Der Filmemacher Roberto Benigni spielt die Hauptrolle in «Das Leben ist schön» gleich selber. Er stellt dabei den jüdischen Italiener Guido Orefice dar. Im ersten Teil der Tragikkomödie sehen wir, wie Guido alle Hindernisse überwindet und mit seiner fröhlichen Art das Herz seiner «principessa», der Lehrerin Dora (Nicoletta Braschi), erobert. Das Paar heiratet und bekommt mit dem Jungen Giosuè (Giorgio Cantarini) bald Nachwuchs. Doch das Glück der jungen Familie ist nur von kurzer Dauer. Die Faschisten übernehmen immer stärker die Kontrolle. Die bedrückende Stimmung unter nationalsozialistischer Herrschaft wird im Buch zum Film (Suhrkamp) beschrieben: «Es ist ein warmer, heller Sommer. Doch es herrscht nicht viel Fröhlichkeit. Nur wenige Passanten. Die eine oder andere Frau eilt auf dem Gehsteig vorbei. Hin und wieder sieht man einen deutschen Militärlastwagen, einen Soldaten auf dem Motorrad.»
Dagegen setzen die Familie Orefice und ihr Velo einen klaren Kontrapunkt: «Das Fahrrad mit der Familie Orefice kommt unter Doras Protesten und Giosuès Anfeuerungsrufen im hohen Tempo fröhlich daher.» Einige Seiten mit den schönsten Veloszenen aus dem Buch schafften es sogar in die Anthologie «Sattelfest – Die besten Radgeschichten» (Malik, National Geographic).
Das grosse Klingeln
Die Orefices bringen ihren Sohn zur Schule, wobei sie eilig und unter wildem Geklingel auf den Eingang zuhalten. Ein witziger Dialog entwickelt sich unter den verschiedenen Mitgliedern, und Dora beschwert sich bei ihrem Gatten: «Guido, hör auf mit dieser Klingelei, ich bin schon ganz taub!» Benignis Figur gibt seinem Sohn scherzhaft die Schuld, wobei sich dieser entrüstet gegen den Vorwurf wehrt. Am Ende steigt Dora ab, als das Fahrrad vor der Schule zum Halten kommt. «Dora zieht sich im Weggehen den Rock zurecht und beschleunigt den Schritt. Guido fährt weiter, auf der Stange jetzt den Jungen, der sich sofort über die Klingel hermacht.»
Die unfassbare Realität
Nach dieser Idylle ist der weitere Verlauf der Handlung umso trauriger. Die sorglose Zeit ist endgültig vorbei, als Guido und Giosuè im Herbst 1943 in ein Konzentrationslager verschleppt werden. Dora ist zwar keine Jüdin, sie lässt sich aber, um bei ihrer Familie sein zu können, ins Lager bringen. Um Giosuè vor der unfassbaren Realität zu schützen, erzählt Guido seinem Sohn, dass die Deportation und das Lager ein Spiel seien. Dem Gewinner winke dabei – in Erinnerung an das Lieblingsspielzeug seines Sohnes – ein echter Panzer. Guido wird im Gegensatz zu Dora und Giosuè das Lager nicht überleben. Giosuè begegnet nach der Befreiung durch die US-Soldaten einem echten Panzer.
Im Film gibt es – typisch Benigni – Slapstick-Einlagen à la Charlie Chaplin. Das ist eine Verneigung des italienischen Comedian-Stars vor seinem grossem Vorbild. Dank seines Einfühlungsvermögens und der Qualität des Drehbuchs ist es Benigni dennoch gelungen, das Thema Holocaust würdig zu thematisieren. Dies zeigt sich auch in den unzähligen Auszeichnungen, die der Film erhalten hat. Unter anderem bekam er den europäischen Filmpreis, den Grossen Preis der Jury der Filmfestspiele in Cannes und schliesslich drei Oscars für den besten Auslandsfilm, den besten Hauptdarsteller und die beste Musik.
Würde im Angesicht des Bösen
Viel wichtiger als die Auszeichnungen war für Benigni persönlich aber, wie der Film von der jüdischen Gemeinschaft aufgenommen wurde. Im Making-of-Teil der DVD kommen diverse Stars und Würdenträger zu Wort, so auch der Dekan des Simon-Wiesenthal-Centers in Los Angeles, Rabbi Marvin. Dieser sieht das grosse Verdienst des Filmes darin, dass er die menschliche Würde im Angesicht des Bösen hervorhebe. Indem Benignis Figur gegenüber seinem Sohn so tue, als sei alles nur ein «Spiel» und dieses mitspiele, trotze er der «direkten Zerstörung». Das sei eine Form des Widerstands. Das sei Herz und Seele von Benignis Film.
«Das Leben ist schön»
(Originaltitel: «La vita è bella»), Italien 1997
Regie: Roberto Benigni
Drehbuch: Vicenzo Cerami, Roberto Benigni
Schauspieler: Roberto Benigni (Guido Orefice), Nicoletta Braschi (Dora), Giustino Durano (Eliseo Orefice), Giorgio Cantarini (Giosuè Orefice), Horst Buchholz (Dr. Lessing)
Kamera: Tonino Delli Colli
Schnitt: Simona Paggi
Filmmusik: Nicola Piovani
Produktion: Elda Ferri, Gianluigi Braschi
Länge: 119 Minuten







