrens. Als Schwerpunkt hat sich Pro Velo das Radwegnetz angesehen und geprüft, wo Lücken geschlossen und Signalisationen oder Beschilderungen angepasst werden sollten. «Einige unserer Vorschläge wurden direkt umgesetzt», freut sich Werner Christen. So ist eine Unterführung beim Bahnhof nun für Fussgänger und Velofahrerinnen aufgeteilt, wobei die Fahrräder eine breite Spur benützen dürfen. Zuvor hatten dort Schranken auf beiden Seiten das Unterqueren der Gleise behindert.
Das Klima zwischen Pro Velo und den lokalen Behörden ist gut, aber die Zusammenarbeit meist nur punktuell. Ein immer wiederkehrendes Thema ist die Schulwegsicherheit. Zusammen mit der Stadt konnten in den vergangenen Jahren viele Verbindungen sicherer gestaltet werden. Die Lenzburger bieten darüber hinaus als einziger Regionalverband regelmässig Sicherheitstrainings an den Oberstufenschulen an. «Die Schulen sind sehr dankbar für die Kurse. Denn es ist nicht mehr selbstverständlich, dass alle Kinder und Jugendlichen Rad fahren können», sagt Werner Christen. Kurse für Migrantinnen seien im Verein auch diskutiert worden. In Bern beispielsweise sind sie ein grosser Erfolg. Lenzburg hat aber ein zu kleines Einzugsgebiet, sodass der Präsident nicht damit rechnet, genügend Teilnehmende zu finden. Kommt hinzu, dass in Aarau, Wohlen, Baden und Brugg weitere Regionalverbände aktiv sind.
Zusammenschluss geplant
Weshalb also nicht Synergien nutzen und sich im Aargau zu einer grossen Pro Velo zusammenschliessen? «Diese Diskussion ist sehr aktuell», sagt Christen. Bereits heute besteht ein loser Zusammenschluss unter dem Namen Pro Velo Aargau. Zweimal jährlich treffen sich die VertreterInnen der lokalen Verbände zu gemeinsamen Verhandlungen mit dem Kanton. Werner Christen sieht in einer kantonalen Pro Velo Vor-, aber auch Nachteile. Die Arbeit in Vorstand und Geschäftsleitung wäre einfacher. Andererseits würde die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden schwieriger, weil der Verband weniger lokal verankert wäre. Schnelle und unkomplizierte Lösungen seien dann schwieriger, ist Christen überzeugt.







