Das Ziel ist klar. Spätestens im September 2016 müssen bei der Bundeskanzlei in Bern 100 000 gültige Unterschriften deponiert werden. Der Weg ist weit und fordert die Pro-Velo-Regionalverbände, die den Löwenanteil sammeln müssen. Bis jetzt liege man im Zeitplan, erklärt Kampagnenleiter Daniel Bachofner gegenüber Velojournal. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war etwas mehr als ein Viertel der nötigen Unterschriften zusammen.
Als erster von allen Regionalverbänden hat Lenzburg sein Soll erfüllt. Daran habe es auch nie Zweifel gegeben, schildert Präsident Werner Christen im Gespräch mit Velojournal. «Gut funktioniert hat das Unterschriftensammeln an einem Samstag vor den zwei grossen Supermärkten.» Mit Plakat, roten Pro-Velo- T-Shirts und Unterschriftenbögen ausgerüstet, positionierten sich die Lenzburger vor den Eingängen. «Wir hatten viele positive Begegnungen. Besonders in einer Gemeinde wie Lenzburg, wo man sich kennt.» Kritische Rückmeldungen hätten vor allem Velofahrerinnen und -fahrer betroffen, die auf Trottoirs oder durch Fussgängerzonen fahren. Eine Kritik, die sich mit dem Ziel der Veloinitiative gut entkräften lässt, will sie doch die Infrastruktur verbessern. «Zu viel argumentieren nützt aber nichts. Besser diejenigen Personen abholen, die dem Velo positiv gegenüberstehen», so Werner Christens Ratschlag. Obwohl der kleine Aargauer Regionalverband seine Vorgabe bereits erfüllt hat, wird die Unterschriftensammlung weitergehen. Im August zelebrieren die Lenzburger in der Altstadt die «Velolust». Was ursprünglich als Hauptevent zur Unterschriftensammlung geplant war, wird nun zur Kür. Zwei lokale Radballvereine werden ihre Velo- und Ballbeherrschung vorführen. Dazu lädt Pro Velo die Passanten ein, das Velo aus einem anderen Blickwinkel zu erleben und neue Formen des Radelns kennen zu lernen.
Mitglieder aktivieren
Noch nicht so rosig präsentiert sich die Situation in Zürich, wo mit der Vorgabe von knapp 20?000 ein Fünftel aller notwendigen Unterschriften gesammelt werden muss. Eine nationale Initiative sei ein Gemeinschaftsprojekt, sagt denn auch Matthias Probst, der mit der Unterschriftensammlung beauftragt ist. Nur wenn alle Mitglieder mithelfen, sei das Ziel zu erreichen. «Masse statt Klasse ist die Devise», so Probst. Die grosse Herausforderung sieht Matthias Probst nicht darin, Leute zum Unterschreiben zu animieren. Fast alle Angesprochenen möchten das Velo besser gefördert wissen, Kritik höre man selten. «Die einzigen Personen, die nicht unterschreiben, sind jene, die Velos grundsätzlich blöd finden.» Schwieriger sei es, genügend motivierte Sammlerinnen und Sammler zu finden. Wer nicht selbst auf der Strasse aktiv werden wolle, solle doch im Treppenhaus ein paar Unterschriftskarten auflegen. Alle Massnahmen seien willkommen. Matthias Probst wird weiterhin unterwegs sein. Sei es an den Velobörsen oder nach Feierabend mit einem mobilen Stand an belebten Orten.
Allianzen gründen
Auch in Schaffhausen ist Pro Velo nicht untätig. Der Regionalverband ist auf gutem Weg, sein Unterschriftenziel zu erfüllen. Laut Geschäftsführer Simon Furter war insbesondere das Sammeln an der Velobörse «ein Heimspiel». Dennoch sei es unumgänglich, aktiv auf die Leute zuzugehen. Die Schaffhauser haben gezielt Personen in der Warteschlange vor der Kasse angesprochen. Doch auch die eigenen Mitglieder haben bereits fleissig unterschrieben und wohl zuweilen auch im persönlichen Umfeld gesammelt. Etwa die Hälfte aller Unterschriften ist in Schaffhausen so zusammengekommen, schätzt der Geschäftsführer. Der Regionalverband setzt zudem auf die kürzlich gegründete Velo-Allianz Schaffhausen. Unter der Leitung von Pro Velo haben sich 13 Organisationen aus der Regionen darin zusammengeschlossen. Die Allianz will dem Fahrrad als «Fahrzeug der Zukunft» zum Durchbruch verhelfen.
Fabian Baumann
19.05.2015







