Mein erstes Mal? Gerade noch gut gegangen: Vor etwa zehn Jahren schrieb ich über ein neu eröffnetes Velogeschäft, das sich auf E-Bikes und Transportvelos spezialisieren wollte. Der stolze Inhaber führte mich herum und ermunterte mich, mit einem der fabrikneuen Bikes eine Runde zu drehen. Klare Sache – eine solche Gelegenheit lässt frau sich nicht entgehen. Der kräftige Antritt, den ich mir im Stadtverkehr über die Jahre zugelegt habe, um an der Ampel sofort in sichere Distanz zum Auto neben mir zu kommen, erfolgte entsprechend automatisch. Doch wie reagierte das doofe Velo? Es ging doch glatt in die Knie, beziehungsweise das Vorderrad stach in die Luft. Beinahe hätte es mich abgeworfen! Und obendrein fühlte ich mich auf einen Schlag zurückversetzt in die Teenie-Zeit: Damals verbrachten die Jungs bei uns im Dorf die längste Zeit damit, vergleichbare «Kunststücke» mit ihren Töffli vorzuführen – es sei denn, sie widmeten sich gerade ernsten Themen, namentlich der Frage «Puch Maxi oder Piaggio Ciao?» Ich gab das Bike zurück und erklärte dem gespannt wartenden Velohändler, «so in zwanzig Jahren» sei das sicher etwas für mich. Er schmunzelte und gab sich damit zufrieden.
Auch meine zweite Fahrt mit einem E-Bike erfolgte während der Arbeitszeit: Die SBB stellten ihren neuen, multifunktionalen Waggon vor. Um uns JournalistInnen zu zeigen, wie gut sich Velos darin verstauen lassen, mieteten sie zwei Dutzend E-Bikes und luden uns ein, mit SBB-Meyer, Stadler-Rail-Spuhler und weiteren «hohen Tieren» durchs Zürcher Oberland zu fahren. Wobei einige darauf bestanden, auf Velos ohne Strom die harten Kerle zu markieren; Peter Spuhler war einer von ihnen. Als es einen einigermassen steilen Hügel hoch ging, überholte ich ihn. Er blickte irritiert auf. Ich lächelte ihn an: «Tja, so sind sie, die Elektrischen, gälled Si …» Er lächelte auch, eher gequält allerdings. Und ich lernte wieder etwas dazu: Überholen mit dem E-Bike ist nicht halb so lustig, wie wenn man mit dem unmotorisierten Stahlross an Vordermann/-frau vorbeikommt …
Seither bin ich zwar nicht mehr E-Bike gefahren, fühle mich aber bestens gerüstet, falls es, in zwanzig Jahren oder so, aktuell werden sollte. Bis dahin gondle ich friedlich mit meinem stromlosen Drahtesel durch die Gegend wie eh und je – und rege mich höchstens auf, wenn jemand rücksichtslos fährt, rechts überholt oder sich sonstwie daneben benimmt. Ob er oder sie dabei elektrisch unterwegs ist oder nicht, spielt keine Rolle. Und von überholenden E-Bikes lasse ich mich schon gar nicht stressen. Ich weiss ja jetzt: Es macht ihnen gar keinen Spass!
Nicole Soland
28.04.2017







