Die Geschichte handelt von Hannes (Florian David Fitz), einem 36-jährigen Mann, der an ALS leidet, einer unheilbaren, degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems, die zum Tod führt. Davon wissen aber nur seine Frau Kiki (Julia Koschitz) und seine Familie. In der Eröffnungsszene sieht man, wie er sich auf einem Hometrainer abrackert. Sein Wille treibt ihn an, noch einmal möchte er mit seinen besten Freunden eine Velotour unternehmen. Dafür muss er fit sein. Seit der Studienzeit unternimmt er zusammen mit Kiki, Michael (Jürgen Vogel), Dominik (Johannes Allmayer) und Mareike (Victoria Mayer) Veloreisen. Auch sein Bruder Finn (Volker Bruch) kommt mit. Freunde und Familie wissen zu diesem Zeitpunkt noch nichts von Hannes’ wahrem Reiseziel. Sie wissen nur: Es geht nach Belgien.
Noch ein letztes Mal auf Tour
Die Reise verläuft denn auch etwas anders als in früheren Jahren. Nach einer Zwangspause wird ein Ritual abgehalten. Auf Bierdeckeln wird allen eine geheime Aufgabe zugeteilt, die während der Reise erfüllt werden muss. Darunter sind auch Aufgaben, die bei den Adressaten nicht gerade Begeisterungsstürme auslösen.
Bei der ersten Station trifft die Gruppe auf Jens, der früher auch mit unterwegs war. Doch er hat ein gebrochenes Bein und muss zu Hause bleiben. Dafür ist Irene (Hannelore Elsner) anwesend, die Mutter von Hannes und Finn. Als alle zusammen am Tisch sitzen, bricht der emotionale Damm. Dennoch beginnt Hannes seine Begleiter nur zögerlich über seine Krankheit und das eigentliche Ziel der Reise zu informieren: Er möchte in Belgien sterben.
Die Freunde reagieren geschockt, und die Tour wird infrage gestellt. Dennoch finden sich am nächsten Tag alle zur Weiterfahrt ein und möchten «noch mal richtig auf die Kacke hauen», wie Michael verspricht. Im weiteren Verlauf der Story werden die zugeteilten Aufgaben gelöst. Darunter die gelungene Transformation von Michael in eine Frau – und prompt begegnet er seiner Traumfrau Sabine (Miriam Stein), die sich der Gruppe anschliesst.
Auch eine Schlammschlacht gehört zum Szenario, hinterlegt mit einem hörenswerten Song der Beatsteaks. Am letzten Abend der Veloreise nimmt Hannes seinen Freunden das Versprechen ab, dass es keine herkömmliche Beerdigung geben soll und dass sie jedes Jahr eine Velotour unternehmen werden. Da bricht es aus Kiki heraus: Sie ist verzweifelt und sieht sich ausserstande, etwas zu versprechen. Er hat die schwerste aller Entscheidungen ohne sie getroffen. Sie fühlt sich allein gelassen. Als die Gruppe beim Arzt eintrifft, der Hannes die tödliche Spritze setzen soll, gibt es eine unerwartete Wendung.
Mehr als ein Schulprojekt
Das Drehbuch zu «Hin und weg» stammt von Ariane Schröder, Filmstudentin an der Münchner Filmhochschule. Der dort lehrende Florian Gallenberger produzierte zusammen mit Benjamin Herrmann den Film. Regisseur Christian Zübert ist als «Tatort»-Regisseur bekannt und erhielt 2012 den deutschen Regiepreis Metropolis für «Dreiviertelmond». Fazit: eine sehenswerte Tragikomödie mit einer grossartigen Julia Koschitz als Kiki (siehe auch vj 6/2010 «Der letzte schöne Herbsttag»).
Der Film
Hin und weg
Deutschland 2014
Regie: Christian Zübert
Drehbuch: Ariane Schröder
SchauspielerInnen: Florian David Fitz (Hannes), Julia Koschitz (Kiki), Jürgen Vogel (Michael), Miriam Stein (Sabine), Volker Bruch (Finn), Victoria Mayer (Mareike), Johannes Allmayer (Dominik), Hannelore Elsner (Irene) und weitere
Kamera: Ngo The Chau
Szenenbild: Kobita Syed
Kostümbild: Monika Gebauer
Produktion: Florian Gallenberger, Benjamin Herrmann







