Kindliche Leidenschaft

Im Juni fand in Wien der Kongress «Velo-City» mit rund 1400 Interessierten aus der ganzen Welt statt. Zu reden gab die Frage, wie man Kinder früh mit dem Velo vertraut macht und wie man den Eltern die Angst nimmt.

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Sibylle Waltert
Szene, 17.07.2013

Die Stadt Wien veranstaltete den Grossanlass «Velo-City» gemeinsam mit der European Cyclists’ Federation (ECF). Expertinnen und Experten aus allen Kontinenten diskutierten im prunkvollen Wiener Rathaus über die Zukunft des Velofahrens. Passend dazu rief die Stadt Wien das Jahr 2013 zum Radjahr aus. Es entstanden zahlreiche Infrastrukturen, die das Velofahren in der Stadt attraktiver machen. Aber auch Kinder und Jugendliche sollen profitieren.

Je früher, desto besser
Unter dem Titel «How do we get Children and Youngsters to Integrate the Bi­cycle into Everyday Life?» referierten Philipp Schweizer und die Schreibende über die Projekte bike2school und défi vélo. Ähnliche Projekte existieren in diversen weiteren Ländern, etwa in Holland, Belgien, Deutschland und Australien. Der dänische Veloverband (Cyclistforbundet) entwickelte einen mobilen Veloparcours zur Vermietung an Gemeinden. Er eignet sich bereits für Kinder ab zwei Jahren. Die absolvieren ihn meist mit Laufrädern. Dabei trainieren sie bereits im Vorschulalter ihre motorischen Fähigkeiten und ihren Gleichgewichtssinn. Die Leidenschaft für das Zweirad wird so schon sehr früh geweckt. «Die Kinder sind begeistert und machen dank des Parcours sehr schnell Fortschritte», schilderte Projektleiterin Mai-Britt Kristensen. Im freien Spiel lernen die Kinder zudem, den Blickkontakt mit den anderen zu suchen, um Zusammenstösse zu verhindern. Für die spätere Eingliederung in den Strassenverkehr ist dies eine sehr wichtige Fertigkeit.

Kampf dem Elterntaxi
Auch in Schottland gibt es verschiedene schulische Veloförderungsangebote. Die Organisation Cyclingscotland sagt mit einer aktuellen Kampagne dem Elterntaxi den Kampf an. Der Slogan «Give me cycle space. As much as you would give a car» verlangt Platz fürs Velo und richtet sich mit Fernseh- und Radiospots sowie Plakaten und Broschüren an die Autofahrenden. Besuche und Vorführungen von Velo-Stunt-Teams sollen den Schülerinnen und Schülern zeigen, dass Velofahren cool ist.
Die Eltern versucht die Kampagnenleitung zudem durch direkte Briefe zu erreichen. Sie gewinnen durch die Kampagne Vertrauen und erlauben ihren Kindern, mit dem Velo zur Schule zu fahren. Dies ist das erklärte Ziel von Cyclingscotland. Die Organisatoren nennen die Eltern, die sich für das Velofahren in der Schulgemeinde einsetzen «Parent Champions». Diese beeinflussen nicht nur ihre eigenen Kinder sondern auch andere Eltern.

Keine Angst vor dem Velofahren
Zur Angst vor dem Velofahren äusserte sich auch der englische Soziologe Dave Horton in seinem Referat «Fear of Cycling. Why people think cycling is dangerous and what we can do about it». In seinen Untersuchungen trug er die Gründe zusammen. Angst haben viele vor Unfällen, andere wollen sich nicht blamieren, und einige haben auch einfach Angst davor, anders zu sein als die grosse Masse. Horton plädiert dafür, diese Gefühle ernst zu nehmen und effektive Lösungen anzubieten. «Solange wir den Fokus auf Gefahrenhinweise im Strassenverkehr legen, schüren wir die Ängste nur weiter», so Horton. Wenn immer mehr auf getrennte Velowege gesetzt würde, bleibe der Velofahrer ausserdem ein Fremder auf der Strasse, so Horton. Velofahren solle stattdessen im Gesamtverkehr normal werden: «Je mehr Menschen Velo fahren, desto sicherer wird es.» Die Absichten der European Cyclists’ Federation stehen fest: Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Anzahl Velofahrender in Europa bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln.

www.velo-city2013.com

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