Velodiebstahl ist ein grosses Ärgernis. Die ständige Angst davor, sein Velo nicht mehr am gewohnten Ort vorzufinden, kann die Freude am Velofahren trüben. Pro Velo kennt das Problem und ist bemüht, einiges zu unternehmen, damit Diebstähle wirksam verhindert werden können und mehr gestohlene Räder wieder zurück zu ihren Besitzern finden. Dazu gehören beispielsweise Empfehlungen für Diebstahlsicherungen und Register, in welche die Rahmennummern von Velos eingetragen werden. Doch damit allein ist dem Problem nicht beizukommen. Neue Lösungen mit Tracking-Systemen drängen auf den Markt. Westschweizer Pro-Velo-Regionalverbände haben eines dieser neuen Systeme getestet.
Das Westschweizer Unternehmen Dual Networks hat das System Trakyv entwickelt und preist es als «Lösung der Schweiz gegen Diebstahl» an. Wird ein Velo gestohlen, soll es mittels eines eingesetzten Chips wieder gefunden werden. «Wir haben eine kollektive Lösung für ein kollektives Problem, die zudem die Arbeit der Polizei erleichtert», sagt Pierre Alexandre Nuoffer von Trakyv. «Das Velo mit einem Trakyv-Chip auszustatten, ist, wie wenn man sich impfen lassen würde.»
Erfolgreicher Pilotversuch
Die Idee ist, dass ein mit dem Chip ausgestattetes Velo Diebe auch daran hindert, weitere Fahrräder zu stehlen – aus Angst davor, gefasst zu werden. Ein Pilotversuch in Yverdon habe gezeigt, dass Trakyv funktioniert: In Yverdon sei abends um sieben ein Diebstahl gemeldet worden. «Am nächsten Morgen konnte das Velo bereits von einem städtischen Reinigungsfahrzeug geortet werden», beschreibt Nuoffer eine von vielen positiven Erfahrungen.
Entstanden ist das Trakyv-Projekt auf Initiative der Polizei Nord Vaudois. Die Velolobby unterstützte es von Anfang an. «Unsere Gemeinde kämpft gegen Velodiebstahl und Vandalismus, wir kämpfen mit», so Jean-Marc Sutterlet von Pro Velo Yverdon. Und weiter: «Es bringt nichts, Velorouten zu bauen, wenn dann keine Fahrräder mehr darauf fahren.»
In Yverdon konnten dank des Systems schon einige gestohlene Velos wieder gefunden werden, zieht Sutterlet Bilanz. Für eine schweizweite Diebstahlnachverfolgung bräuchte es aber Subventionen, die den Preis für einen Chipeinbau von momentan 70 bis 90 Franken auf ungefähr 50 Franken senken würden, findet Sutterlet. Er denkt dabei etwa an Beiträge von Versicherungen.
Auch an anderen Orten fand das Projekt schnell Anklang. In 13 Gemeinden und Städten der Romandie ist Trakyv bereits erhältlich. Auch in Lausanne, wo man das Produkt seit Mitte November 2015 im Maison du Vélo von Pro Velo Lausanne kaufen kann. «Die Polizei war von Beginn an involviert, das war entscheidend für unsere Beteiligung», sagt Arnaud Nicolay von Pro Velo. Die lokale Zweiradlobby unterstützt das Projekt, indem sie dafür Werbung macht. Es sei keine «Traumlösung», aber eine interessante Technologie, die dazu beitragen könne, ein gestohlenes Velo wiederzufinden, so Nicolay.
Zürich zeigt Interesse
Nun soll der Diebstahlalarm auch in die Deutschschweiz kommen. Nuoffers Wunsch: «Wenn eine Organisation wie Pro Velo auch politisch mithilft, wird es in drei bis vier Jahren viel weniger Velodiebstähle geben.» Pro Velo Zürich zeigt Interesse an der Idee. Mitte März lancierte der Verband eine Anti-Veloklau-Kampagne mit Tipps und Tricks gegen Diebstahl. Trakyv hat dort ebenfalls einen Platz. «Ich weiss nicht, ob sich die Idee durchsetzt, denn 70 Franken für den Chipeinbau in ein Velo, das nur wenige Hundert Franken gekostet hat, sind doch ziemlich viel», bemängelt Dave Durner von Pro Velo Zürich. Man werde aber voraussichtlich in diesem Jahr Vorstösse einreichen, damit Zürcher Polizeiautos mit Trakyv-Sensoren ausgerüstet werden, die es für die Auffindung von gestohlenen Rädern braucht. Pierre Alexandre Nuoffer ist sich sicher: «Eines Tages wird man das Velo am Bahnhof stehen lassen können, ohne es abzuschliessen. Weil Diebstahl nichts mehr bringt.»







