Sie heissen Velopass, nextbike und Vélib – die neue Generation automatisierter Velo-Verleihsysteme, die momentan in vielen Städten eingerichtet werden. Auch die Schweiz wurde von der Welle erfasst. Allein in diesem Jahr starten Biel, Fribourg, Lugano, Luzern, Yverdon und einige Orte im Wallis. Genf will im Herbst einen Auftrag für ein 1400 Velos umfassendes Netz ausschreiben. In Fribourg sind erstmals auch E-Bikes automatisch ausleihbar, ein Segment mit Zukunft.
Beflügelt vom Schub aus Frankreich treibt hierzulande die Romandie die Entwicklung von automatisierten Verleihnetzen voran. «Viele Deutschschweizer Städte zögern noch, weil es verschiedene Systeme gibt», weiss Philip Douglas. Seine Firma simpel.ch bietet das Paperbike an, das in den meisten bisheigen Verleihsystemen in der Schweiz zum Einsatz kommt.
Ein Datenträger, verschiedene Systeme
Der Erfolg von Velopass – das System läuft unter anderem in Lausanne, Aigle, Sion und Yverdon-les-Bains – erklärt sich vor allem dadurch, dass der Datenträger kompatibel ist mit anderen Systemen. Die Karte kann auch als ÖV-Ausweis oder als Legi der Universität benutzt werden. Die Smartcard funktioniert auf allen Netzen von Vélopass und für die Mobility-Autos.
Kritischer wird der hohe Aufwand für die Installierung des Systems beurteilt. Die Leihvelos von Velopass sind an festen Stationen mit massiven Pfosten angeschlossen. Die Smartcard löst das Schloss. Die Kosten für den Aufbau sind hoch, die unterirdische Verkabelung der Pfosten ist aufwendig. Zürich zum Beispiel rechnet für den Bau eines Velopass-Systems mit 50 Stationen und 500 Bikes mit Kosten von über vier Millionen Franken. «Deshalb schauen wir mit Interesse auf die Entwicklungen in Biel», erklärt der Zürcher Velobeauftragte Urs Walter.
Biel hat sich für ein anderes System entschieden: Die 400 Bikes an 50 Stationen werden nicht an fixen Ständern stehen, sondern in unmittelbarer Nähe eines Wifi-Sendeturms plaziert. Die Bedienung erfolgt auch über eine Smartcard, doch das Schloss ist am Fahrrad selbst angebracht. Für Projektleiter Jonas Schmid bringt dies den Vorteil, dass Biel zwar auch den kompatiblen Datenträger wie Velopass verwendet, aber flexibiler ist: «Im Sommer können wir mehr Velos neben die Badi stellen und im Winter vor die Eishalle», fasst er die Grundidee zusammen. Zudem ist das System mit 550 000 Franken Installationskosten vergleichsweise günstig.
Mit einer anderen Technologie operiert das aus Deutschland stammende nextbike-System, das auch in der Zentralschweiz aufgebaut wird. Die freistehenden Velos sind mit einem Zahlenschloss verriegelt. Die Kunden erhalten den Code per Hotline oder per SMS. Projektleiter Armin Schmid sieht den Vorteil von nextbike darin, dass praktisch alle potenziellen Kunden bereits ein Handy haben und die Einstiegsschwelle deshalb sehr tief sei. Trotz der unterschiedlichen technologischen Grundlagen betonen alle Akteure ihr Interesse an kompatiblen Lösungen. An einem Verdrängungswettbewerb zwischen den Systemen hat offenbar niemand ein Interesse.
Modularer Aufbau statt Harmonisierung
Lucas Girardet von Velopass betont, sein Systeme erlaube einen modularen Aufbau: Die benutzten Velos, die Software und die Abstellanlagen könnten von verschiedenen Anbietern stammen. Entscheidend sei, dass der Datenträger, mit dem sich die Nutzerinnen und Nutzer identifizieren, überall der gleiche ist. Dies ist aber noch nicht der Fall. Armin Schmid von nextbike weist seinerseits auf das Potenzial der Smartphones hin: Schon heute können Handys bedeutend mehr als bloss telefonieren. Es ist durchaus denkbar, dass sie dereinst auch als Smartcard, Generalabonnement und Mobility-Ausweis dienen.
Neue Koordinationsstelle
Pro Velo und die Velokonferenz Schweiz lancieren eine Koordinationsstelle «bikesharing». Diese bietet Gemeinden, Tourismusbüros und Firmen bei der Planung, Koordination und Umsetzung von individuell angepassten Netzen für Verleihvelos eine neutrale Beratung. Im Juni kommt der erste Newsletter heraus, und im September findet ein Treffen für Fachleute statt.
www.bikesharing.ch







