Gelernt ist gelernt

Velofahren ist simpel. Sicheres Vorwärtskommen im Verkehr will aber gelernt sein. Mit Weiterbildungskursen leistet Pro Velo einen Beitrag zur Verkehrssicherheit.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
18.03.2014

Wer einmal Velo fahren kann, verlernt es nie mehr. Der Grund dafür liegt im menschlichen Gehirn. Es speichert Informationen unterschiedlich ab. Fakten werden im sogenannten deklarativen Gedächtnis gespeichert. Dort können sie aber schnell verloren gehen. So kommt es vor, dass uns ein Name oder ein Datum partout nicht mehr in den Sinn kommen. Fertigkeiten hingegen – und dazu gehören die Bewegungsabläufe – werden, sobald sie eingeübt sind, im prozeduralen Gedächtnis gespeichert und bei Bedarf automatisch abgerufen. Deshalb muss man auf dem Velo nicht darüber nachdenken, wie die Pedalen zu bewegen sind. Man fährt einfach.

Ängste abbauen

Zum sicheren Radfahren gehört aber mehr. Hier setzt Pro Velo mit Weiterbildungskursen an, unterstützt vom schweizerischen Fonds für Verkehrssicherheit. «Ziel ist es, Menschen jeden Alters und mit unterschiedlicher Erfahrung zum sicheren Velofahren anzuleiten», sagt Bea Fehr, Mitverantwortliche für die Programmleitung der Kurse. Ein Leistungsvertrag mit dem Verkehrssicherheitsfonds regelt die Qualitätsstandards, die jährlich überprüft werden. «Wir erhalten sehr gute Prüfergebnisse», erläutert Fehr im Gespräch mit Velojournal. In Wohlen thematisiert ein Kurs die Gefahr des toten Winkels bei Lastwagen. Er richtet sich an Primarschüler und findet im Zweijahresturnus statt, dieses Jahr im September. Der Anlass stosse jeweils auf sehr grosses Interesse, sagt die Kursverantwortliche Daniela Skarits. Sie führt gar eine Warteliste. Im Ort herrscht starker Durchgangsverkehr, erläutert Skarits. Kinder nähmen Lastwagen als Bedrohung wahr und hätten Angst.

«Überraschend viele Erwachsene erschrecken über den langen Bremsweg eines Lastwagens.»

Daniela Skarits

Der Kurs soll helfen, die Furcht abzubauen und einen gesunden Respekt zu bewahren. Ein Transportunternehmen stellt dazu zwei Lastwagen mit Instruktoren zur Verfügung. Die Kinder setzen sich in den Führerstand und sehen den Effekt des toten Winkels mit eigenen Augen. Im zweiten LKW, ausgerüstet mit Kindersitzen, werden die Schülerinnen und Schüler auf eine Fahrt mitgenommen. Auf dem Velo lernt der Nachwuchs, wie man sich gegenüber einem Lastwagen richtig verhält. Etwa, sich nicht neben einem stehenden LKW aufzuhalten und wenn immer möglich hinter dem Fahrzeug zu warten, bis man weiterradeln kann. Am Ende des Kurses sollen die Kinder sowie deren Eltern den Bremsweg von LKW, Auto und Velo einschätzen. «Überraschend viele Erwachsene erschrecken über den langen Bremsweg eines Lastwagens», sagt Skarits. Insbesondere, wenn das Fahrzeug voll beladen ist. Aus Erfahrung wisse sie, dass die Sensibilisierung der Eltern zentral sei. Viele würden nicht Velo fahren, während sich ihre Kinder im Verkehr zurechtfinden müssten. Daniela Skarits wünscht sich entsprechend mehr Vorbildfunktion der Eltern.

Vorhandenes Wissen auffrischen

Das Stichwort Vorbildfunktion fällt auch im Gespräch mit der Schaffhauser Velokursverantwortlichen Fränzi Vögele. Mit dem Weiterbildungsangebot möchte sie die Lust am Radfahren vermitteln. Aber auch mal sagen: «Hey, das Fahrrad eignet sich auch zum Einkaufen.» Neben Kursen für Kinder gibt es darum ein auf Erwachsene zugeschnittenes Angebot. «Nach längerer Veloabstinenz fühlen sich manche unsicher auf dem Sattel», sagt Fränzi Vögele. Darum biete man Kurse an, in denen das vorhandene Wissen und Können aufgefrischt wird. Auf mehr Sicherheit zielt der Nachtfahrkurs ab. Vielen Velofahrerinnen und -fahrern sei nicht bewusst, wie schlecht sie mit dunkler Kleidung oder ungenügender Beleuchtung von anderen VerkehrsteilnehmerInnen wahrgenommen würden, gibt Fränzi Vögele zu bedenken. Es gehe aber nicht darum, den Mahnfinger zu heben. Vielmehr wolle man sensibilisieren. Der Lerneffekt persönlicher Erfahrungen sei ohnehin viel höher. Am Kurs erleben die Teilnehmenden, wie ein Fahrrad aus der Windschutzscheiben-Optik gesehen wird. Oder eben – je nach Situation – auch nicht gesehen wird.

Velofahrkurse von Pro Velo

Der Pro-Velo-Veranstaltungskalender listet für 2014 insgesamt 255 Kursdaten auf. Mit rund 10000 Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern wird ein neuer Rekord erwartet. Angeboten werden drei Kurstypen:

  • Für Kinder ab 6 Jahren in Begleitung Erwachsener
  • Für Kinder ab 7 Jahren in Begleitung Erwachsener
  • Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren

Zusätzlich werden E-Bike-Kurse angeboten.
 
www.velokurse.ch

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