Danny Boyle hat die Geschichte von Aron Ralston verfilmt. Der Regisseur von «Trainspotting» (1996) und «Slumdog Millionaire» (2008) hat inzwischen zehn Filme gedreht und dafür über 100 internationale Filmpreise eingeheimst. Boyle las Aron Ralstons Memoiren «Between a Rock an a Hard Place» (auf Deutsch: «127 Hours – Im Canyon; Fünf Tage und Nächte bis zur schwierigsten Entscheidung meines Lebens») und wusste sofort, welchen Film er aus dieser Geschichte machen wollte. Ralston und Boyle trafen sich im Juli 2009 zum ersten Mal. Zusammen wanderten und kletterten sie am Ort des Geschehens im Blue John Canyon nahe Moab im US-Bundesstaat Utah.
Ralston war es wichtig, dass der Filmemacher sich mit dieser rauen Landschaft, die für ihn so bedeutend geworden war, vertraut machte. Hier hatte er sich im April 2003 seine rechte Hand in einem heruntergefallenen Felsbrocken verklemmt. 127 Stunden dauerte sein Martyrium. Er kämpfte gegen Wassermangel, kalte Nächte und ungeheure Schmerzen. Mit aller Kraft stemmt sich Ralston gegen den Felsen. Er versucht es immer wieder bis zur Erschöpfung. Doch der Brocken liess sich nicht bewegen. Er bearbeitete den Stein mit seinem Multi-Tool, wollte sich damit freischlagen – ein sinnloses Unterfangen. Auch mit einem ausgetüftelten Seilzugsystem blieb er erfolglos – die Hoffnung auf Hilfe schwand zusehends.
Dokumentiertes Martyrium
In seinem Rucksack führte der Abenteurer neben seinem Kletterzeug auch eine Digitalkamera und einen Camcorder mit. Er sprach in seine Kamera, filmte, machte Fotos. Für Boyle und den Schauspieler James Franco waren diese Originalaufnahmen eine Fundgrube und Inspirationsquelle. Ein Highlight des Films sind denn auch die Szenen, in denen sich der Darsteller mit seinem Camcorder filmt. Einmal spielt er eine Interview-Radiosendung nach. Er nimmt sich dabei selber aufs Korn. «Sie haben also niemandem erzählt, wohin Sie gehen?», fragt der fiktive Interviewer. «Ja. So ist es», gibt der Beftragte zu. «Niemand weiss, wo ich stecke – oops.»
Zu Beginn hat der Film ein gewaltiges Tempo. Nicht zuletzt dank der actionreichen Bikeszenen. Die Fahrt ist rasant und spannend gefilmt. Es folgt ein Sturz, der den Akteur nicht weiter aus der Ruhe bringt, obwohl er nicht ganz schmerzfrei ausgeht. In seinem Klettergebiet angekommen, schliesst Ralston sein Bike an einem Wacholderbaum ab. In seiner Autobiografie schreibt er dazu: «… auch wenn sich wohl hier niemand daran vergreifen wird. Aber, wie mein Vater immer sagt, warum ehrliche Menschen in Versuchung führen?»
Danach wird das Abenteuer klaustrophobisch, und wir geraten als Zuschauer, nach einer Begegnung mit zwei Wanderinnen, zusammen mit dem Darsteller in die Felsspalte. Wir werden Zeugen, wie sich Ralston befreien möchte, wie Knochen brechen und wie er sich schliesslich freischneidet. Diese Szenen sind harte Kost und nichts für zarte Gemüter.
Für Ralston war die Leidenszeit damit aber noch lange nicht zu Ende. In seinem Buch schildert er, wie er noch mit einer gefährlichen Infektion zu kämpfen hatte, die ihn hätte umbringen können. Es folgten weitere chirurgische Eingriffe und eine lange Erholungszeit. Das Buch ist lesenswert. Nicht zuletzt, um die Zeit zu überbrücken, bis die DVD zum Film in den Verkaufsregalen liegt.
«127 Hours»
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Danny Boyle und Simon Beaufoy
Schauspieler: James Franco (Aron Ralston), Amber Tamblyn (Megan), Kate Mara (Kristi), Clémence Poésy (Rana), Kate Burton (Arons Mutter), Lizzy Caplan (Sonja)
Schnitt: Jon Harris
Musik: A. R. Rahman
Kamera: Anthony Dod Mantle, Enrique Chediak
Buch: 127 Hours – Im Canyon; Fünf Tage und Nächte bis zur schwierigsten Entscheidung meines Lebens. Von Aron Ralston.







