Hobbyfahrer als Punktesammler

Wer sich als Hobbyfahrer mit Gleichgesinnten messen will, kann dies nicht nur im Rahmen der Jedermannrennen erleben. Neu gibt es einen Hobbyradcup mit Punktesystem.

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Pascal Meisser
Sport, 19.05.2010

Wer es als Hobbyfahrer schnell mag und auch gerne mal zwischendurch Renn­atmosphäre schnuppert, hat es in der Schweiz nicht einfach. Nur drei Rennveranstalter bieten in ihrem Rennprogramm Platz für Hobbyfahrer: Neben der Berner Rundfahrt stehen der GP von Gippingen sowie die Züri-Metzgete zur Auswahl. Daneben gibt es noch eine Anzahl kleinerer Rennen, die den Hobbyfahrern eine Startmöglichkeit erlauben.

Dass bei den Hobbyfahrern durchaus die Lust an Wettkämpfen vorhanden ist, zeigt das Beispiel der Berner Rundfahrt von Anfang Mai. Bereits eine Woche vor dem Anlass hatten sich über 900 Fahrerinnen und Fahrer für die vier verschiedenen Streckenlängen zwischen 20 und 100 Kilometer angemeldet. Eine solche Teilnehmerzahl ist auch für den Veranstalter interessant – vor allem finanziell. Das Startgeld beträgt je nach Streckenlänge zwischen 40 und 80 Franken, deutlich mehr, als Rennfahrer für ihren Startplatz berappen müssen. Als einer der ersten grossen Veranstalter hat die Berner Rundfahrt beschlossen, sich ab diesem Jahr als Breitensportanlass mit Renncharakter zu positionieren. Dieser Neuorientierung fällt allerdings das Frauenweltcuprennen zum Opfer. Es sei sowohl beim Publikum als auch bei den Medien auf zu geringes Interesse gestossen. Daneben seien auch finanzielle Überlegungen ausschlaggebend für diesen Entscheid gewesen, begründeten die Organisatoren.

Geldbringende Masse

Noch hat kaum einer der übrigen Rennveranstalter die Hobbyfahrer als geldbringende Masse entdeckt. Die Organisatoren der Berner Rundfahrt sind allen voraus und liegen damit – wenn man einen Blick nach Deutschland wirft – total im Trend. In unserem nördlichen Nachbarland erlebt eine Serie für Renn- und Hobbyfahrer eine veritable Erfolgsgeschichte. Das Rezept ist simpel: Man verknüpft die Rennen für Elite-Athleten mit einer für Hobbyfahrer. Zu dem elf Anlässe umfassenden Cup zählen deutsche Klassiker wie «Rund um Köln» oder das frühere Rennen rund um den Henninger Turm in Frankfurt, das heute im benachbarten Eschborn ausgetragen wird. Dank Cup-System werden die Hobbyfahrer dazu motiviert, an mehreren Anlässen teilzunehmen, sodass alle Veranstalter davon profitieren.

Swiss Cycling fördert Breitensport

Die Schweiz hinkt dieser Entwicklung meilenweit hinterher. Hierzulande schaffte man es noch nicht mal, nach dem Ende des Arif-Cups vor einigen Jahren überhaupt wieder eine Serie auf die Beine zu stellen. Löbliche Ausnahme stellt der Frauencup dar, der auf Initiative des Emmentalers Ernst Kobel seit zwölf Jahren ausgetragen wird. Bei den Männern hingegen ist die Etablierung einer Rennserie mangels Sponsoren noch in weiter Ferne.

Die Hobbyfahrer müssen sich aber nicht grämen. Swiss Cycling hat sich in den letzten Jahren deutlich stärker um den Breitensport bemüht. Ein Ergebnis ist die Tatsache, dass zehn der qualitativ besten Anlässe den Zusatz «Swiss Cycling Top Tour» tragen dürfen. Wer an mindestens vier Wettkämpfen teilnimmt, wird mit einer Wettbewerbsteilnahme belohnt. Zu den zehn Top Tours zählen Rennen wie die Berner Rundfahrt und Marathons wie das Alpenbrevet – ein Kompromiss zwischen Rennfahrern und Marathonisti unter den Hobbyfahrern.

Neu gibt es für Hobbyfahrer noch ein weiteres System, sich kostenlos miteinander zu messen: Beim «Hobbyradcup» können Punkte gesammelt werden. Je mehr Kilometer und Höhenmeter man zurücklegt, desto mehr Punkte werden dem eigenen Konto gutgeschrieben. Initiant des Projekts ist der Zürcher Thomas Köchli, der sich vor zwei Jahren Gedanken machte, wie man wieder mehr Hobbyfahrer dazu bewegen kann, an Anlässen teilzunehmen. Er machte sich daran, ein Punktesystem auszutüfteln, das die Distanz und die Schwierigkeit der Anstiege berücksichtigt. Inzwischen ist der Bewertungsmodus ziemlich ausgereift und verschiedene Veloclubs – etwa Urdorf oder Reinach BL – haben entdeckt, dass sie auf dieser Plattform sogar neue Vereinsmitglieder gewinnen können.

www.swiss-cycling.ch; www.hobbyradcup.ch

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