Jetzt kommts drauf an

Vor sechs Monaten fiel in Bern der Startschuss zur Veloinitiative. Heute hat sie Fahrt aufgenommen, doch die Ziellinie ist noch nicht erreicht. Einige Tipps, die dabei helfen, nochmals einen Gang höher zu schalten.

no-image

Fabian Baumann
18.09.2015

Die Eckdaten sind klar. Innerhalb von 18 Monaten müssen 100 000 gültige Unterschriften gesammelt sein. Die Pro-Velo-Regionalverbände stehen in der Pflicht, ihren Teil zum Erfolg beizutragen. Zum ersten Mal in der Geschichte von Pro Velo hat der Dachverband seinen Mitgliedern verbindliche Vorgaben, in Form von Sammelquoten, gemacht. Ein Drittel der Sammelfrist ist nun verstrichen. Zeit für eine Zwischenbilanz.
Während der Sommermonate hat die Initiative Fahrt aufgenommen. Bis Ende August sind knapp 95 000 Unterschriften eingetroffen, wie Kampagnenleiter Daniel Bachofner gegenüber Velojournal erläutert. Bachofner ist zuversichtlich, dass die Trägerorganisationen bis Ende November ihr gestecktes Ziel von 120 000 Unterschriften erreichen können. Weil immer auch mit einem Teil ungültigen Signaturen zu rechnen ist, braucht es laut Bachofner ein Polster von gut 20 Prozent. Die Pro-Velo-Basis ist also weiter gefordert, und einige Regionalverbände haben dem Vernehmen nach noch einen weiten Weg vor sich, um ihre Quote zu erfüllen.

Der richtige Ort
Auch Zürich hat es noch nicht ganz geschafft. Das vorgegebene Ziel ist mit 20 000 Unterschriften hoch, doch die Zürcher Unterschriftensammlerinnen und -sammler sind gut unterwegs. Bereits sind mehr als die Hälfte der Signaturen im Trockenen. Weitere aus dem Kanton eingegangene Unterschriftenbögen hinzugerechnet, ist das Sammelziel bereits in Sichtweite. Verantwortlich dafür, dass Pro Velo Zürich die Quote erfüllt, ist Matthias Probst. Probst verfügt seit seinem Engagement bei den Jungen Grünen – Stichwort Offroader-Initiative – über viel Erfahrung. Er weiss, wovon er spricht, wenn er sagt: «Es ist eine Knochenarbeit und sehr anstrengend. Aber es ist eine Arbeit, die erledigt werden muss.» Probsts persönlicher Rekord liegt bei 260 Unterschriften an einem Tag. Zum Vergleich: Das sind 10 Unterschriften mehr, als die kleinsten Regionalverbände als Quote erhalten haben. Und wie kommt so eine stattliche Anzahl zusammen? Vor allem die Wahl des richtigen Ortes und Zeitpunkts sind entscheidend, sagt Matthias Probst. Sein heisser Tipp: Sich an Abstimmungssonntagen vor Wahllokalen positionieren. Was früher gang und gäbe war, ist seit der Einführung der brieflichen Stimmabgabe etwas in Vergessenheit geraten. Ein Fehler, wie das Beispiel aus Zürich zeigt. Die nächste Gelegenheit, das Sammeln vor Wahllo­kalen auszuprobieren, bieten übrigens die National- und Ständeratswahlen am 18.?Oktober.

Der richtige Auftritt
Matthias Probst empfiehlt weiter, belebte Orte auszusuchen: Quartierfeste, Open-Air-Konzerte oder slowUps. «Und Standaktionen sind ein Muss», sagt er. Wichtig dabei: sichtbar sein. Passantinnen und Passanten sollen die Pro-Velo-Unterschriftensammlerinnen und -sammler auf Anhieb erkennen und – was noch wichtiger ist – von den Spendensammlern, die oft in den Innenstädten anzutreffen sind, unterscheiden können. Denn diesen weicht man in aller Regel aus. So kommen keine Unterschriften zustande.

Der richtige Partner
Wenn für die Unterschriftensammlung nicht genug engagierte Personen zur Verfügung stehen, kann die Arbeit auch an Externe ausgelagert werden. «Professionelle» Sammler schaffen gut und gerne 50 bis 60 Unterschriften in der Stunde, weiss Matthias Probst zu berichten. Die Zürcher setzen aber nur spärlich auf solche Personen, denn diese Variante kann rasch ins Geld gehen. Unter einem Franken pro Unterschrift läuft in diesem Geschäft nichts, schnell werden auch bis zu vier Franken pro Signatur fällig. Die Hilfe von bezahlten Unterschriftensammlern ist daher eher eine Notlösung, wenn alle anderen Aktionen nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. Und noch reicht die Zeit, aktiv zu werden.

Empfohlene Artikel